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Kapitel 6

Mit diesem Kapitel beginnen dann die Gerichte, die durch die Öffnung der ersten sechs Siegel eingeleitet werden. Der Apostel Johannes bezeugt, was er daraufhin im Himmel gesehen hat:

Und ich sah, daß das Lamm eines der sieben Siegel auftat, und ich hörte eine der vier Gestalten sagen wie mit einer Donnerstimme: Komm! Und ich sah, und siehe, ein weißes Pferd. Und der darauf saß, hatte einen Bogen, und ihm ward gegeben eine Krone, und er zog aus sieghaft und daß er siegte.(Offb. 6, 1-2).

Um dieses Geschehen richtig deuten zu können, bedarf es zunächst einmal einer zeitlichen Einordnung. Dazu wollen wir noch einmal einen Rückblick vornehmen, diesmal allerdings gründlicher als zu Beginn von Kapitel 2. Es scheint jetzt hier angebracht zu sein, in mehr Einzelheiten zu gehen, damit die Zusammenhänge der apokalyptischen Gerichte besser verstanden werden.

Der Plan Gottes mit der Menschheit begann mit der Schöpfungsgeschichte, bestehend aus sechs Arbeitstagen und einem Ruhetag: Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag. So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer. Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte. (1. Mose 1, 31 - 1. Mose 2, 1-3).

Im Talmud, dem jüdischen Kommentar zur Thora, dem alttestamentlichen Gesetz, heißt es dazu:
Es gibt eine Lehre entsprechend Rab Qattina:
Ebenso wie beim Brachjahr ein Jahr in sieben brachliegt,
so wird die Welt tausend Jahre von 7000 Jahren brachliegen;
denn es heißt: "Der Herr allein ist erhaben an jenem Tag" (Jes 2, 11).
Und [die Bibel] sagt: "Ein Psalm. Ein Lied für den Sabbattag" (Ps 92, 1)
- ein Tag, der ganz Sabbat ist.
Und [ferner] sagt [die Bibel] (Ps 90, 4):
"Denn tausend Jahre sind für dich wie der Tag, der gestern vergangen ist".

In der Lutherbibel erklärt lautet dieser Vers im Gebet des Mose, des Mannes Gottes:
Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist.
Der Apostel Petrus bestätigt in seinem zweiten Brief dieses Wort des Mose, indem er darauf aufmerksam macht: Eines aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, daß ein Tag vor dem Herrn ist wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag. (2. Petr. 3, 8).

Außerdem ist im Talmud diese Erklärung der prophetischen Gottestage zu lesen, wie auch bereits in Kapitel 2 erwähnt:
In der Schule des Elijahu wird gelehrt:
Sechstausend Jahre wird die Welt bestehen: zweitausend der Wirrsal, zwei-
tausend der Tora, und zweitausend die Tage des Messias.

Eine andere Übersetzung lautet:
Im Lehrhaus Elias wurde gelehrt:
Sechstausend Jahre währt die Welt: zweitausend Jahre Wirrung, zweitausend Jahre Weisung und zweitausend Jahre Messias-Zeit. Aber wegen unserer Verschuldungen, die zahlreich geworden, sind von ihnen dahingegangen, wie sie eben dahingegangen sind.
(Sanhedrin 97 a/97 b)

Die Zeit der Wirrsal, wie sie im Talmud genannt wird, sind die zweitausend Jahre vom Sündenfall Adams bis Abraham, dessen Nachkommen von Gott durch Mose das Gesetz, die Thora (bekanntere Schreibweise), erhielten. Daraufhin folgten sodann zweitausend Jahre der Thora, also die Zeit von Abraham bis Jesus Christus, der etwa 4000 Jahre nach Adams Sündenfall als Mensch geboren wurde. Die darauffolgenden zweitausend Jahre, die Tage des Messias, sind das Zeitalter der Gemeinde Jesu Christi, an dessen Ende wir uns heute befinden. Danach wird mit dem Wiederkommen Jesu in Herrlichkeit das Tausendjährige Friedensreich beginnen. Dr. Martin Luther erkannte diese Zusammenhänge bereits um das Jahr 1540 n. Chr. und bemerkte dann dazu: "Also leben wir jetzt in der zweiten Hälfte des sechsten Jahrtausends der Welt, also können wir wissen, daß das Ende der Welt nahe ist.".

Die Zahl sieben stellt in der gesamten Bibel die göttliche Zahl der Vollkommenheit dar. Am häufigsten, wahrscheinlich über 100 Mal, erscheint sie gewiß in der Offenbarung, deren gesamter Aufbau geradezu durch diese Zahl bestimmt wird. So haben wir bis jetzt z. B. gehört von sieben Gemeinden, sieben Geistern, sieben Fackeln, sieben goldenen Leuchtern, sieben Sternen, sieben Siegeln, sieben Hörnern und zudem von sieben Engeln der Gemeinden. Wir werden bald hören u. a. von sieben Posaunen, sieben Donnern, sieben Häuptern, sieben Kronen, sieben Plagen, sieben goldenen Schalen u.s.w.. Außerdem könnte man dann ebenfalls noch die siebenjährige Trübsalszeit erwähnen, die dann allerdings in zweimal 3 ½ Jahre aufgeteilt ist.

Die Sieben durchzieht somit die ganze Bibel wie ein goldener Faden. Wir kennen daher die Siebenheit oder Woche von Tagen, dann außerdem eine Siebenheit oder Woche von Wochen, also sieben Wochen insgesamt. Es sind sieben Wochen vom Passah-Fest bis Pfingsten, dem jüdischen Schawuoth: Danach sollt ihr zählen vom Tage nach dem Sabbat, da ihr die Garbe als Schwingopfer darbrachtet, sieben ganze Wochen. Bis zu dem Tag nach dem siebenten Sabbat, nämlich fünfzig Tage, sollt ihr zählen und dann ein neues Speisopfer dem Herrn opfern. (3. Mose 23, 15-16).

Oft sind es sieben Monate vom jüdischen Jahresanfang (Rosch ha-Schanah) am 1. Tischri (dem siebenten Monat) bis zum Passah-Fest im Monat Nisan. Das ist abermals eine besondere biblische Einheit, nämlich eine Woche von Monaten. Dann ist alle sieben Jahre ein Sabbatjahr fällig: Sechs Jahre sollst du dein Feld besäen und sechs Jahre deinen Weinberg beschneiden und die Früchte einsammeln, aber im siebenten Jahr soll das Land dem Herrn einen feierlichen Sabbat halten; da sollst du dein Feld nicht besäen noch deinen Weinberg beschneiden. (3. Mose 25, 3-4).

Außerdem ist nach einer Siebenheit oder Woche von Jahrwochen, also nach 7 mal 7 = 49 Jahren, das darauffolgende Jahr ein Halljahr (oder Jubeljahr bzw. Erlaßjahr), das fünfzigste Jahr: Und du sollst zählen sieben Sabbatjahre, siebenmal sieben Jahre, daß die Zeit der sieben Sabbatjahre neunundvierzig Jahre mache. Da sollst du die Posaune blasen lassen durch euer ganzes Land am zehnten Tage des siebenten Monats, am Versöhnungstag. Und ihr sollt das fünfzigste Jahr heiligen und sollt eine Freilassung ausrufen im Lande für alle, die darin wohnen; es soll ein Erlaßjahr für euch sein. Da soll ein jeder bei euch wieder zu seiner Habe und zu seiner Sippe kommen. (3. Mose 25, 8-10). Die Halljahre oder Erlaßjahre heißen dann auf Hebräisch: Schenat ha-Jobel = Jahr des Freudenschalles, nämlich des Schofar oder Widderhornes. Dieses wird in einem anderen Zusammenhang in Kapitel 10 erklärt.

Der Plan Gottes mit der Menschheit umfaßt dann auch sieben Zeitalter oder Äone (griechisch: aion = aion, in der Lutherbibel übersetzt mit: Ewigkeit). Ein jedes dieser sieben Zeitalter oder auch Heilszeiten unterscheidet sich vom anderen durch besondere Verlautbarungen oder Offenbarungen Gottes und ebenso durch verschiedenes Handeln oder Wandeln Gottes mit den Menschen. Diese Zeitalter sind alle sehr verschieden in ihrer Zeitdauer, enden aber jeweils mit dem Gericht Gottes über die sündige Menschheit.

Die ersten vier dieser Zeitalter oder Äone, ebenfalls Haushaltungen oder vielleicht besser Heilszeiten genannt, können wir schon aus dem 1. Buch Mose (in manchen Übersetzungen auch: genesiV = Genesis, griech. = Ursprung bezeichnet) ersehen:
1. Das Zeitalter des Paradieses oder das Zeitalter der Unschuld -
Kein Zeitalter hat schlimmere Folgen gezeitigt wie dieses, als durch den
Sündenfall Adams unsägliches Leid und Elend über die Menschen kamen.
Nach dem jüdischen Schriftgelehrten Rabbi Hillel entspricht dieser Tag dem
7. Oktober 3761 v. Chr., wobei hier allerdings noch 246 Jahre fehlen, also
4007 v. Chr. müßte es richtig heißen. Diese immer noch im jüdischen Kalender
fehlenden Jahre erklären sicherlich auch manche Ungereimtheiten in den uns
vorliegenden Geschichtsdaten aus der Zeit Daniels, der etwa 500 v. Chr. lebte.
Eine genaue Erklärung dieser fehlenden 246 Jahre ist nachstehend zu finden.
2. Das Zeitalter vor der Sintflut oder das Zeitalter des Gewissens oder auch der
menschlichen Verantwortung -
Dieses Zeitalter dauerte genau 1656 Jahre und erstreckte sich also vom
Sündenfall Adams bis zur Sintflut. Diese Zahl von Jahren kann man anhand von
1. Mose 5, 1-29 und 1. Mose 7, 6 ermitteln. Nach dieser Berechnung müßte die
Sintflut dann im Jahre 2351 v. Chr. begonnen haben.
3. Das Zeitalter des Noah oder das Zeitalter der menschlichen Verwaltung oder
Entwickung -
Dieses Zeitalter währte von 2351 v. Chr. bis 1900 v. Chr., also 451 Jahre, von
der Sintflut (Regenbogen als Bundeszeichen) bis zum Untergang von Sodom
und Gomorra, als Abraham 99 Jahre alt war, siehe 1. Mose 17, 1 - 1. Mose 21, 2.
4. Das Zeitalter der Patriarchen (= Erzväter) oder das Zeitalter der Verheißung -
Dieses Zeitalter dauerte von der Verheißung Isaaks (Beschneidung als Bundes-
zeichen) bis zum Auszug aus Ägypten, dem Untergang des Pharaos mit seinem
ganzen Heer im Schilfmeer, also von 1900 v. Chr. bis 1494 v. Chr., das sind 406
Jahre. In der Rede des Stephanus heißt es: Denn Gott sprach (1. Mose 15, 13.
14): Dein Geschlecht wird ein Fremdling sein in einem fremden Lande, und sie
werden es dienstbar machen und übel behandeln vierhundert Jahre. (Apg. 7, 6).
Diese Zeit begann als Isaak fünf Jahre alt war, demnach im Jahre 1894 v. Chr.,
das sind genau 400 Jahre bis zum Auszug. Hierbei sollte man auch bedenken,
was der Apostel Petrus später schrieb: Denn es ist Zeit, daß anfange das Gericht
an dem Hause Gottes. Wenn aber zuerst an uns, was will's für ein Ende werden
mit denen, die dem Evangelium Gottes nicht glauben? Und wenn der Gerechte
kaum gerettet wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen? (1. Petr. 4, 17-
18). Demnach waren die vierhundert Jahre in Ägypten eine Zeit der Läuterung
für Israel. Das eigentliche Gericht jedoch traf nur die Gottlosen, den Pharao mit
seinem ganzen Heer. So endete auch dieses Zeitalter mit dem Gerichte Gottes.

Die weiteren Zeitalter oder Äone bzw. Heilszeiten sind sodann:
5. Das Zeitalter des Mose oder das Zeitalter des Gesetzes -
Etwas über 1 500 Jahre liegen zwischen der Gesetzgebung am Sinai (alter Bund)
und der Kreuzigung Jesu (neuer Bund), als dieses Zeitalter vorläufig endete mit
dem angekündigten Gericht, das sich dann auswirkte im Jahre 70 n. Chr. in der
Zerstörung Jerusalems und der Vertreibung des ganzen jüdischen Volkes aus
Israel durch die Römer.
6. Das Zeitalter des Christus (= die Tage des Messias, wie es im Talmud genannt
wird) oder das Zeitalter der Gnade durch das Evangelium Jesu Christi (auch als
Zeitalter der Gemeinde Jesu Christi bezeichnet) -
Dieses Zeitalter reicht von der Auferstehung Jesu bzw. Pfingsten (Apg., Kapitel
2) bis zur Entrückung der Gemeinde, also der Zeit, wo der Heilige Geist in den
Gläubigen auf Erden ist (2. Thess. 2, 7-8). Jesus hat auch hier das Gericht am
Ende dieses Zeitalters angekündigt, das gleich in den Kapiteln 6-11 der Offen-
barung näher beschrieben wird. Am Ende dieses Zeitalters werden die Juden
wieder in ihrem Lande gesammelt und nie mehr von dort vertrieben werden.
Ab Kapitel 11 wendet sich Gott wieder besonders dem jüdischen Volke zu in
der siebenjährigen Trübsalszeit, dann als Abschluß des Zeitalters des Gesetzes.
Diese lange Unterbrechung wird jedoch am Ende von Kapitel 7 genauer erklärt.
7. Das Zeitalter des Königreiches Jesu oder das Tausendjährige Friedensreich -
Es ist das Zeitalter der Offenbarung Jesu Christi. Auch dieses wunderbare Zeit-
alter endet wiederum mit Gericht (Offb. 20, 7-10). Nach der letzten Verführung
durch Satan findet dann vor dem großen weißen Thron das Endgericht über die
Ungläubigen aller Zeiten am Jüngsten Tage statt.

Die jüdische Zeitrechnung basiert auf dem Werk "Seder Olam Rabba" aus dem 2. Jahrhundert nach Christus. Der bekannteste Versuch, von christlicher Seite aus so eine biblische Zeitrechnung zu erstellen, ist der des irischen (anglikanischen) Erzbischofs James Ussher (1581-1656). Seine Version wurde dann 1658 veröffentlicht. Die fehlenden Jahre im jüdischen Kalender sind allerdings wie folgt zu erklären:

3761 v. Chr. Sündenfall Adams am 1. Tischri, nach Rabbi Hillel
(4. Jh. n. Chr.). Das jüdische Kalendersystem entwickelte sich
im Laufe der Jahrhunderte zu dem kompliziertesten der Welt.
Die älteste, auf Mose zurückgeführte Zeitrechnung war noch sehr
einfach: Die erste Erscheinung der Mondsichel in der Abend-
dämmerung bestimmte den Anfgang des neuen Monats. Etwa im
4. Jahrhundert wurde dieser freie Mondkalender durch einen an den
Sonnenlauf gebundenen Mondkalender, einen Lunisolarkalender,
ersetzt. Dieser Kalender ist seit dem 11. Jahrhundert bei den Juden
allgemein gebräuchlich. Die Woche beginnt am Sabbat, dem Feiertag,
um 6 Uhr abends. Außer Sabbat, unserem Samstag, gibt es keinen
Namen für die Wochentage, sie werden mit den ersten Buchstaben
des hebräischen Alphabets bezeichnet. Heute dient dieses Kalender-
system nur zur Berechnung der biblischen Festtage. Im bürgerlichen
Leben gilt in Israel der Gregorianische Kalender, wie auch bei uns.
+ 83 Jahre von der Geburt Aarons bis zum Auszug aus Ägypten,
die schwersten Jahre der Unterdrückung (2. Mose 1, 8 ff. =
Apg. 7, 18)
+ 93 Jahre des schlimmsten Abfalls und des furchtbarsten Götzendienstes
in der Zeit der Richter:
Richter 3, 8 Kuschan-Rischathajim 8 Jahre
Richter 3, 14 Eglon (Moabiter) 18 Jahre
Richter 4, 1-3 Jabin 20 Jahre
Richter 6, 1 Midianiter 7 Jahre
Richter 13, 1 Philister 40 Jahre
das sind insgesamt 93 Jahre
(Diese Zeiten werden im Biblischen Namen-Lexikon von
Dr. Abraham Meister, auf den Seiten 359 und 360, bestätigt.)
+ 70 Jahre Babylonische Gefangenschaft (lat. captivitas babylonica):
In Jes. 54, 4c heißt es: ... sondern du wirst die Schande deiner
Jugend (in Ägypten) vergessen und der Schmach deiner Witwen-
schaft (in Babylon) nicht mehr gedenken.
Ebenfalls hierzu die Aufforderung des Herrn in Jes. 48, 18:
Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige!
= 246 Jahre insgesamt, die man nun hinzuzählt. Dann erhält man das Jahr
4007 v. Chr., am 7. Oktober also, war demnach der Sündenfall Adams;
damit begann man die Lebensjahre zu zählen (Psalm 90, 10-12).

Andere Ereignisse lassen sich nach dem Geschlechtsregister von Adam bis Noah errechnen (1. Mose 5, 1-32, vgl. 1. Chron. 1, 1-4):

130 Jahre vom Sündenfall Adams bis zur Geburt des Seth,
105 Jahre bis zur Geburt des Enosch,
90 Jahre bis zur Geburt des Kenan,
70 Jahre bis zur Geburt des Mahalalel,
65 Jahre bis zur Geburt des Jared,
162 Jahre bis zur Geburt des Henoch,
65 Jahre bis zur Geburt des Methuschelach,
187 Jahre bis zur Geburt des Lamech,
182 Jahre bis zur Geburt des Noah,
500 Jahre bis zur Geburt des Sem,
100 Jahre bis zum Beginn der Sintflut (1. Mose 7, 6 + 11),
= 1656 Jahre insgesamt, vom Sündenfall Adams bis zur Sintflut.
Methuschelach, der älteste Mensch, wurde 969 Jahre alt und starb im
Jahre der Sintflut, also demnach 187 + 182 + 500 + 100 = 969 Jahre.

Ebenso läßt sich auch die Zeit von der Sintflut bis Abraham nach den Angaben in der Bibel berechnen. Die Grundlage dieser Zahlen bildet 1. Mose 11, 10 bis 12, 4:

2 Jahre vom Beginn der Sintflut bis zur Geburt des Arpachschad,
35 Jahre bis zur Geburt des Schelach,
30 Jahre bis zur Geburt des Eber,
34 Jahre bis zur Geburt des Peleg,
30 Jahre bis zur Geburt des Regu,
32 Jahre bis zur Geburt des Serug,
30 Jahre bis zur Geburt des Nahor,
29 Jahre bis zur Geburt des Tharah,
205 Jahre bis zum Tode des Tharah in Haran (1. Mose 11, 32),
als Abram 75 Jahre alt war und aus Haran zog (1. Mose 12, 4),
= 427 Jahre insgesamt, von der Sintflut bis zum Auszug aus Haran.

Somit ergeben sich dann weitere Berechnungen. Vom Sündenfall Adams bis zum Auszug aus Haran sind es demnach 1656 + 427 Jahre = 2083 Jahre. Wenn nun der Sündenfall Adams im Jahre 4007 v. Chr. erfolgte, dann war der Auszug aus Haran im Jahre 1924 v. Chr., also wurde Abraham im Jahre 1999 v. Chr. geboren. Das ist allemal einfach zu errechnen, da Abram beim Auszug aus Haran 75 Jahre alt war.

Dazu dieses Bestätigungen: Und Tharah wurde zweihundertundfünf Jahre alt und starb in Haran. (1. Mose 11, 32). Das Alter des Tharah bei der Geburt Abrahams war dann: 205 Jahre - 75 Jahre = 130 Jahre. Hingegen heißt es jedoch: Tharah war 70 Jahre alt und zeugte Abram, Nahor und Haran. (1. Mose 11, 26). Das bedeutet allerdings nicht, daß dem Tharah nun Drillinge geboren wurden, sondern vielmehr Abraham war nicht der älteste Sohn. Er war nämlich der jüngste, wird jedoch insofern als erster Sohn erwähnt, weil Abraham für die biblische Geschichte eben der wichtigste der drei Söhne des Tharah ist. Dasselbe sieht man in 1. Mose 5, 32 bei den drei Söhnen Noahs, denn Japheth war der erstgeborene nach 1. Mose 10, 2 ff..

Weiter wird dann in diesem Zusammenhang berichtet: Da erschien der Herr dem Abram und sprach: Deinen Nachkommen will ich dies Land geben. (1. Mose 12, 7). Später heißt es: Die Zeit aber, die die Kinder Israel in Ägypten gewohnt haben, ist vierhundertunddreißig Jahre. (2. Mose 12, 40). Paulus erklärte dann dazu: Nun ist die Verheißung Abraham zugesagt und "seinem Nachkommen". Es heißt nicht: und den Nachkommen, als gälte es vielen, sondern es gilt einem: "und deinem Nachkommen" (1. Mose 22, 18), welcher ist Christus. Ich meine aber dies: Das Testament, das von Gott zuvor bestätigt ist, wird nicht aufgehoben durch das Gesetz, welches vierhundertdreißig Jahre hernach gegeben ist, so daß die Verheißung zunichte würde. (Gal. 3, 16-17). Zwar heißt es hier zweimal vierhundertdreißig Jahre, doch liegen wohl noch zwei Jahre dazwischen. In den meisten Fällen wird das allerdings nicht berücksichtigt, obwohl es doch nicht unbedeutend ist: Und der Herr redete mit Mose in der Wüste Sinai im zweiten Jahr, nachdem sie aus Ägyptenland gezogen waren, im ersten Monat und sprach: Laß die Kinder Israel Passah halten zur festgesetzten Zeit; am vierzehnten Tage dieses Monats gegen Abend zur festgesetzten Zeit sollt ihr es halten nach all seinen Satzungen und Ordnungen. (4. Mose 9, 1-3). Demnach sind sodann vom Auszug aus Haran bis zum Auszug aus Ägypten vierhundertdreißig Jahre zu rechnen. Folglich nach dem Sündenfall Adams bis zum Auszug aus Haran sind es 2083 Jahre + 430 Jahre in Ägypten = 2513 Jahre bis zum Auszug aus Ägypten.

Wenn also der Sündenfall Adams im Jahre 4007 v. Chr. war, dann muß der Auszug aus Ägypten demnach 2513 Jahre später erfolgt sein. Das ergibt so demzufolge das Jahr 1494 v. Chr. für dieses Ereignis. Mose starb 40 Jahre später (Apg. 7, 36), also im Jahre 1454 v. Chr., war damals 120 Jahre alt (5. Mose 34, 7), demnach im Jahre 1574 v. Chr. geboren. Sein Bruder Aaron war drei Jahre älter als Mose (4. Mose 33, 38-39), daher wohl im Jahre 1577 v. Chr. geboren. Diese 83 Jahre bis zum Auszug aus Ägypten fehlen jedoch im jüdischen Kalender, denn sie waren die schwersten Jahre der Unterdrückung (2. Mose 1, 8 ff. = Apg. 7, 18). Hier ist dieser Unterschied von zwei Jahren vielleicht für die Vorbereitung der Eroberung Kanaans einzufügen.

Vierzig Jahre nachdem man begonnen hatte, das Passah zu halten, wurde dann die Eroberung Kanaans durch Josua eingeleitet und dauerte etwa sieben Jahre. Das war ungefähr vom Jahre 1452 v. Chr. bis wahrscheinlich zum Frühjahr des Jahres 1444 v. Chr., dem Jahre, in dem man am 8. Oktober, am Jom Kippur, dem 10. Tischri, mit der Zählung der Hall- und Jubeljahre begann. Das war folglich im Jahre 2563 nach dem Sündenfall Adams. Josua starb etwa zwei Jahre später (Jos. 24, 29), um das Jahr 1442 v. Chr., wie dann auch auf Seite 359 im Biblischen Namen-Lexikon von Dr. Abraham Meister bestätigt wird. Mit dem Beginn der Hall- und Jubeljahr-Zählungen kann man alle fehlenden Jahre überbrücken. In Kapitel 7 wird gezeigt, daß nun insgesamt siebzig Halljahrsperioden über das Volk Israel bestimmt sind.

Dazu sei noch bemerkt, daß die christliche Zeitrechnung der Wirklichkeit zweifellos am nächsten kommt, obwohl auch sie kleinere Irrtümer enthalten kann. Wenn man jedoch die biblischen Zeitangaben des Alten Testamentes mit denen des Neuen Testamentes in Verbindung bringt, dann ist das wohl am vertrauenswürdigsten. Es gibt doch sowieso kein Dokument außerhalb der Bibel, das so weit zurückgeht.

Wenn wir das alles berücksichtigen, dann müssen wir erkennen, daß wir am Ende der Zeit von 6000 Jahren nach der Erschaffung der Welt bzw. nach dem Sündenfall Adams angelangt sind. Inzwischen sind auch etwa 2000 Jahre nach Jesu Geburt vergangen, die nach dem jüdischen Talmud dem Sabbattag Gottes, dem Tausendjährigen Friedensreich Jesu Christi vorausgehen. Außerdem befinden wir uns jetzt am Ende des Zeitalters der Gemeinde, dessen letzter Zeitabschnitt durch die Zustände der Gemeinde von Laodicea gekennzeichnet ist. Wenn wir zusätzlich noch die Zeichen der Zeit beachten, dann ist es nicht schwer festzustellen, daß die Gerichte Gottes über diese Welt und die verderbte Menschheit sicherlich schon ihre Schatten vorausgeworfen haben bzw. bereits begonnen haben.

Es ist deshalb meine feste Überzeugung, daß die ab diesem Kapitel 6 beginnenden Siegelgerichte sich alle ausnahmslos schon in unserem Jahrhundert ereignet haben und nicht erst in der näheren oder ferneren Zukunft eintreten werden. Unter diesem wichtigen Gesichtspunkt erfolgt nun die Auslegung dieser Gerichte und demnach auch die Einordnung aller anderen Ereignisse der Offenbarung Jesu Christi. Trotzdem bin ich mir immer bewußt, daß alle Erkenntnis, unser ganzes Wissen, nach 1. Kor. 13, 9 Stückwerk ist und deshalb keine Auslegung einen Anspruch auf Vollkommenheit erheben kann. Wie schon in der Einleitung erwähnt, bin ich durchaus immer dankbar für etwaige Hinweise zur Korrektur und Verbesserung.

Jesus Christus, das Lamm Gottes, hat also dieses Schicksalsbuch der Menschheit aus der Hand Gottes in Empfang genommen. Wir durften bereits erkennen, daß diese Buchrolle die Ratschlüsse Gottes und seine Gerichte bezüglich dieser Welt enthält. Mit dem Öffnen der sieben Siegel beginnen die apokalyptischen Gerichte der Endzeit, die dem Propheten Daniel schon ansatzweise angekündigt worden sind: ... und wenn die Zerstreuung des heiligen Volks ein Ende hat, soll dies alles geschehen. Und ich hörte es, aber ich verstand's nicht und sprach: Mein Herr, was wird das Letzte davon sein? Er aber sprach: Geh hin, Daniel; denn es ist verborgen und versiegelt bis auf die letzte Zeit. Viele werden gereinigt, geläutert und geprüft werden, aber die Gottlosen werden gottlos handeln; alle Gottlosen werden's nicht verstehen, aber die Verständigen werden's verstehen. (Dan. 12, 7-10).

Wie Gott einen jeden Menschen zwei- oder dreimal in seinem Leben durch schicksalhafte Ereignisse zur Umkehr ruft, so wird auch durch die apokalyptischen Gerichte der Endzeit die Menschheit dreimal ernstlich gewarnt: Siehe, das alles tut Gott zwei- oder dreimal mit einem jeden, daß er sein Leben zurückhole von den Toten und erleuchte ihn mit dem Licht der Lebendigen. (Hiob 33, 29-30).

Deshalb verlaufen diese Gerichte in einer dreifachen Steigerung, wobei die Siegelgerichte als Vorwarnung oder Voralarm nur die unterste Stufe darstellen. Dann folgen, nach einer längeren Pause, die Posaunengerichte als Zwischenalarm, die nach etwa sieben Jahren in den Zornesschalengerichten ihren schrecklichen Höhepunkt erreichen werden. Diese sind, als Hauptalarm, die letzte Phase der zu Ende gehenden Menschheitstragödie. Man kann es auch anders ausdrücken: Die Siegelgerichte sind das Präludium (= Vorspiel), die siebenfach verstärkten Posaunengerichte das Intermezzo (= Zwischenspiel) und die Zornesschalengerichte stellen dann das wiederum siebenfach verstärkte eigentliche Weltendrama dar.

Auffallend ist, daß sich bei diesen dreimal sieben Gerichtswellen die Katastrophen sich ebenfalls dreimal siebenfach verstärken. Diese Steigerung kann man jedesmal an den tödlichen Auswirkungen erkennen. Beim Öffnen der Siegel wird dem Tod Macht gegeben über den vierten Teil der Erde, zu töten mit dem Schwert und Hunger ..., während dann beim Blasen der Posaunen der dritte Teil der Menschen getötet wird. Das Ergebnis der Zornesschalengerichte wird jedoch sein: Zu der Zeit werden die vom Herrn Erschlagenen liegen von einem Ende der Erde bis ans andere Ende; sie werden nicht beklagt noch aufgehoben noch begraben werden, sondern müssen auf dem Felde liegen und zu Dung werden. (Jer. 25, 33).

Das Öffnen der sieben Siegel geschieht nacheinander durch Jesus Christus, der als Lamm vor dem Throne Gottes erschienen ist. Wieviel Zeit zwischen den einzelnen Siegeln liegt, ist nicht genau angegeben, doch durch das Gesamtzeugnis des prophetischen Wortes und die erkennbaren Zeichen der Zeit ist es durchaus möglich, die Zeitabschnitte einigermaßen abzustecken. Die Zahl sieben kann in der Offenbarung immer in Gruppen von je vier und drei aufgeteilt werden. Hier bilden die ersten vier ein Ganzes, was sich schon aus der Tatsache ergibt, daß sie mit den vier lebendigen Wesen, den vier Cherubgestalten und mit den vier Pferden verbunden sind.

Die vier ersten Siegel bergen in sich vier in Bereitschaft stehende Pferde mit ihren apokalyptischen Reitern. Dieses Bild entspricht einer damals üblichen politischen zeremoniellen Gepflogenheit. Wenn ein neuer Kaiser in sein Amt eingeführt wurde, dann hat man neben anderen festlichen Spielen auch noch ein Pferderennen mit vier verschiedenen Pferden veranstaltet, und zwar mit einem weißen, einem roten, einem schwarzen und einem fahlen Pferd. Nach dieser Ordnung treten auch hier die vier apokalyptischen Reiter in genauer Reihenfolge einzeln in Erscheinung. Diese erste Gruppe von vier Siegeln stellt also eine Parallele dar zum antiken Amphitheater oder Zirkus, wo die verschiedenen Reiter hereingerufen wurden. Hans Bruns bestätigt das in der Erklärung in seinem Neuen Testament: Es wird hier das Bild von den Kampfspielen gebraucht, die beim Amtsantritt eines römischen Kaisers üblich waren. Vier Reiter auf verschiedenfarbigen Pferden ritten in die Arena.

Durch diese vier verschiedenen Pferde und die dazugehörigen Reiter werden alsdann vier verschiedene, von Gott verhängte Heimsuchungen über die Bewohner der Erde ausgelöst. Sie stellen vier verschiedene Arten von Gericht dar, die in der jeweiligen Zeit der Öffnung eines Siegels beginnen und dann, obwohl zeitweise oder teils latent, bis zur Wiederkunft Jesu bestehen bleiben. Darum sind auch die hier erwähnten apokalyptischen Reiter nicht nur als bloße sinnbildliche Figuren zu werten, die dem Apostel Johannes gezeigt wurden und dann wieder verschwunden sind. Alle vier sind vielmehr gefallene Engelfürsten, denen die Durchführung der besonderen Gerichte übertragen wurde. Diese mächtigen Gewaltherrscher aus den verschiedenen kosmischen Sphären bringen deshalb alle Unheil über die gottlose und unbußfertige Menschheit.

Diese gefallenen Engelfürsten werden jeweils bei der Öffnung eines Siegels durch einen besonderen Startruf: "Komm!" von seiten eines der vier Lebewesen, der Cherubgestalten, in gewissen Zeitabständen einzeln herausgerufen. Die vier Cherubim, die Thronengel, sind die Wächter des Himmels und der Heiligkeit Gottes, sowie die Betreuer der Geschöpfe, die sie in ihrer verschiedenen Gestaltung nach der Ordnung Gottes darstellen. Allerdings wurde in der alten Kirche hierbei auch an die vier Evangelisten gedacht, wie wir bereits in Kapitel 4 (Offb. 4, 7) gesehen haben:
Löwe = Königsamt = Evangelist Matthäus, verkündet das Königreich der Himmel;
Stier (Opfertier) = Priesteramt = Evangelist Markus, verkündet den Gottesknecht;
Mensch = Prophetenamt = Evangelist Lukas, verkündet den Menschensohn;
Adler (Adleraugen) = Richteramt = Evangelist Johannes, verkündet den Gottessohn.

Dadurch wird aber noch eine andere Bedeutung erkennbar, in denen diese Eigenschaften der Evangelisten in den jeweiligen Gerichten zu vernehmen sind, die durch die einzelnen Cherubgestalten den gefallenen Engeln zugewiesen werden. Wie wir noch sehen werden, wird beim ersten Gericht die Verkündigung eines falschen Königreiches ausgelöst, beim zweiten beginnt ein blutiges Opfer, beim dritten Gericht wird eine Hungersnot ausgelöst, aber nicht nach dem Brot des Lebens, das die Menschen so dringend bedürfen: Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. (Joh. 6, 35). Schließlich wird durch das vierte Gericht der Tod über den vierten Teil der Erde richten.

Mit den Worten des Dichters beschreibt Karl Gerok (1815-1890) diese Reiter:

Die Reiter je auf weißem Pferde,
Auf solchem rot und schwarz und fahl,
Den Frieden rauben sie der Erde
Und bringen tausendfache Qual!

Die ersten vier Siegel bilden also eine Serie von Gerichten, die nacheinander durch das Öffnen der einzelnen Siegel durch Jesus Christus, dem Lamm Gottes, ausgelöst werden. Als nun Jesus Christus, der erhöhte Herr, im Himmel das Buch der sieben Siegel aus der Hand Gottes nahm, verstärkten sich auf der Erde die Katastrophen. Da alle kosmischen Vorgänge ihre vermehrten Auswirkungen hier auf Erden haben, ist mit großer Gewißheit anzunehmen, daß dadurch die Naturkatastrophen zugenommen haben. In dem Maße, wie sich der Zeitpunkt der Öffnung des ersten Siegels näherte, nahmen auch diese großen Erschütterungen der Erde zu. Ein direkter Zusammenhang ist jedenfalls klar zu erkennen. Hierzu einige Beispiele:

Im Jahre 1755 fand am 1. November das große Erdbeben in Lissabon statt, das diese Hauptstadt Portugals völlig zerstörte. Es war derart gewaltig, daß man es in den Alpen und auch an der schwedischen Küste ohne Seismographen verspüren konnte. Das Beben hat man sogar auf den Antillischen Inseln, ja selbst in den Großen Seen zwischen Kanada und den U.S.A., sowie im Flachland von Deutschland (Norddeutsche Tiefebene) kräftig verspürt. Überdies stiegen zugleich die Wellen des Meeres in den Kleinen Antillen sieben Meter hoch und waren von tiefschwarzer Farbe. Auf einer Fläche von mehr als der vierfachen Größe Europas hat man dieses Erdbeben gespürt, so daß man sagen konnte, daß die ganze Erde bebte.

Dann am 19. Mai 1780 verdunkelte sich plötzlich die Sonne. Von morgens ab 10 Uhr war es in Amerika so dunkel, daß man weiß von schwarz nicht unterscheiden konnte. Doch es war aber keine natürliche Sonnenfinsternis, sondern ein unerklärliches Phänomen. In der darauffolgenden Nacht stand dann der Vollmond blutrot am Himmel.

Dasselbe Schauspiel erlebte man in Europa im Jahre 1783, da auch die alte Welt ihr Zeichen an der Sonne hatte. Alexander Freiherr von Humboldt, deutscher Naturforscher (14.9.1769-6.5.1859), schrieb dazu von der "denkwürdigen Verfinsterung (der sogenannte Höhenrauch), welche viele Monate lang vom Mai bis August 1783 einen bedeutenden Teil von Europa und Asien, wie Nordafrika in Erstaunen setzte ..." (Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung, hg. 1845-62, IV, Seite 323). Höhenrauch ist eine eigenartige Bezeichnung. Man konnte eben keine natürliche Erklärung dafür geben.

Vom 12. zum 13. November 1833 erlebte die Welt einen Sternschnuppenfall so dicht wie Schneeflocken, so daß schätzungsweise 500 000 Sterne fielen.

Das Observatorium in Straßburg hat über die Zahl der Erdbeben Statistik geführt und veröffentlicht. Es gab im
12. Jahrhundert 84 Erdbeben,
13. Jahrhundert 115 Erdbeben,
14. Jahrhundert 137 Erdbeben,
15. Jahrhundert 174 Erdbeben,
16. Jahrhundert 258 Erdbeben,
17. Jahrhundert 378 Erdbeben,
18. Jahrhundert 640 Erdbeben,
19. Jahrhundert 2119 Erdbeben.
Die Gesamtzahl der Erdbeben des 20. Jahrhunderts aber wird die des 19. bei weitem übersteigen. Allerdings muß man auch berücksichtigen, daß früher nicht alle Erdbeben aufgezeichnet werden konnten. In den vergangenen Jahrhunderten gab es weder empfindliche Geräte, noch bestand eine weltweite Nachrichtenübermittlung. In Knaurs Weltatlas, Auflage von Oktober 1955, Seite 15, wurde damals erklärt: Etwa 10 000-30 000 Erdbeben ereignen sich jährlich, wovon ein großer Teil als Seebeben unter dem Meeresspiegel stattfindet. Die Herdtiefe liegt höchstens einige hundert Kilometer tief, die größte beobachtete Herdtiefe betrug 720 km. Die größte Erdbebentätigkeit finden wir in der cirkumpazifischen Zone, in der sich 80 % aller oberflächennahen und 90 % aller mitteltiefen, sowie alle sehr tiefen Beben ereignen.

Im Jahre 1750 weilte François Marie Arouet de Voltaire, französischer Aufklärungsphilosoph (21.11.1694-30.5.1778) bei Friedrich II., dem Großen, König von Preußen (24.1.1712-17.8.1786), seit 1740 König, als Gast im Schloß Sanssouci bei Potsdam. Damit begann in Deutschland die Zeit der Aufklärung, die dann bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ihren schrecklichen Höhepunkt erreichte. In dieser Zeit der tiefgreifenden geistlichen Erschütterungen wurde das ganze Kulturleben durch Hetze und Propaganda vom antichristlichen Geist und dessen Ideengut vergiftet und durchsetzt.

Die Aufklärung hat sich in ihrer Wendung gegen Autorität und Tradition zu einem großen Teil als Religionskritik formiert, die Bibel, Dogmen und die überlieferten kirchlichen Formen hinterfragte. Kein anderer Prozeß zu irgendeiner Zeit hat die Geschichte von Christentum und Kirchen jedoch so tiefgreifend beeinflußt wie die Aufklärung. Darunter ist nur der Abfall der Christenheit vom Glauben und eindeutig auch der Beginn einer umfassenden, heute noch andauernden Entchristlichung der europäischen Kultur zu verstehen.

Als Folge der Aufklärung kam dann die Französische Revolution von 1789 bis 1795 mit all ihren antichristlichen Begleiterscheinungen. Wie ein Funke am Pulverfaß eine Explosion auslöst, so breitete sich die Französische Revolution gleichzeitig im übrigen Europa aus. Getragen durch die trügerische Parole: Liberté - Égalité - Fraternité, auf Deutsch: Freiheit - Gleichheit - Brüderlichkeit, begann eine Schreckensherrschaft. Zuerst wurde der Adel als herrschende Macht beseitigt, so daß an seine Stelle das Bürgertum getreten ist, die Vormachtstellung des Dritten Standes. Wer auch nur in den schwächsten Verdacht geriet, ein Gegner zu sein, endete unter der Guillotine, dem Fallbeil. In Paris wurden in wenigen Monaten etwa 3500 Menschen hingerichtet; in ganz Frankreich waren es zwischen 50 000 und 70 000. Am 21. Januar 1793 wurden König Ludwig oder Louis XVI. und seine Frau Marie Antoinette auf dem Schafott hingerichtet. Später wurde ein neuer Kalender eingeführt, die Religion verboten und durch einen Kult der Vernunft ersetzt, eine Morale laïque.

Durch das Kommunistische Manifest, das im Jahre 1848 von Karl (Heinrich) Marx, dem Begründer des Marxismus (5.5.1818-14.3.1883), geb. in Trier, und Friedrich Engels (28.11.1820-5.8.1895) in London in deutscher Sprache verkündet wurde, hat das Ideengut der Französischen Revolution dogmatische Bedeutung bekommen. Die Parole der Kommunisten in aller Welt lautete: Proletarier aller Länder vereinigt euch! Wie sehr dadurch der Haß und die Rachegefühle im Volke von damals geschürt wurden, ist aus dem Inhalt der sozialistischen "Internationale" zu ersehen:

1.)  Wacht auf, Verdammte dieser    2.)  Es rettet uns kein höh'res   
Erde,                               Wesen,                            
Die stets man noch zum Hungern      Kein Gott, kein Kaiser, kein      
zwingt!                             Tribun.                           
Das Recht, wie Glut im              Uns aus dem Elend zu erlösen,     
Kraterherde,                        Können nur wir selber tun!        
Nun mit Macht zum Durchbruch        Leeres Wort von des Armen         
dringt!                             Rechte!                           
Reinen Tisch macht mit dem          Leeres Wort von des Reichen       
Bedränger!                          Pflicht!                          
Heer der Sklaven, wach auf, wach    Unmündig nennt man uns und        
auf!                                Knechte.                          
Ein Nichts zu sein, tragt es nicht  Duldet die Schmach nun länger     
länger!                             nicht!                            
Alles zu werden, strömt zuhauf!     Völker, hört die Signale!         
Völker, hört die Signale!           Auf, zum letzten Gefecht!         
Auf, zum letzten Gefecht!           Die Internationale                
Die Internationale                  Erkämpft das Menschenrecht.       
Erkämpft das Menschenrecht.                                           

3.)  Gewölbe, fest und stark        4.)  In Stadt und Land, ihr       
bewehret,                           Arbeitsleute,                     
Die bergen, was man dir entzog.     Wir sind die größte der           
Dort liegt das Gut, was dir         Partei'n,                         
gehöret,                            Die Müßiggänger schiebt           
Und um das man dich betrog!         beiseite!                         
Ausgebeutet bist du stets worden,   Diese Welt soll unser sein!       
Ausgesogen dein bestes Mark!        Unser Blut sei nicht mehr der     
Auf Erden rings, in Süd' und        Raben                             
Norden,                             Und der mächt'gen Geier Fraß!     
Das Recht ist schwach, die Willkür  Erst wenn wir sie vertrieben      
stark.                              haben,                            
Völker, hört die Signale!           Dann scheint die Sonn' ohn'       
Auf, zum letzten Gefecht!           Unterlaß!                         
Die Internationale                  Völker, hört die Signale!         
Erkämpft das Menschenrecht.         Auf, zum letzten Gefecht!         
                                    Die Internationale                
                                    Erkämpft das Menschenrecht.       


Was aber besonders in dieser Zeitspanne auffällt, ist ein großes und letztes Angebot des Heils, das der liebende und treue Gott dieser Welt noch einmal gemacht hat, bevor das erste Siegelgericht dann endgültig beginnen konnte und damit sein verhängnisvolles Werk. Es ist der Siegeslauf des Evangeliums, durch den die großen Erweckungen vom 18. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts ausgelöst wurden, der so zu einem letzten großen Aufbruch in aller Welt führte. Von den Männern, die Gott als seine Werkzeuge für diese Zeit gebrauchen konnte, seien als die wichtigsten genannt:

In England:
Charles Haddon Spurgeon (1834-1892)
John Wesley (17.6.1703-2.3.1791)
George Whitefield (1714-1770)

In den U.S.A.:
David Brainard (1718-?)
William Carey (1761-?)
Charles Grandison Finney (1792-1875)
Dwight Lyman Moody (1837-1899)
James Hudson Taylor (1832-1905)

In Deutschland:
Gottfried Arnold (1666-1714)
Johann Albrecht Bengel (1687-1752)
Jakob Böhme (1575-17.11.1624)
August Hermann Francke (22.3.1663-8.6.1727)
Johann Heinrich Jung-Stilling (12.9.1740-2.4.1817)
Friedrich Christoph Oetinger (1702-1782)
Philipp Jakob Spener (13.1.1635-5.2.1705)
Gerhard Tersteegen (25.11.1697-30.4.1769)
Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (26.5.1700-9.5.1760)

In der Schweiz:
Johann Kaspar Lavater (1741-1801)
Samuel Heinrich Fröhlich (1803-1857)
Franz Eugen Schlachter (28.7.1859-?)

In Rußland:
W. G. Pawlow
I. S. Prochanow
u. v. a.

Mit diesen Erweckungsbewegungen hat Gott der Menschheit deutlich noch einmal eine letzte Chance gegeben, sich für oder gegen ihn zu entscheiden. Zuerst bietet Gott einem jeden Menschen die Gnade an. Wer die Gnade allerdings trotz langer Geduld nicht will, der bekommt dann unweigerlich das Gericht Gottes zu spüren. Deshalb wurden auch die Unentschiedenen, Gleichgültigen und Weltkonformen seit eh und je die willigen und auch billigen Opfer satanischer Verführung. Wer die Warnungen Gottes in den Wind schlägt, der wird schnell eine willkommene Beute Satans, der umhergeht wie ein brüllender Löwe. So ergeht dann auch die dringende Aufforderung des Apostels Petrus an die Gläubigen: Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, welchen er verschlinge. Dem widerstehet, fest im Glauben, und wisset, daß ebendieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen. (1. Petr. 4, 8-9).

Mit dem Ende der großen Erweckungen zu Anfang dieses Jahrhunderts nahm dann auch das Unheil seinen Lauf. Als das Lamm eines der sieben Siegel auftat, rief eine der vier Cherubgestalten wie mit einer Donnerstimme: Komm! Ein weißes Pferd erschien mit einem Reiter, der einen Bogen hatte und dem eine Krone gegeben ward, und er zog aus sieghaft und daß er siegte. Hermann Menge übersetzte: Er zog aus von Sieg zu Sieg!

Da die ersten vier Siegel eindeutig zusammengehören, handelt es sich bei diesem ersten Reiter auch um ein Gericht. Damit kann nicht der Siegeszug des Evangeliums gemeint sein, auch nicht Jesus selbst, denn das Reich Jesu Christi führt nicht zu Krieg, Hungersnot und Pest. Jesus ist das Lamm und nicht gleichzeitig auch der Reiter. Der befehlende Ruf des Cherub: Komm! (ercou = erchou) bedeutet auch "geh hinaus" und kann sich deshalb nur an den Reiter richten, nicht aber an Johannes, wie von einigen Auslegern angenommen wird. Es ist auch undenkbar, daß ein Cherub einen Befehl an Jesus erteilen könnte, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist.

Dieser Ruf ergeht insgesamt viermal und bestätigt, daß die vier Cherubgestalten als die Thronengel Gottes im Zusammenhang mit diesen ersten vier Gerichten stehen, indem sie dem Willen Gottes gemäß handeln. Die vier Seiten der Cherubim, in denen die jeweiligen Eigenschaften der Evangelisten zu vernehmen sind, kennzeichnen diese Gerichte durch deren vier Symbole. Demnach werden die Gerichte dann vier gefallenen Engeln zugewiesen, denen diese Aufforderung der Cherubim gilt. Der Apostel Paulus erklärt den Korinthern in seinem zweiten Brief: Und das ist auch kein Wunder; denn er selbst, der Satan, verstellt sich zum Engel des Lichtes. Darum ist es nichts Großes, wenn sich auch seine Diener verstellen als Diener der Gerechtigkeit; deren Ende wird sein nach ihren Werken. (2. Kor. 11, 14-15).

Der erste Reiter auf dem weißen Pferd, der einen Bogen hatte und dem eine Krone gegeben ward, und er zog aus sieghaft und daß er siegte, gehört also auch zu dieser Kategorie. Dieses ist eine geistlich-politische Eroberergestalt, die über die ganze Erde hinwegstürmt. Er könnte Jesus Christus selbst sein, ist es aber nicht, denn der Reiter verstellt sich nur so. Unter einem frommen Deckmantel bringt er unscheinbares Unheil in trügerischer Gestalt. Eine arglistigere Verführung des Teufels ist gewiß kaum vorstellbar, denn alles sieht doch so gut aus und dient doch scheinbar so guten Zwecken. Es ist zweifellos eine Art Religion, aber ganz und gar ohne Gott.

Das weiße Pferd ist das Sinnbild des Friedens, der Reinheit und der Schnelligkeit, und symbolisiert die sich geradezu epidemieartig ausbreitende antichristliche Weltanschauung des Humanismus. Auch dieses Bild des anstürmenden Reiters auf einem weißen Pferd mit einer heimtückischen und hinterlistigen Waffe in der Hand hat einen zeitgeschichtlichen Hintergrund.

Die Parther waren ein altpersisches (iranisches) Reitervolk von südöstlich des Kaspischen Meeres, deren Herrscher damals die Nachkommen des Arsakes waren, der 250 v. Chr. von Antiochus oder Antiochos II. Theos (= Gott) abgefallen war. Dieser dritte König der Seleukiden war ein Enkel des Seleukos I. Nikator (= Sieger), lebte von 287-246 v. Chr. und hatte in dieser Zeit auch Laodicea gegründet. König Arsakes I. (247-217 v. Chr.), der sich so von der Herrschaft der Seleukiden befreit hatte, wurde dann der erste König der Parther. Unter dem späteren König Mithradates I. (174-136 v. Chr.), der nach der Unterwerfung von Medien, Baktrien, Babylonien und Mesopotamien den persischen Titel "König der Könige" annahm, erlangte das Reich mit der Hauptstadt Ktesiphon am Tigris seine größte Ausdehnung, die sogar bis zum Euphrat und an den Indus reichte. Bedeutend für die Parther war der Transithandel nach China auf der Seidenstraße. Wenn dieses Volk unter ihrem siegreichen König Vologaeses I., König von 51-76 n. Chr., in den Krieg zog, dann eröffnete der erste Reiter auf einem weißen Pferd den mörderischen Kampf. Dieser Reiter war mit einem schußbereiten Bogen ausgerüstet. Außerdem ritten und kämpften auch die Könige auf weißen Pferden. Zu bemerken bleibt noch, daß im antiken Rom auch der Triumphator auf einem weißen Pferd ritt.

Der Reiter ist das Symbol des Gerichtsvollziehers für die jeweilige Zeitspanne des Siegelgerichtes. Dieser Reiter auf dem weißen Pferd ist eine verführerische Nachahmung Jesu Christi durch einen gefallenen Engel des Lichtes, einem Stellvertreter Satans. Es ist nicht der Antichrist, obwohl er eindeutig dessen Züge trägt und dessen Wesen nach handelt. Der Vergleich mit Jesus Christus ist zunächst verblüffend, wie wir bei der Betrachtung eines späteren Kapitels noch sehen werden. Der Apostel Johannes bezeugt alsdann an der angegebenen Stelle: Und ich sah den Himmel aufgetan; und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, hieß: Treu und wahrhaftig, und richtet und streitet mit Gerechtigkeit. Seine Augen sind eine Feuerflamme und auf seinem Haupt viele Kronen; und er trug einen Namen geschrieben, der niemand wußte als er selbst. (Offb. 19, 11-12).

Bei einer genaueren Untersuchung der beiden Bibelstellen erkennt man, wenn man beide Reiter miteinander vergleicht, daß sie außer dem weißen Pferd gar nichts gemein haben. Hier ist es, mit einem Wort gesagt, eine antichristliche Gestalt, die eine gottlose Religion einer gottlosen und unbußfertigen Menschheit bringt, die ihr dann zum Verhängnis wird. Vor solchen Verführern hat der Herr Jesus in seiner Endzeitrede seine Jünger gewarnt: Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und werden viele verführen. (Matth. 24, 5). Diese Endzeitrede Jesu Christi geht übrigens parallel mit diesem Kapitel (Offb. 6).

Der Apostel Paulus nennt uns in seinem zweiten Brief an die Thessalonicher die verführerischen Künste, die der Reiter auf dem weißen Pferd durch sein scheinheiliges Auftreten anzuwenden verstand und auch noch versteht, denn alle vier Reiter galoppieren weiter bis zur Wiederkunft Jesu Christi in Herrlichkeit, wenn Er auf dem weißen Pferd kommen wird: Denn der Frevler wird auftreten in der Macht des Satans mit allerlei lügenhaften Kräften und Zeichen und Wundern und mit allerlei Verführung zur Ungerechtigkeit bei denen, die verloren werden, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben zu ihrer Rettung. Darum sendet ihnen Gott auch kräftige Irrtümer, daß sie glauben der Lüge, auf daß gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht geglaubt haben, sondern hatten Lust an der Ungerechtigkeit. (2. Thess. 2, 9-12).

Die Tarnung dieses Reiters liegt auch in seinen lügnerischen Reden. Wenn er von Frieden spricht, dann meint er den Krieg, und wenn er von Freiheit redet, dann meint er einzig die Versklavung. Denn wer Jesus Christus nicht hat, der hat auch keinen Frieden, und wen der Sohn Gottes nicht befreit, der ist ein Sklave des Teufels, der Sünde und des Todes. Was als Segen für die Menschheit angepriesen wird, bewirkt dann das Verderben ganzer Generationen. Der Höhepunkt dieser Verführung durch die antichristliche Weltanschauung des Humanismus ist in unserer Zeit.

Gleichzeitig mit der Aufklärung und in deren Gefolge wurde im 18./19. Jahrhundert das Gedankengut des Humanismus im sogenannten Neuhumanismus insbesondere durch Johann Joachim Winckelmann und Wilhelm von Humboldt aufgegriffen und fortentwickelt. Im 19./20. Jahrhundert löste sich der Begriff des Humanismus weitgehend von seinen historischen Wurzeln und nahm als sogenanntes Humanitätsideal vielfach eine soziale Komponente an, indem die Schaffung der gesellschaftlichen Voraussetzungen für eine freie Persönlichkeitsentfaltung in die Zielsetzung einbezogen wurde.

Johann Joachim Winckelmann (9.12.1717-8.6.1768, ermordet in Triest), war ein deutscher Archäologe und Kunsthistoriker, der maßgeblich die Schönheitsideale des Klassizismus bestimmte. Wilhelm Freiherr von Humboldt (22.6.1767-8.4.1835) war in den Jahren 1809/10 Leiter des preußischen Kultus- und Unterrichtswesens. Er ist der Begründer der Berliner Universität und des humanistischen Gymnasiums in Preußen, als Staats-Minister vertrat er Preußen auf verschiedenen Kongressen, besonders auf dem Wiener Kongreß von 1814/15.

Der Begriff Humanismus wurde erst im Jahre 1808 geprägt und sollte zunächst den höheren Wert der althumanistischen Gymnasien gegenüber den Realschulen ausdrücken. Erst später wurde er zur Bezeichnung einer Epoche gebraucht, in der man die altgriechische und römische Kulturwelt zu erschließen suchte und die daraus gewonnenen Erkenntnisse zur Bildung des Menschen heranzog. So wurde der Humanismus dann zu einer geistesgeschichtlichen Bewegung, mit dem Ziel, edler, allseitig ausgebildeter Menschlichkeit unter Berufung auf das Vorbild der klassischen Antike. Zum Gehalt eines Humanismus, der diesen Namen verdient und wie er jetzt verstanden wird, gehört inzwischen auch das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit von Mensch und Natur mit allen erforderlichen Konsequenzen.

Die Kenntnis um einen notwendigen Verzicht auf totalitäre Wissensansprüche jeder Art ist heute zu einer entscheidenden Bedingung menschlichen Miteinanderlebens geworden, d. h. des Friedens, den die Welt auch ohne Gott schaffen will. Deshalb richtet sich der Humanismus neuerdings auch ganz gezielt gegen den christlichen Fundamentalismus, der auf dem Ausschließlichkeitsanspruch der Bibel als Gottes Wort beruht, das bekanntlich einmalig, unveränderlich und unvergänglich ist, und nach dessen Zeugnis es kein Heil ohne Jesus Christus gibt.

Gemeinsamkeiten bestehen demzufolge auch zwischen dem Humanismus und der Ökumene durch den Konziliaren Prozeß für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Ein führender Vertreter dieser Bewegung ist Carl Friedrich Freiherr von Weizsäcker (geb. 28.6.1912), ein Bruder des früheren deutschen Bundespräsidenten Richard Freiherr von Weizsäcker (geb. 15.4.1920).

Unter Humanitätsideal versteht man allgemein eine Gesinnung, die die Verwirklichung der Menschenrechte anstrebt. Es ist auch das Gefühl für die Würde des Menschen, unabhängig von Rasse, Geschlecht u. a., ferner die Erziehung zu Mitverantwortung, Toleranz und allgemeiner Anerkennung der Menschenrechte. Die erste verfassungsrechtliche Formulierung erfuhren die Menschenrechte im Jahre 1776 in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, die alsdann zum Vorbild wurde für die "Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte" in der Französischen Revolution von 1789. Das Humanitätsideal wurde jedoch zur Bezeichnung der gesellschaftlichen Wirklichkeit des Menschen, die absolut jeden Gedanken an eine transzendente Bestimmung des Menschen ausschließt, also jeden Glauben an ein Jenseits.

Durch den Humanismus wurde so das Startzeichen zum Aufbruch in eine neue Zeit der gesellschaftlichen Ordnung gegeben, die nun in drei geistigen Strömungen zum Ausdruck kommt, und zwar:
a) im Liberalismus (= lat. liber = frei), Freisinnigkeit;
b) im Sozialismus (= lat. socius - sozial = gesellschaftlich), Veränderung des gesellschaftlichen Lebens;
c) in der Emanzipation (= lat. emancipare - ex = aus - manu(s) = Hand; aus der Hand lassen), Freilassung aus der Abhängigkeit, Befreiung aus der Gewalt, Verselbständigung, Gleichberechtigung der Geschlechter.
Mit diesen geistigen Strömungen wurde endgültig die Tür zur Gottlosigkeit aufgestoßen und der Weg für die antichristliche Weltanschauung des Humanismus war von jetzt an unumkehrbar eingeschlagen und geebnet.

Dazu sind in dieser Zeitspanne auch noch die spirituellen sowie die religiösen und theologischen Strömungen zur Entfaltung gekommen, und zwar:
a) auf spirituellem Gebiet:
Dazu gehört der Spiritismus mit seinen verschiedenen okkulten Abwandlungen und Abarten.
b) auf kirchlich-religiösem Gebiet:
Die Entstehung und Verbreitung des Sektentums.
c) auf theologischem Gebiet:
Hier sei besonders die liberale Theologie erwähnt. Die liberale Theologie will frei (= liber) sein von der Bindung an die Bibel und überlieferten Glaubensgrundsätzen; sie läßt nur sittliche und religiöse als verbindlich gelten.
Die Vertreter der alten liberalen theologischen Schule sind: Wilhelm Bousset (1865-1920), Heinrich Gunkel (1862-1932), Karl Gustav Adolf von Harnack (7.5.1851-10.6.1930), Albrecht Ritschl (25.3.1822-20.3.1889), Albert Schweitzer (14.1.1875-4.9.1965), Ernst Troeltsch (17.2.1865-1.2.1923), u. a.
Die Vertreter der liberalen-neorationalistischen Theologie sind z. B.: Karl Barth (10.5.1886-10.12.1968), Günther Bornkamm, Herbert Braun, Rudolf Bultmann (20.8.1884-30.7.1976), Gerhard Ebeling, Ernst Fuchs, Friedrich Gogarten (13.1. 1887-16.10.1967), Ernst Käsemann, Wilhelm Marxsen, Manfred Metzger, Jürgen Moltmann (geb. 8.4.1926), Paul Tillich (20.8.1886-22.10.1965), der anglikanische Bischof John A. T. Robinson (1919-1983), neuerdings auch Eugen Drewermann (geb. 20.6.1940), Gerd Lüdemann, u. a.

Leider fällt dann auch der liberalen Theologie der äußerst traurige Ruhm zu, daß sie die Steigbügelhalterin für den Reiter auf dem weißen Pferd geworden ist. Das ist eine sehr, sehr traurige und beschämende Tatsache für die Theologie. Sie, die nun die Hüterin der biblisch reinen Lehre hätte sein sollen, ist jedoch zur Wegbereiterin eines Vorläufers des Antichristen geworden. Einige Beispiele sprechen dafür:
a) Karl (Heinrich) Marx, der Sohn einer konvertierten Rabinerfamilie, war ein gläubiger Christ. Seine erste Schrift, die er verfaßte, war ein Kommentar über die synoptischen Evangelien. Dann las er zwei liberale Theologen, und zwar David Friedrich Strauß: "Das Leben Jesu, kritisch bearbeitet" und dann Ferdinand Christian Baur: "Der Ursprung des Christentums". Damit war sein christlicher Glaube für immer erledigt. Diese zwei liberalen Theologen sind am Verbrechen des Marxismus mitschuldig. Ferdinand Christian Baur hat den Begriff der "historisch-kritischen Methode" geprägt.
b) Als Alfred Rosenberg, der führende Ideologe der Nationalsozialisten, im Jahre 1946 vor dem Nürnberger Militärtribunal stand und seinen "Mythos des 20. Jahrhunderts" zu verteidigen suchte, da sagte er unter anderem: "Ich habe mein Gedankengut ausschließlich aus den Quellen der modernen Theologie geschöpft.".
c) Der russische Philosoph Nikolaj Alexandrowitsch Berdjajew (1874-1948) sagte auch noch: "Die Verantwortung für den modernen Atheismus liegt nicht allein auf den Atheisten selbst, sondern noch mehr und noch schwerer auf denen, die ständig 'Herr, Herr!' rufen und dabei ein verzerrtes Bild des Glaubens an Gott und Gottesdienst gezeigt haben.".
d) Und der russische Philosoph und Schriftsteller Dr. Fedor Stepun kommt alsdann noch in seinem Buch "Der Bolschewismus und die christliche Existenz" zu dieser wohl wenig überraschenden Erkenntnis: Die Schwäche des Westens, der westeuropäischen Demokratie, liegt in der Säkularisierung (= Verweltlichung) des Christentums und im Kleinmut.

Das sind nur einzelne Stimmen aus der Vielfalt berechtigter Anklagen, die gegen eine verweltlichte Entwicklung in der Theologie und im Christentum erhoben worden sind. Inzwischen hat der Humanismus breiten Raum gewonnen und ein Anstatt-Christentum aufgebaut. So führen z. B. humanistische Verbände für atheistische Jugendweihen diese anstatt der Konfirmation der Kirche durch. Dazu gehört auch noch die nie zu beweisende, jedoch als Wissenschaft präsentierte Evolutionstheorie, die bei Millionen den Glauben an Gott und seinen Sohn Jesus Christus untergraben und zerstört hat.

Erfreulicherweise gibt es trotzdem auch heute noch einige Akademiker, die einen klaren Durchblick haben. Beispielshalber befand unlängst ein Arzt, Professor Dr. Michael Schröter-Kunhardt aus Heidelberg, daß Marx, Freud und Drewermann auf dem Holzweg sind. Religion sei eben kein Opium für das Volk, keine Neurose und keine psycho-analytische Konstruktion. Und lächelnd fügte er hinzu: "Spätestens im Sterben werden die Atheisten sehr überrascht sein.". Leider ist es dann aber zu spät für eine Umkehr zu Gott. Vorher hatte jedoch jeder eine Gelegenheit dazu.

Wir wollen dann noch die Ausrüstung des Reiters auf dem weißen Pferd betrachten. Er hatte einen Bogen, aber keine Pfeile. Der Bogen versinnbildlicht eine Kriegswaffe, mit der man aus dem Hinterhalt schießen kann, um Fernstehende zu erreichen. In seinem Brief an die Gemeinde zu Ephesus hat der Apostel Paulus die geistliche Waffenrüstung in Bildern beschrieben, die dem eines antiken Kriegers entsprechen: Vor allen Dingen aber ergreifet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen, und nehmet den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. (Eph. 6, 16-17).

Daß der Reiter keine Pfeile hatte, scheint zunächst wohl etwas eigenartig zu sein. Es könnte jedoch durchaus darauf hindeuten, daß der Sieg ihm ohne den Einsatz seiner Waffe zufällt. Er erreicht sein Ziel demnach ohne Krieg, ohne Revolution, ohne Aufruhr und ohne Zerstörung. Ihm ward eine Krone gegeben, und er zog aus sieghaft und daß er siegte. Die Krone ist das allseits bekannte Symbol der Würde, der Vollmacht und der Herrschaft. Jedenfalls zeigt uns der Bogen, den der Sieger statt eines Schwertes führt, und auch die weiße Farbe des Pferdes, daß die schnelle Eroberung dieses Reiters nicht auf dem Wege blutiger Schlachten geschieht. Hier geht es allerdings eindeutig um das rasche Vordringen einer Macht, die von Gott den Sieg förmlich übergeben bekommt. Die Krone bedeutet eigentlich Siegerkranz, der dem Sieger übergeben wurde. Die Übersetzung des Konkordanten Neuen Testamentes lautet deshalb auch: ... und ihm wurde ein Kranz gegeben, und er zog aus als Siegender, um zu siegen.

Das bedeutet sicherlich, daß Gott die Menschen dahingegeben hat, die diesem Reiter kampflos unterliegen. Mehrere Hinweise gibt es dazu im Worte Gottes, davon nur einige Beispiele: So hab ich sie dahingegeben in die Verstocktheit ihres Herzens, daß sie wandeln nach eigenem Rat. (Psalm 81, 13). Aber Gott wandte sich ab und gab sie dahin, daß sie dienten dem Heer des Himmels. (Apg. 7, 42). Darum hat sie auch Gott dahingegeben in ihrer Herzen Gelüste. (Röm. 1, 24) Darum hat sie Gott auch dahingegeben in schändliche Lüste. (Röm. 1, 26). Und gleichwie sie es für nichts geachtet haben, daß sie Gott erkannten, hat sie auch Gott dahingegeben in verworfenen Sinn, zu tun, was nicht taugt. (Röm. 1, 28).

Anschließend nennt uns der Apostel Paulus auch den Grund, warum der Reiter auf dem weißen Pferd über die Erde reiten mußte und immer noch reitet. In seinem zweiten Brief an die Gemeinde zu Thessalonich schreibt er: Denn es regt sich bereits das Geheimnis des Frevels, nur daß, der es jetzt aufhält, erst muß hinweggetan werden; und alsdann wird der Frevler offenbar werden, welchen der Herr Jesus umbringen wird mit dem Hauch seines Mundes und wird ihm ein Ende machen durch seine Erscheinung, wenn er kommt. Denn der Frevler wird auftreten in der Macht des Satans mit allerlei lügenhaften Kräften und Zeichen und Wundern und mit allerlei Verführung zur Ungerechtigkeit bei denen, die verloren werden, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben zu ihrer Rettung. Darum sendet ihnen Gott auch kräftige Irrtümer, daß sie glauben der Lüge, auf daß gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht geglaubt haben, sondern hatten Lust an der Ungerechtigkeit. (2. Thess. 2, 7-12).

Nichts ist jemals im Leben eines Menschen schrecklicher als das, wenn Gott ihn der Verstockung preisgeben muß, worauf Gericht immer die unausbleibliche Folge davon ist. Das sehen wir im Leben mehrerer Menschen in der Bibel:
Vom Pharao heiß es: Aber das Herz des Pharao wurde verstockt, und er hörte nicht auf sie, wie der Herr gesagt hatte. (2. Mose 7, 13).
Die Tragödie des Königs Saul: Und der Herr sprach zu Samuel: Wie lange trägst du Leid um Saul, den ich verworfen habe, daß er nicht mehr König sei über Israel? (1. Sam. 16, 1).
Das Urteil über Esau lautet: ... denn er fand keinen Raum zur Buße, wiewohl er sie mit Tränen suchte. (Hebr. 12, 17).

Jesus hat auch diese Ermahnung ausgesprochen: Ringet danach, daß ihr durch die enge Pforte eingehet; denn viele werden, das sage ich euch, danach trachten, wie sie hineinkommen, und werden's nicht können. Von da an, wenn der Hausherr aufgestanden ist und die Tür verschlossen hat und ihr dann anfanget, draußen zu stehen und an die Tür zu klopfen und zu sagen: Herr, tu uns auf! wird er antworten und zu euch sagen: Ich kenne euch nicht, wo ihr her seid. So werdet ihr dann anfangen zu sagen: Wir haben vor dir gegessen und getrunken, und auf unsern Gassen hast du gelehrt. Und er wird zu euch sagen: Ich weiß nicht, wo ihr her seid; weichet alle von mir, ihr Übeltäter! (Luk. 13, 24-27). Wer nicht Jesu Vergebung will, wird nach seinen Taten beurteilt! Darum eile, rette deine Seele, denn es gibt auch ein "Zu-spät"!

Somit kommen wir auf die Bedeutung des zweiten Siegels zu sprechen:

Und da es das zweite Siegel auftat, hörte ich die zweite Gestalt sagen: Komm! Und es ging heraus ein anderes Pferd, das war feuerrot. Und dem, der darauf saß, ward gegeben, den Frieden zu nehmen von der Erde und daß sie sich untereinander erwürgten, und ihm ward ein großes Schwert gegeben. (Offb. 6, 3-4).

Während das erste Siegel ja nur das ideologische Vorspiel zu einem großen Weltenbrand war, so kommen wir jetzt dazu, die eigentlichen großen Auseinandersetzungen desselben zu betrachten. Man könnte auch sagen, es war zunächst nur das Wetterleuchten zu einem großen heraufziehenden Weltgewitter. Prophetisch gesehen, hat jedoch selbst auch dieses wiederum nur einen überleitenden Charakter zu noch weiteren und größeren apokalyptischen Weltereignissen.

Wie alle Siegelgerichte, so hat auch das zweite Siegel auf Grund der gezeigten endzeitlichen Ordnung und Bestimmung eine globale, das heißt, eine weltumfassende Bedeutung. Seit dem Anfang dieses Jahrhunderts haben alle wichtigen Ereignisse weltweite Auswirkungen. Wir haben daher auch neue Begriffe kennengelernt, die teilweise erst in den letzten Jahren und Jahrzehnten entstanden sind. Es seien nur einige wenige davon genannt, die früher gar nicht oder kaum bekannt waren, z. B. Weltausstellung, Weltbank, Weltfriedensbewegung, Weltgerichtshof, Welthandel, Weltkirchenrat, Weltkrieg, Weltmacht, Weltmarkt, Weltordnung, Weltpolitik, Weltpostverein, Weltrekord, Weltuntergang, Weltwirtschaftskrise, man spricht von Geopolitik und Globalsteuerung, dann Weltorganisationen wie Völkerbund, UNO, UNESCO und UNICEF, Weltgesundheitsorganisation, Welthandelskonferenz, Weltsicherheitsrat und Weltwährungsfond u. v. a..

Einer Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialausschusses der Europäischen Gemeinschaften zum Thema "Beschäftigung, Wettbewerbsfähigkeit und Globalisierung der Wirtschaft", die in einer Sitzung vom 19. März 1997 verabschiedet wurde, ist zu entnehmen: Die Weltwirtschaft steht vor großen Problemen und Herausforderungen. Die Auffassung, daß die "Institutionen von Bretton Woods" und die UNO in ihrer gegenwärtigen Verfassung den Herausforderungen der Globalisierung nicht ausreichend sind, findet immer mehr Anhänger. Vor allem mangelt es an Koordinierung. Ein konkreter Reformvorschlag wurde von dem Globalen Lenkungsausschuß (*) vorgelegt. Danach sollen im Rahmen der UNO ein "ökonomischer Sicherheitsrat" eingerichtet und die Institution von Bretton Woods reformiert werden, u. a. durch die Anpassung der Abstimmungsregeln an die heutigen wirtschaftlichen Verhältnisse.
(*) "Our Global Neighbourhood" (Commission on Global Governance), London, 1995.

Diesmal ergeht von der zweiten Cherubgestalt die dringende Aufforderung: Komm! Und es ging heraus ein anderes Pferd, das war feuerrot. Der Startruf durch die zweite Gestalt, die das Priesteramt repräsentiert, beginnt ein blutiges Opfer als Gericht über diese Welt. Die feuerrote Farbe weist sowohl auf Feuer als auch auf Blut hin. Dieses Pferd ist somit das Symbol des Blutvergießens durch Feuer, also durch Pulver, Explosionen, Kanonen, Granaten, Bomben und Minen, ja auch Gewehr- und Pistolenkugeln.

Und dem, der darauf saß, ward gegeben, den Frieden zu nehmen von der Erde und daß sie sich untereinander erwürgten, und ihm ward ein großes Schwert gegeben. Wiederum wurde auch diesem Reiter Vollmacht erteilt. Diese Bevollmächtigung erfolgt auch hier nur durch Jesus Christus, dem von Gott alle Macht gegeben ist. Im Johannes-Evangelium sagt der Herr Jesus: Denn wie der Vater das Leben hat in sich selber, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben zu haben in sich selber, und hat ihm Macht gegeben, das Gericht zu halten, weil er des Menschen Sohn ist. (Joh. 5, 26-27).

Aus diesem Grunde ist auch dieser apokalyptische Reiter nur der persönlich bevollmächtigte Gerichtsvollzieher Gottes, der unter der direkten Befehlsgewalt des Menschensohnes steht. Die gottlose Ideologie des ersten Reiters, hierbei sei besonders an den Sozialismus gedacht, wird von diesem zweiten Pferd weitergetragen. Der Sozialismus als eine der drei geistigen Strömungen des Humanismus hat insbesondere mit kommunistischer Prägung die Welt zu erobern versucht. Auch hier geht es nach der Ordnung göttlicher Naturgesetze: Irret euch nicht! Gott läßt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten. (Gal. 6, 7).

Mit seinem Auftreten auf der Weltbühne wird also eine Epoche des Blutvergießens, des Militarismus, der Kriege, der Gewalttätigkeiten, der militanten Streiks, der Bürgerkriege und anderer blutiger Auseinandersetzungen, wie des Terrorismus u. s. w. eingeleitet, die weltweite Ausmaße annehmen oder zumindest die ganze Welt beeinträchtigen. Es wird in einem so großen Umfang sein, wie es die Welt bis dahin weder gehört noch gesehen hat.

Satan, der Urheber alles Bösen, läßt es von nun an nicht mehr mit antichristlichen Ideen und Parolen bewenden, sondern er stürzt sich selbst mit aller Macht auf das politische Leben der Völker und sucht die militärischen Weltmächte gegeneinander auszuspielen. Außerdem versucht er jetzt die vom ersten Reiter übernommene gottlose Ideologie auf grausamste Art und Weise kriegerisch und revolutionär durch Volksaufstände und dergleichen zu verwirklichen.

Alsdann merken wir uns die Zeit der Öffnung dieses Siegels. Anhand des prophetischen Wortes und der zeitgeschichtlichen Ereignisse kann wohl mit ziemlicher Sicherheit gesagt werden, daß die Öffnung des zweiten Siegels den Ersten Weltkrieg eingeleitet hat, der dann am 1. August 1914, um 19 Uhr abends, mit der Kriegserklärung Deutschlands an Rußland seinen unglücksvollen Anfang genommen hat. Damit begann ein Gottesgericht über die Nationen und Völker der Erde, das plötzlich und unerwartet hereingebrochen ist.

Der Erste Weltkrieg hat zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit die ganze Welt in Mitleidenschaft gezogen und kann daher mit Recht "Weltkrieg" genannt werden. Als Weltkrieg wurde von Zeitgenossen bereits der Befreiungskrieg von 1813-15 bezeichnet, der jedoch keinesfalls diese Ausmaße hatte. Demzufolge ist es so gut wie sicher, daß ein weltweiter Krieg, wie er durch den zweiten Reiter entfesselt wurde, kein anderer als der Erste Weltkrieg sein kann.

Mehrere Gründe sprechen also dafür, daß es sich hier bei der kurzen Beschreibung des zweiten Siegelgerichtes nur um den Ersten Weltkrieg handeln kann. Denn der Krieg, den dieser Reiter auslöst, ist die erste Gerichtshandlung mit Blutvergießen, die die ganze Welt angeht, und die eine Auswirkung der falschen Lehre des Humanismus darstellt. Außerdem sieht die Heilige Schrift den Krieg immer als ein entsetzliches Gericht über die sündige und unbußfertige Menschheit, deren Gesinnung von Gott abgewandt ist. Durch die satanische Verblendung, die durch den ersten Reiter herbeigeführt wurde, ist Gott aus dem Sinn der Menschen verdrängt worden. Durch das sündhafte Verhalten wurde die Menschheit nun gerichtsreif; denn immer dann, wenn das Sündenmaß eines Volkes voll war, ließ Gott als Strafe die furchtbare Kriegsgeißel über dasselbe hereinbrechen.

Zum Ersten Weltkrieg kam es in einer durch Imperialismus, Nationalismus und Rivalitäten zwischen den Mächten gekennzeichneten Situation, die jederzeit zur Katastrophe führen konnte. Jedoch begann kein Staat den Krieg auf Grund eines Offensivbündnisses oder mit konkreten Eroberungsabsichten. Unmittelbarer Anlaß dieses Krieges war die Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand, des österreichisch-ungarischen Thronfolgers, und seiner Gemahlin in Sarajewo am 28. Juni 1914 durch ein Attentat großserbischer Nationalisten. Österreich-Ungarn machte Serbien verantwortlich und stellte dann mit deutscher Rückendeckung ein Ultimatum, das jedoch abgelehnt wurde. Die nun unmittelbar darauf erfolgte österreichisch-ungarische Kriegserklärung an Serbien vom 28. Juli 1914 bewog Rußland zur Mobilmachung, woraufhin Deutschland am 1. August 1914 zunächst diesem Land den Krieg erklärte.

Die weltweiten Auswirkungen dieses Krieges sind gerade daran zu erkennen, daß neben fast allen europäischen Staaten auch Länder wie Japan im Jahre 1914, die U.S.A., China und Brasilien und andere im Jahre 1917 und schließlich noch eine Reihe kleinerer, mittelamerikanischer Staaten im Jahre 1918 in den Krieg eintraten. Durch die deutschen Kolonien in Afrika war auch dieser Erdteil neben Europa, Nord-, Mittel- und Südamerika und Asien in die kriegerischen Auseinandersetzungen verwickelt. Außerdem kämpften Soldaten aus Kanada, Australien und Neuseeland an der Seite der Engländer und besetzten auch Samoa und andere deutsche Schutzgebiete in Asien. Beispielsweise sogar Siam (das heutige Thailand) erklärte Deutschland den Krieg und sandte ein Expeditionskorps nach Europa. Somit war jeder Erdteil in das kriegerische Geschehen einbezogen, zum ersten Male in der Geschichte.

Es war fürwahr ein großes Schwert, das tötend über die Erde geschwungen wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg, der am 11. November 1918 mit der Kapitulation Deutschlands endete, wurde eine erste Bilanz des Schreckens veröffentlicht. An den Kämpfen hatten auf seiten der Mittelmächte (Deutschland, Österreich, die Türkei und Bulgarien) ungefähr 24,2 Millionen Soldaten teilgenommen, auf seiten der Alliierten mehr als 42,4 Millionen. Somit standen also insgesamt über 66,6 Millionen Mann unter Waffen, eine beachtliche Zahl für damalige Verhältnisse. Von diesen wurden fast 11 Millionen getötet und mindestens 21 Millionen verwundet. Dazu kamen von der Zivilbevölkerung Hunderttausende, wenn nicht gar Millionen, die während der Kampfhandlungen ums Leben kamen oder durch Seuchen dahingerafft wurden, welche dem Kriege auf dem Fuße folgten.

So forderte dann beispielsweise der Ausbruch einer furchtbaren Grippe-Epidemie im Frühsommer des Jahres 1918, der sogenannten Spanischen Grippe, mehr als 20 Millionen Todesopfer. (nach: "New York Times" vom 22.-23. März 1997).

Ein Dichter hat das grausame Geschehen mit diesen Worten beschrieben:

Fürst Satan aus dem Abgrund stieg, das Gifthorn an der Seite:
"Ihr Völker, sammelt euch zum Krieg!" klang's schmetternd durch die Weite.
Elektrisch wirkte das Signal: "Für Weib und Kind und Ehre!"
Bald schaut der Himmel trüb' und fahl auf Millionenheere.
Mit Donner, Krachen, Rauch und Knall beginnt das wilde Jagen:
Wo trutzig stand ein Mauerwall, geschwärzte Trümmer ragen.
Viel tausend Rosen blutigrot auf Feld und Fluren sprießen:
Die Ernte läßt sich Schnitter Tod in keinem Fall verdrießen. -
Auch Engel schweben ungeseh'n durch diese Schmerzensstätten,
Sanft die im Glauben Sterbenden an ihre Brust zu betten.
Auch wer im letzten Augenblick begehrt' noch Schächersgnade,
Den tragen sie in hohem Glück hinauf zum Lichtgestade. -

Doch grausig Hohngelächter gellt aus finstern Höllenschlünden:
"Gekreuzigter, du kamst zur Welt, dein Feuer anzuzünden,"
"Nun brennt das meine lichterloh, genährt von bittrem Hasse,"
"In kurzem dient mir willensfroh die ganze Völkermasse."
So höhnt der Grimm des Riesen nur, weil's Urteil ihm gesprochen;
Minuten noch an Gottes Uhr, so ist sein Arm zerbrochen.
Sein Machtbereich ist abgegrenzt und seines Wütens Länge.
Hinweg, o Furcht! - Ein Stern erglänzt hoch über dem Gedränge:
Das erste Wort, das letzte Wort: Es kommt aus Gottes Munde.
Ihr Gläub'gen rühmt ihn hier und dort, lobt ihn zu dieser Stunde!
K. V. - 1916

Dieser Erste Weltkrieg, der zunächst hauptsächlich auf Europa begrenzt war, führte dann allerdings bald zum Eintritt der U.S.A. in die Weltpolitik und kurz darauf zur bolschewistischen Revolution in Rußland. Gleichfalls bedeutsam für die Welt war die religiöse Irreführung durch falsche Marienerscheinungen im selben Jahre und die Erklärung Englands zur Förderung der Bemühungen um eine Heimstätte für die Juden in dem Lande ihrer Väter.

Am 6. April 1917 erfolgte damals die Kriegserklärung der U.S.A. an Deutschland. Der Eintritt der U.S.A. war zweifellos entscheidend für den Ausgang des Krieges. Dadurch traten die U.S.A. zum ersten Mal außerhalb Amerikas in einen Krieg ein, der die spätere Rolle der U.S.A. als führende Weltmacht und finanzkräftiges erstes Gläubigerland der Welt begründete.

Am 13. Mai 1917, einem Sonntag, war die erste Erscheinung des Engels des Lichtes in der Nähe von Fatima, der Weissagungen über die Endzeit machte. Das Attentat auf den jetzigen Papst Johannes Paul II. am 13. Mai 1981 um 17.17 Uhr erfolgte genau am 64. Jahrestag dieser ersten von sechs Erscheinungen. Man beachte deshalb diese Zahl. Es war außerdem zehn mal sechs plus vier Jahre danach, ebenfalls eines Menschen Zahl. Die Uhrzeit kann ebenso ein Hinweis auf das Jahr darstellen.

Am 2. November 1917 wurde durch eine Erklärung des Lord Balfour, englischer Außenminister, die Förderung der Bemühungen um eine Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina, dem Land ihrer Väter, zugesagt. Durch den zwanzig Jahre vorher unter dem Vorsitz von Dr. Theodor Herzl abgehaltenen ersten Zionistenkongreß in Basel und die dort erfolgte Gründung des Zionismus wurde nun dieser Erfolg nach langen Bemühungen ermöglicht.

Am 6./7. November 1917 fand in Rußland die Oktober-Revolution statt, nach dem orthodoxen Kalender am 24./25. Oktober. Durch die Machtergreifung der Kommunisten wurde dort eine furchtbare Schreckensherrschaft eingeführt, die dann auch durch revolutionäre Volksaufstände und blutige Bürgerkriege auf andere Länder übergriff. Insgesamt sollen dadurch bis heute in der ganzen Welt etwa 66 Millionen Menschen umgekommen sein.

Am 11. Dezember 1917 sodann wurde Jerusalem durch den englischen General, später Viscount, Edmund Allenby (1861-1936) erobert. Der Angriff der Engländer hatte am 31. Oktober 1917 begonnen, genau vierhundert Jahre nach der Reformation. Während des jüdischen Chanukkafestes, dem Fest der Tempelweihe am 25. Kislew (1. Makk. 4, 36-59; 2. Makk. 10, 1-8 und Joh. 10, 22), zog General Allenby an der Spitze seiner Armee in Jerusalem ein. Bald darauf war das ganze Land von der türkischen Herrschaft befreit und kam nun unter englische Militärverwaltung. Die türkische Herrschaft währte ebenfalls vierhundert Jahre, denn im Jahre 1517 hatten die Ottomanen auch Jerusalem erobert.

Im Jahre 1917 wurde außerdem durch die Abschaffung des sogenannten Jesuitengesetzes das unter Bismarck eingeführte Niederlassungsverbot für die Jesuiten in Deutschland aufgehoben. Mit dem Erlaß des "Kanzelparagraphen" gegen angeblich den öffentlichen Frieden gefährdende Predigten hatte am 10. Dezember 1871 die als Kulturkampf bezeichnete Auseinandersetzung zwischen dem deutschen Staat und der römisch-katholischen Kirche begonnen. Die von dem Reichskanzler, Fürst Otto von Bismarck (1.4.1815-30.7.1898), eingeleiteten Maßnahmen zur Vereinheitlichung des Deutschen Reiches führten zu Konflikten mit dem römisch-katholisch geprägten Zentrum im Reichstag, insbesondere nach der Verkündung des Dogmas von der Unfehlbarkeit des Papstes. Als eine unmittelbare Folge davon war dann am 4. Juli 1872 ein Verbot des Jesuitenordens im Reichsgebiet durchgesetzt worden.

Somit kann der Erste Weltkrieg und insbesondere das Jahr 1917 als Beginn einer neuen Epoche gelten. Der Reiter auf dem feuerroten Pferd ist deshalb auch ein Symbol für den Sozialismus und Kommunismus, die in teuflischer Nachahmung des Blutes Jesu die rote Fahne zum Zeichen ihres antigöttlichen Kampfes erhoben haben. Nach einem Menschenalter von 70 Jahren nach Psalm 90, 10 ist nun dieser Angriff des Teufels kläglich gescheitert. Wie durch das Blut Jesu die Erlösung der Menschheit durch die Liebe Gottes erfolgt ist, so ist durch die rote Farbe des blutigen Kampfes der Sozialisten und Kommunisten das Elend über hunderte Millionen Menschen durch den Haß der Väter ihrer Ideologie gekommen.

Der Auftrag des zweiten Reiters lautet: ... den Frieden zu nehmen von der Erde und daß sie sich untereinander erwürgten.Dieser Auftrag gilt bis heute und darüber hinaus. Das ist das Schlimmste, was den Bewohnern der Erde passieren konnte. Jeder einzelne weiß, wie wichtig der Friede für ihn persönlich ist. So ist denn der Friede eine göttliche Tugend und hat auf Grund der apostolischen Aussage eine beschützende und bewahrende Eigenschaft. Der Apostel Paulus hat in seinem Brief an die Gemeinde zu Philippi geschrieben: Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus! (Phil. 4, 7).

Demnach ist es immer eine besondere Gnade, wenn Gott das Leben eines Menschen, eines Volkes, ja ebenso das ganzer Erdteile, mit seinem Frieden wie mit einer Mauer schützend umgibt. Aber wehe, wehe, wenn es dann doch anders kommt, und er seinen Frieden wegnehmen muß. Alsdann fällt damit auch jeder Schutz und der Entfesselung satanischer Grausamkeiten und mörderischer Haßgefühle sind fortan Tür und Tor weit geöffnet, so daß den Aasgeiern des Gerichtes die Möglichkeit gegeben ist, sich ungehindert und gnadenlos auf ihr schutzloses Opfer zu stürzen.

Ein erschütterndes Beispiel dafür bietet uns die Geschichte des Volkes Israel. Das Wort des Herrn erging an seinen Knecht, den Propheten Jeremia: ... denn ich habe meinen Frieden von diesem Volk weggenommen, die Gnade und die Barmherzigkeit, spricht der Herr. (Jer. 16, 5) Gott sprach dann weiter: Darum will ich euch aus diesem Lande verstoßen in ein Land, von dem weder ihr noch eure Väter gewußt haben. (Jes. 16, 13).

Wenn Gott seinen Frieden von der Erde hinwegnimmt, dann kann der Mensch ihn durch nichts ersetzen. Das sehen wir an dem krampfhaften Bemühen und Ringen der Völker und Regierungen, den Frieden auf Erden zu sichern. Man verhandelt bald hier, bald dort, eine Konferenz jagt die andere. Man spricht von Frieden und Sicherheit; und denen, die diese Begriffe redend im Munde führen, ergeht es wie den Turmbauern zu Babel. Sie sprechen aneinander vorbei und gehen dann bitter klagend und enttäuscht von dannen, im anderen Falle schauen sie sich mit dem Lächeln der Auguren an: "Ich weiß Bescheid, du weißt Bescheid, uns allen macht's Vergnügen."

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde auf Betreiben von Thomas Woodrow Wilson (1856-1924), des 28. Präsidenten der U.S.A. von 1913-1921, am 28. April 1919 der Völkerbund gegründet, der dann am 8. April 1946 offiziell durch die UNO ersetzt wurde. Der Zweck dieser Institution sollte damals sein, den Frieden der Völker zu gewährleisten und ihre Zusammenarbeit zu fördern. Wohl ist die Bedeutung des Völkerbundes auf humanitärem Gebiet kaum bestritten; allerdings war er nicht imstande, den internationalen Frieden zu bewahren. Politisch völlig ohnmächtig erwies er sich leider gleich beim Beginn des Zweiten Weltkrieges, jedoch hat Gott auch dies als Gericht zugelassen.

Daraufhin wurde dann gegen Ende dieses Zweiten Weltkrieges die Organisation der Vereinten Nationen am 26. Juni 1945 in San Franzisko gegründet, die bei uns mehr nach der englischen Abkürzung UNO bekannt ist. Ihre Hauptziele sind, den Frieden auf der Grundlage der Gleichberechtigung und des Selbstbestimmungsrechtes der Völker zu sichern, die Durchsetzung der Menschenrechte zu fördern, außerdem die internationale Zusammenarbeit bei der Lösung wirtschaftlicher, sozialer, kultureller und auch humanitärer Probleme zu verstärken. Von nun an sollten alle Konflikte durch Verhandlungen friedlich geregelt werden. Hingegen haben die Auseinandersetzungen seitdem immer zugenommen. Die Welt hat seit dem Ersten Weltkrieg bis zum heutigen Tage keinen dauerhaften Frieden mehr erlebt, denn in irgendeinem Teil der Erde war seither immer Krieg oder Bürgerkrieg.

So sind leider bisher alle menschlichen Versuche, den Frieden auf Erden zu retten, an dem kosmischen Eingriff des zweiten apokalyptischen Reiters auf dem feuerroten Pferde kläglich gescheitert, und sie werden auch in Zukunft ohne Erfolg bleiben. Wir erkennen daran, daß durch diesen Reiter tatsächlich bis jetzt der Friede von der Erde genommen worden ist. Was früher an zwischenmenschlichen Interessen und Konflikten lokal oder kontinental begrenzt war, hat seitdem weltweite Ausmaße angenommen. Dadurch sind die Bewohner der Erde genötigt, in globalen und kosmischen Vorstellungen zu denken und zu handeln.

Es ist deshalb nicht von ungefähr, daß in unserem Jahrhundert die bewaffneten Konflikte in erschreckendem Maße zugenommen haben. Dies ist gemäß dem furchtbaren Auftrag: ... daß sie sich untereinander erwürgten. Mit dieser betrüblichen Aussage wird uns die ganze Bosheit und mörderische Grausamkeit einer dämonisierten Menschheit geschildert. Die Völker erglühen im Haß und suchen einander im Kriegsjammer aufzureiben. Dieses endzeitliche Geschehen hat der Herr Jesus in einer geradezu erstaunlichen Klarheit schon seinen Jüngern vorausgesagt:

Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Sehet zu, daß euch nicht jemand verführe. Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und werden viele verführen. Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; sehet zu und erschrecket nicht. Denn das muß so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende. Denn es wird sich empören ein Volk wider das andere und ein Königreich wider das andere, und werden sein teure Zeit und Erdbeben hin und her. Das alles aber ist der Anfang der Wehen. (Matth. 24, 4-8).
Man achte auf die Reihenfolge: Zuerst die Verführung, dann Kriege und Kriegsgeschrei. Bei Lukas heißt es dann noch etwas genauer: Denn solches muß zuvor geschehen; aber das Ende ist noch nicht so bald da. (Luk. 21, 9).

Wie schon beim ersten Siegelgericht erwähnt, so sicherlich hier beim zweiten Siegelgericht wird es nun zweifellos umso klarer erkennbar, daß Gott die Menschen dahingegeben hat. Mehrere Hinweise gibt es dazu im Worte Gottes, jedoch seien nur einige Beispiele davon an dieser Stelle noch einmal wiederholt: So hab ich sie dahingegeben in die Verstocktheit ihres Herzens, daß sie wandeln nach eigenem Rat. (Psalm 81, 13). Aber Gott wandte sich ab und gab sie dahin, daß sie dienten dem Heer des Himmels. (Apg. 7, 42). Darum hat sie auch Gott dahingegeben in ihrer Herzen Gelüste. (Röm. 1, 24) Darum hat sie Gott auch dahingegeben in schändliche Lüste. (Röm. 1, 26). Und gleichwie sie es für nichts geachtet haben, daß sie Gott erkannten, hat sie auch Gott dahingegeben in verworfenen Sinn, zu tun, was nicht taugt. (Röm. 1, 28).

Für das Wort "dahingegeben" heißt es im Griechischen: paredooken = paredwken. Wenn im Altertum der griechische Richter jemanden zum Tode oder zu einer schweren Strafe verurteilen mußte - so wird berichtet - war das letzte Wort in seiner abschließenden Urteilsverkündung - ohne Plädoyer: paredooken. Damit beauftragte er den Scharfrichter, das Urteil an dem Verurteilten zu vollstrecken. So steht auch unsere Generation unter dem Gottesurteil: paredooken, d. h. dahingegeben zur Aburteilung.

Die Kriegsausrüstung des Reiters auf dem feuerroten Pferde wird nun auch genau bezeichnet: ... und ihm ward ein großes Schwert gegeben. Das Schwert ist immer das Symbol für Krieg, Mord und gewaltsames Töten. Nach dem griechischen Urtext ist das kein gewöhnliches Kriegsschwert (= romphaia = romjaia), sondern es ist ein selteneres: machaira megalé = macaira megalh, das heißt: ein großes, gekrümmtes Schwert. Damit wird dann sogleich die Größe und das Ausmaß dieser Gerichtshandlung angedeutet. Im diesem 20. Jahrhundert wurden mehr Menschen getötet als in all den Jahrhunderten vorher. Allein in den letzten etwa 70 Jahren starben um die einhundert Millionen Menschen eines gewaltsamen Todes durch Kriegseinwirkungen, Rassenhaß, Aufruhr, Revolutionen und ideologischen Säuberungen.

So war auch der Erste Weltkrieg von 1914-1918 und seine Folgen eine schreckliche Heimsuchung Gottes für die Völker Europas und die der ganzen Welt. Zu den überaus furchtbaren Opfern an Menschenleben kamen dann auch noch die geradezu erschreckenden Verwüstungen von Hab und Gut und teilweise sogar der Verlust der angestammten Heimat, denn Deutschland allein mußte kriegsbedingt etwa ein Achtel seiner Fläche an die Nachbarländer abtreten. Durch die politische Unsicherheit und die wirtschaftliche Not nach dem Kriege entstand dann weiteres Elend.

Die damals seinen Jüngern gemachte Aussage unseres Herrn Jesus Christus hat sich aber gerade in dem ereignisreichen Geschehen der nachfolgenden Jahrzehnte als überaus richtig erwiesen: Das alles aber ist der Anfang der Wehen. (Matth. 24, 8). Der Apostel Paulus bestätigt: Wenn sie sagen werden: Es ist Friede, es hat keine Gefahr, dann wird sie das Verderben schnell überfallen gleichwie der Schmerz ein schwangeres Weib, und werden nicht entfliehen. (1. Thess. 5, 3).

Das Buch: "Die Zukunft der Welt und der Gemeinde Jesu Christi" von Samuel Limbach, eigentlich ein Büchlein, das in 2. Auflage im September 1919 im Verlag des Evangelischen Vereins Kaiserslautern erschienen ist, enthält eine wichtige Bestätigung dieser Erkenntnis. Dieses Büchlein war 10 Jahre zuvor, also 1909 und damit noch vor dem Ersten Weltkrieg zuerst erschienen. Auf Seite 22 erklärt dieser Verfasser in einem Nachtrag zur 2. Auflage:

Seither ist nun der ungeheure Weltkrieg über die Menschheit
hereingebrochen und hat über vier Jahre getobt. Er stellt den
vom Herrn geweissagten Fortschritt dar (Matth. 24, 6 u. 7)
von gewöhnlichen Kriegen und Kriegsgerüchten zum all-
gemeinen Weltbrand, in den Volk auf Volk hineingezogen
wird, und der die Weltteurung und Weltseuche in seinem
Gefolge hat, untermischt mit allerlei Naturkatastrophen.

Damit sind die sogenannten vier apokalyptischen Reiter in
Erscheinung getreten (Offenb. 6) und durchstürmen die Welt als
"Anfang der Not" (Matth. 24, 8). Die Endzeit, von der allerdings
niemand sagen kann, wie lange sie sich hinzieht, hat damit
offenkundig ihren Anfang genommen.

Soweit also die Worte von Samuel Limbach, der bereits damals diese Zusammenhänge im prophetischen Wort erkennen durfte, die wir im Nachhinein leichter beurteilen können.

Daraufhin wurde dann das dritte Siegel geöffnet, wie wir jetzt sehen werden:

Und da es das dritte Siegel auftat, hörte ich die dritte Gestalt sagen: Komm! Und ich sah, und siehe, ein schwarzes Pferd. Und der darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand. Und ich hörte eine Stimme unter den vier Gestalten sagen: Ein Pfund Weizen um ein Silberstück und drei Pfund Gerste um ein Silberstück; aber Öl und Wein taste nicht an! (Offb. 6, 5-6)

Das dritte Siegel gehört mit in den großen Rahmen der Schreckensgerichte, die durch die vier apokalyptischen Reiter über die ganze Erde gekommen sind. Es ist eine unmittelbare Fortsetzung der unblutigen (weißes Pferd) ideologischen und politischen Ereignisse in der Folge des ersten Reiters und der nun dadurch heraufbeschworenen blutigen (rotes Pferd) kriegerischen und revolutionären Auseinandersetzungen des zweiten Reiters.

Zunächst achten wir auf die endzeitliche Bedeutung dieses Siegelgerichtes, alsdann auf den Zeitpunkt der Öffnung des dritten Siegels. Die Waage und die angegebenen Preise bedeuten ohne Zweifel eine wirtschaftliche Not, die zwar allhier durch den dritten Reiter ausgelöst worden ist, jedoch sicherlich erst durch die Auswirkungen der beiden vorhergehenden Reiter möglich wurde. Mit dem Öffnen des dritten Siegels ist also eine große und schmerzliche Krisenzeit auf wirtschaftlicher und sozialer wie auch finanzieller Ebene eingeleitet worden, die einen weltweiten Charakter hatte und noch hat. Wie seine beiden Vorgänger, so ist auch dieses schwarze Pferd noch unermüdlich auf der Erde unterwegs und schlägt bald hier und bald da zu. Wo immer sich dann, auf Grund der von ihm jeweils vorgefundenen Umstände, die geringste Möglichkeit einer galoppierenden Inflation oder einer Hungerskatastrophe ergibt, da ist er sofort zur Stelle.

Wenn wir die logische Reihenfolge der hier angekündigten Gerichtsschrecken mit den bereits vorher stattgefundenen apokalyptischen Ereignissen auf weltpolitischer Ebene vergleichen, dann können wir mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß die Öffnung des dritten Siegels gegen Ende des Ersten Weltkrieges vorgenommen wurde. Wir ersehen es dann daran, daß der dritte Reiter auf dem schwarzen Pferde ein wohl deutliches Symbol der großen Hungersnot und der enormen Inflation ist, die dem Ersten Weltkrieg von 1914-1918 auf dem Fuße folgte. Ein mögliches Datum für die Öffnung des dritten Siegels wäre demnach der 1. Februar 1917, an dem damals Deutschland den uneingeschränkten U-Boot-Krieg erklärte, da sich nun eine große Hungersnot dort ausbreitete.

Die ältere Generation wird sich noch genau an die Lebensweise der alsdann von diesem Gericht betroffenen Völker und Gebiete erinnern, oder sie hat uns oder unseren Eltern schon gelegentlich im Laufe der Jahre davon erzählt. Mitte 1916 erfolgte nämlich die Einführung der Lebensmittelrationierung in Deutschland infolge der alliierten Blockade. Damit zeichnete sich bereits eine große Hungersnot ab, die sich in Deutschland zunächst bis zum Jahre 1933 auswirkte. Rußland und China jedoch waren von dieser Katastrophe wohl am meisten betroffen. In diesen beiden Ländern allein sind viele Millionen Menschen nach dem Kriege verhungert.

Das besondere Merkmal dieses dritten Siegelgerichtes ist also das schwarze Pferd. Die schwarze Farbe des Pferdes ist das Symbol des Hungers, der Not, der Teuerung, also der Inflation und der Trauer. Mit seinem Auftreten begann zweifellos eine die ganze Welt beeinträchtigende Hungersnot, verbunden mit einer weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise, die als eine naturnotwendige Folgeerscheinung des Ersten Weltkrieges mit seinen verheerenden Zerstörungen anzusehen ist. Der Reiter ist wiederum der für dieses Siegelgericht bestimmte höllische Dämon, wie auch seine beiden Vorgänger in ihrer jeweiligen Zeit auch nichts anderes waren. Alle vier Reiter sind also ohne Ausnahme gefallene Engel. Es sind immer Dämonen aus der Hölle, die Gott nur dazu bestimmt hat, das betreffende Gericht über die gottlose, sündige und unbußfertige Menschheit auszuführen.

Denn alles wird auf Erden von überintelligenten Wesen kosmisch gesteuert und dirigiert, zumal in den verschiedenen Schichten des Lufthimmels ein hochorganisiertes Regierungssystem existiert. Von dort bekommen die Staatsmänner auf Erden ihre Befehle, wenn sie sich diesen Mächten zuvor voll und ganz ausgeliefert haben. Dabei erfüllen sie dann ihre Aufgaben nur noch als Marionetten derselben, ohne es jedoch zu wissen oder zu ahnen. Der Apostel Paulus bestätigt das in seinem Brief an die Gemeinde zu Ephesus: ... nach dem Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich nach dem Geist, der zu dieser Zeit sein Werk hat in den Kindern des Unglaubens. (Eph. 2, 2).

Dieser Reiter aus der Hölle ist also darauf aus, die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse auf Erden zu stören und möglichst zu ruinieren, sowie die Hungergeißel über diese gerichtsreife Menschheit zu schwingen. Die Waage in seiner Hand ist das Symbol der Hungersnot und Rationierung der Lebensmittel, ja, sie ist das Zeichen des Kaufens und Verkaufens und der Sicherung der Nahrungsmittel sowie des Handels und der Wirtschaft schlechthin.

Die Aufgabe dieses Reiters ist zunächst eine Rationierung der Lebensmittel durchzuführen. Denn überall dort, wo die Heilige Schrift vom Wiegen des täglichen Brotbedarfes redet, deutet das auf eine große Teuerung und Hungersnot hin. Für den Fall des Ungehorsams droht Gott neben anderen Strafen seinem Volke auch die Hungersnot an: Dann will ich euch den Vorrat an Brot verderben; zehn Frauen sollen euer Brot in einem Ofen backen, und euer Brot soll man euch nach Gewicht zuteilen, und wenn ihr eßt, sollt ihr nicht satt werden. (3. Mose 26, 26).

Im Blick auf die Belagerung Jerusalems läßt Gott durch den Propheten Hesekiel deren Bewohnern verkünden: Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, siehe, ich will den Vorrat an Brot in Jerusalem wegnehmen, daß sie das Brot abgewogen essen müssen und mit Kummer, und das Wasser abgemesssen trinken müssen und mit Schaudern, damit sie an Brot und Wasser Mangel leiden und sie, einer wie der andere, erschaudern und in ihrer Schuld verschmachten sollen. (Hes. 4, 16-17).

Wir alle sollten uns immer wieder daran erinnern, daß nur Gott allein über den Vorrat des täglichen Brotbedarfes verfügt. Bei jeder Mahlzeit sollten wir uns beim Tischgebet dessen bewußt sein: Es warten alle auf dich, daß du ihnen Speise gebest zur rechten Zeit. Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust. so werden sie mit Gutem gesättigt. Verbirgst du dein Angesicht, so erschrekken sie; nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub. (Psalm 104, 27-29).

So hat nun auch der Reiter auf dem schwarzen Pferd über Maß und Gewicht der in Frage kommenden Zuteilung der Lebensmittel zu entscheiden. Nach welcher Art und Weise sodann die Versorgung der hungernden Bevölkerung geschieht, wird uns hier beispielhaft an zwei Getreidearten gezeigt: Ein Chönix Weizen für einen Denar, und drei Chönix Gerste für einen Denar. (Elbf.). Im Lexikon zur Bibel wird dieses Maß so erklärt: In Offb. 6, 6 bezeichnet es die griech. Choinix, die rund 1,1 Liter (l) enthielt. In der Lutherbibel erklärt heißt es dazu dann noch: Das Brotgetreide, das jeder braucht, steigt auf den zwanzigfachen Preis.

Ein Maß Weizen als bessere Nahrung oder drei Maß Gerste mit geringerem Nährwert war im Altertum die klägliche Tagesration eines Sklaven. Im Matthäus-Evangelium wird uns im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg berichtet: Und da er mit den Arbeitern eins ward um einen Silbergroschen zum Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg. (Matth. 20, 2). Im Anhang der Lutherbibel erklärt steht nun dieser Hinweis: Für das Neue Testament gibt Matth. 20, 2 einen Anhaltspunkt zur Abschätzung der tatsächlichen Werte: Der "Silbergroschen" = 1 "Mark" ist der gewöhnliche Tageslohn eines Arbeiters!

Demnach hat der Reiter auf dem schwarzen Pferd die Aufgabe, den Bewohnern der Erde eine Sklaven- oder Hungerkost zu den im Himmel festgesetzten Preisen zuzuteilen. Nach obiger Rechnung kostet also eine knappe Tagesration notwendiger Nahrungsmittel den ganzen Tageslohn eines Arbeiters, wobei für die übrigen Belange der Familie nichts mehr übrigbleibt. Mit anderen Worten: Es ist nicht genug zum Leben, aber zuviel zum Sterben.

Für die anderen Bedürfnisse lautet dann in unserem Text die Anweisung an den Reiter: ... aber Öl und Wein taste nicht an!Öl und Wein sind eindeutig Luxusartikel und wurden in den beiden letzten großen Kriegen nicht so stark rationiert wie die anderen Lebensmittel. Das es Luxusartikel sind, wird uns auch in den Sprüchen Salomos bestätigt, wo es heißt: Wer gern in Freuden lebt, wird Mangel haben; und wer Wein und Salböl liebt, wird nicht reich. (Sprüche 21, 17). Die Erfahrung nach beiden Weltkriegen hat gezeigt, wer reich war und bezahlen konnte, der konnte sich trotzdem alles in Hülle und Fülle leisten. Wer finanziell dazu in der Lage war, dem stand dann auf dem "schwarzen Markt" alles das zur Verfügung, was der "schwarze Reiter" anderen vorenthalten hat.

Diese scheinbare Ungerechtigkeit hat schon Asaph, den Vorsteher der Sänger Davids (1. Chron. 16, 5) zum Nachdenken veranlaßt: Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen; mein Tritt wäre beinahe geglitten. Denn ich ereiferte mich über die Ruhmredigen, als ich sah, daß es den Gottlosen so gut ging. Denn für sie gibt es keine Qualen, gesund und feist ist ihr Leib. Sie sind nicht in Mühsal wie sonst die Leute und werden nicht wie andere Menschen geplagt. (Psalm 73, 2-5) Weiter bezeugt er dann nur etwas weiter: So sann ich nach, ob ich's begreifen könnte, aber es war mir zu schwer, bis ich ging in das Heiligtum Gottes und merkte ihr Ende. Ja, du stellst sie auf schlüpfrigen Grund und stürzest sie zu Boden. Wie werden sie so plötzlich zunichte! Sie gehen unter und nehmen ein Ende mit Schrecken. (Psalm 73, 16-19).

Oft wird nun an dieser Stelle der Einwand gemacht, in der christlichen Kirche gelten Öl und Wein immer als Sinnbilder heiliger Handlungen. Das Öl wird zum Beispiel als Symbol des Heiligen Geistes zur Salbung gebraucht, und der Wein wird als Symbol des Blutes und der Freude zur Feier des heiligen Abendmahles verwendet. Deshalb gibt es u. a. diese geistliche Deutung: Dagegen bleiben Öl und Wein unbeschädigt, das soll vielleicht bedeuten: Der Herr wird den Seinen auch in dieser Zeit von seinem Geist (Öl) und seinen Gaben (Wein) darreichen, was sie brauchen. Aber gerade hier an dieser Stelle würde es meines Erachtens eine ungerechtfertigte Gewaltanwendung sein, wenn man diese Aussage geistlich deuten wollte.

Beim letzten Abendmahl hat Jesus zum Abschied mit seinen Jüngern geredet: Und er sprach zu ihnen: Sooft ich euch ausgesandt habe ohne Beutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr auch je Mangel gehabt? Sie sprachen: Nie. (Luk. 22, 35). Diese Verheißung gilt auch für die Jünger von heute. Außerdem hilft in solchen Nöten eher die Anweisung des Jakobus, des Bruders des Herrn: Wenn aber ein Bruder oder eine Schwester bloß wäre und Mangel hätte an der täglichen Nahrung und jemand unter euch spräche zu ihnen: Gehet hin in Frieden! Wärmet euch und sättiget euch! ihr gäbet ihnen aber nicht, was dem Leibe not ist: was hülfe ihnen das? (Jak. 2, 15-16).

Andere Ausleger sind der Meinung, mit Öl und Wein könnten auch Medikamente gemeint sein. Sie denken dabei dann meistens an das Beispiel vom barmherzigen Samariter, das Jesus einem Schriftgelehrten erzählte, in dem es lebensnah heißt: Ein Samariter aber reiste und kam dahin; und da er ihn sah, jammerte ihn sein, ging zu ihm, goß Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm und hob ihn auf sein Tier und führte ihn in eine Herberge und pflegte sein. (Luk. 10, 33-34). Hierbei ist jedoch zu bedenken, daß die Hungersnot gar erst am Ende des Krieges einsetzte und daß Medikamente gleichfalls als Mangelware galten. Oftmals hatte man schon während des Krieges gar keine Betäubungsmittel mehr zur Verfügung, um notwendige Amputationen und andere Operationen vorzunehmen. Damals gab es als Verbandsstoff auch keine Mullbinden aus Baumwolle mehr, sondern man hatte nur noch Verbandsmaterial aus Zellstoff, eine Art Papier, in den Lazaretten.

Es ist wohl eine geschichtliche Tatsache, daß nach dem Ersten Weltkrieg von den Schrecken dieses dritten Reiters fast alle Kulturstaaten auf weltweiter Ebene empfindlich heimgesucht wurden. Es war dies auch das allererste Mal in der Geschichte der Menschheit, daß eine solche Katastrophe weltweiten Charakter angenommen hat. Diese weltweite Hungersnot wurde durch die Folgen des zweiten Reiters auf dem feuerroten Pferd während und nach dem Ersten Weltkrieg ausgelöst, und zwar durch: das Brachliegen der Felder infolge Kriegsdienst, Kriegszerstörungen, Flüchtlingselend, die Blockade der Alliierten, der von Deutschland erklärte U-Boot-Krieg, Trockenheit und Dürre, Mißernten, Inflation, Arbeitslosigkeit, politische Unruhen und Revolutionen. Da dieser Reiter weitergaloppierte, war es so ähnlich nach dem Zweiten Weltkrieg. Beispielsweise bekamen die Berliner Anfang 1947 weniger als 1000 Kalorien, in Hamburg gab es 800 und in Essen nur noch 740 Kalorien täglich.

Der Hunger ist auf Grund seiner schleichenden, langsam tötenden Eigenschaft die größte und schrecklichste Qual. Darum sind auch die meisten Menschen, die davon betroffen werden, in ihrer Verzweiflung zu den größten Verbrechen fähig, wie z. B.: Korruption, Unterschlagung, Diebstahl, Raub, Verrat, Mord u.s.w.. In den Klageliedern Jeremias ist dieses Wort zu lesen: Die vom Schwert Erschlagenen sind glücklicher als die vom Hunger Getöteten, welche hinschmachten, durchbohrt vom Mangel an Früchten des Feldes. (Kagel. 4, 9 - Elbf.)

Obwohl wir hier in Europa augenblicklich wohl recht wenig davon merken, so verhungern doch auch in unserer Zeit Millionen von Menschen in anderen Erdteilen. Die Worte Jesu über unsere Zeit bestätigen dies: ... es werden Hungersnöte ... sein ... an verschiedenen Orten. (Matth. 24, 7). Es gibt sicherlich heute über eine Milliarde Menschen, die unterernährt sind. Die meisten davon sterben schon als Kinder, wie uns sooft in den Nachrichten gesagt und gezeigt wird. Im Unicef-Bericht 1998 zur Lage der Kinder in der Welt wird nun beklagt, daß in den Entwicklungsländern sogar jährlich zwölf Millionen Kinder unter fünf Jahren sterben, und in 55 Prozent der Fälle ist ganz eindeutig Ernährungsmangel die direkte oder indirekte Ursache.

Bei uns ist es allerdings genau umgekehrt, unzählige Kinder in den Schulen werfen ihre Pausenbrote einfach weg. Deren Eltern machen es zu Hause auch nicht anders, man lebt ja schließlich im Überfluß und kann sich das gut leisten. Leider wird sich diese schreckliche Ungerechtigkeit bis zur Wiederkunft Jesu Christi in Herrlichkeit sicherlich kaum ändern. Gerade weil das so ist und wir das wissen, sollten wir nicht nur für uns unaufhörlich beten: Unser täglich Brot gib uns heute. (Matth. 6, 11).

Oder, wie es ein Dichter in so schönen Worten gefaßt hat:

Bescher' uns, Herr, das täglich Brot,
Vor Teurung und vor Hungersnot
Behüt' uns durch dein' lieben Sohn,
Gott, Vater, in dem höchsten Thron.

So kommen wir jetzt dazu, das vierte Siegel zu betrachten, das nicht lange danach ebenfalls geöffnet wurde:

Und da es das vierte Siegel auftat, hörte ich die Stimme der vierten Gestalt sagen: Komm! Und ich sah, und siehe, ein fahles Pferd. Und der darauf saß, des Name hieß Tod, und die Hölle folgte ihm nach. Und ihnen ward Macht gegeben über den vierten Teil der Erde, zu töten mit dem Schwert und Hunger und Tod und durch die wilden Tiere auf Erden. (Offb. 6, 7-8).

Beim Öffnen des vierten Siegels erscheint ein Todesreiter auf einem fahlen Pferd. "Fahl" ist im Griechischen: clwroV = chloros, von dem unser Wort Chlor abgeleitet ist. Fahl oder grünlich-bleich (wie manche übersetzen) ist die Leichenfarbe. Das Wort kann sich auch auf "leichenblaß" als Farbe der Krankheit beziehen, so im Gegensatz zur gesunden Farbe (vgl. unseren Ausdruck "er sieht ganz grün aus", womit blaßgrün gemeint ist). In der griechischen klassischen Literatur wird mit dem Wort: clwroV = chloros jedenfalls ebenso die Totenblässe, ja, die Farbe einer Leiche bezeichnet. Allerdings wird jedoch in Offb. 8, 7 und 9, 4 auch das Eigenschaftswort (= Adjektiv): clwron = chloron mit "grün" übersetzt; es geht da aber vielmehr um die lichtgrüne Farbe der jungen Vegetation.

Wie seine Vorgänger, so erhält auch dieser vierte Reiter eine besondere Aufgabe und dann gleichfalls die nötige Vollmacht dazu: Und ihm wurde Gewalt gegeben über den vierten Teil der Erde, zu töten mit dem Schwert und mit Hunger und mit Tod und durch die wilden Tiere der Erde. (Elbf.) Im Luthertext von 1914 heißt es hier etwas undeutlicher: Und ihnen ward Macht gegeben zu töten den vierten Teil auf der Erde mit dem Schwert und Hunger und mit dem Tod und durch die Tiere auf Erden.

Mit diesen Worten wird zweifellos wiederum sehr deutlich ein ganz großer Krieg beschrieben, allerdings wird hier keineswegs gesagt, daß ein Viertel der Erdbewohner dabei getötet wird. Vom früheren Luthertext her konnte man jedoch durchaus dieser Meinung sein, was aber nicht richtig ist. Im Konkordanten Neuen Testament lautet die genauere Übersetzung:... und ihnen wurde Vollmacht über den vierten Teil der Erde gegeben, zu töten durch die Klinge. Demnach ist also diese äußerst wichtige Aussage keinesfalls ethnographisch (= völkisch), sondern unbedingt nur geographisch (= flächenmäßig) zu verstehen.

Eine sorgfältige Überprüfung der verschiedenen Kriegsberichte und Landkarten hat nun ergeben, daß im Zweiten Weltkrieg tatsächlich über den vierten Teil der Welt Kriegshandlungen stattgefunden haben. Wenn man allerdings so auf einem Globus oder einer Weltkarte die Gebiete aller 47 Staaten betrachtet, die in diesen Krieg irgendwie verwickelt waren, dann war fast die ganze Welt davon betroffen. Hierbei muß man jedoch berücksichtigen, daß mehrere kriegführende Länder zwar einen großen Raum einnehmen, auf ihrem Hoheitsgebiet aber keine oder nur geringfügige Kampfhandlungen stattgefunden haben. Zu diesen gehören zum Beispiel das ganze Gebiet der U.S.A. (also 48 Staaten, denn nur Hawaii wurde angegriffen), Kanada, Australien, ganz Mittel- und Südamerika und auch der größte Teil von Afrika.

Wenn man jedoch von diesen kaum kriegsbeteiligten Gebieten absieht, dann umfaßte der eigentliche Kriegsschauplatz auf dem Lande nur ungefähr ein Sechstel der Erdoberfläche, also wesentlich weniger als ein Viertel der Welt. Dazu muß man dann allerdings noch die Meeresflächen rechnen, die nun in besonderer Weise von diesem Krieg betroffen waren. Zu diesen zählt zum Beispiel der Nordatlantik als Operationsbereich der deutschen U-Boot-Flotte. Das Ergebnis ist dann wiederum erstaunlich, denn wir werden feststellen, daß die Länder- und Meeresflächen, auf denen im Zweiten Weltkrieg tatsächlich gekämpft wurde, genau den vierten Teil der Erde ausmachen.

Dr. P. de Benoit bestätigte diese Ansicht bereits damals in seinem Buch: "Was der Geist den Gemeinden sagt", Verlag "Emmaus", Vennes s. Lausanne, das gemäß dem Vorwort des Verfassers schon am 20. Januar 1941 in Druck gegeben wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Krieg kaum begonnen und die wesentlichen Kampfhandlungen waren dazu begrenzt auf diese Länder: Großbritannien, Polen (ab Sept. 1939), Dänemark und Norwegen (ab April 1940), Frankreich, Belgien, die Niederlande und Luxemburg (ab 10. Mai 1940). Jedenfalls war der Zweite Weltkrieg in jenen Tagen der relativen Ruhe als solcher noch gar nicht zu erkennen, denn die globale Ausweitung desselben erfolgte erst im Laufe des Jahres 1941. Trotzdem hat Dr. P. Benoit schon seinerzeit diese bemerkenswerte Erkenntnis niederschreiben können, die auf Seite 47 seines Buches heute nachzulesen ist: Wenn Gott bei der Eröffnung des vierten Siegels erlaubt, daß sich der Tod über den vierten Teil der Erde ausbreite, so will das wohl nicht unbedingt heißen, daß der vierte Teil der Menschen sterben werde. Aber Schwert, Hungersnöte, Epidemien und wilde Tiere werden ein Territorium heimsuchen, das größer sein wird als ganz Europa. Leider können wir uns nur zu gut einen derartigen Zustand vorstellen ... .

Auch hier an dieser Stelle sei nun wieder eine Bilanz des Schreckens angeführt, die durch den Reiter auf dem fahlen Pferd verursacht wurde. Im Zweiten Weltkrieg standen so über 110 Millionen Mann unter Waffen, davon wurden etwa 27 Millionen Soldaten im Kriegseinsatz getötet. Man nimmt an, daß fast 30 Millionen Zivilisten durch Kriegseinwirkungen starben. Diese kamen um bei Bombenangriffen, sind verhungert, wurden erschossen oder auch durch Seuchen dahingerafft. Insgesamt hat man also mindestens 56 Millionen Tote zu beklagen gehabt, dazu noch solche, die nur kurz nach dem Kriege bei der Vertreibung aus ihrer angestammten Heimat umgekommen sind. Laut statistischen Angaben starben in dieser Zeit sogar mehr als 60 Millionen Menschen, davon allein über 6 Millionen Juden, die bestialisch ermordet wurden. Außerdem sind auch noch ungefähr 35 Millionen Verletzte gezählt worden. Die vielen Gräber und Denkmäler erinnern überall daran, wieviel Tod und Elend diese wahnsinnigen und sonst doch sinnlosen Kriege verursachen.

Als Ganzes gesehen, war es fürwahr die bisher größte Todesernte aller Zeiten, die dieser schreckliche Reiter auf dem fahlen Pferd gefordert hat. Obwohl sie nur etwa 2,5 % der damaligen Weltbevölkerung von etwa 2,2 Milliarden Menschen betragen hat, war es aber erheblich mehr als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit. Zehnmal soviel wäre sodann der vierte Teil der Bevölkerung dieser Erde gewesen, was aber nicht der Fall war. Deshalb haben auch einige Ausleger hier den Zweiten Weltkrieg nicht berücksichtigt, da ihnen nach dem früheren Luthertext diese Möglichkeit nicht gegeben schien. Sie sind allerdings noch von falschen Voraussetzungen ausgegangen und haben daher mit einer größeren Zahl von Opfern gerechnet.

Es ist auch jetzt wieder angebracht, auf die tieferen Zusammenhänge der Siegelgerichte hinzuweisen. Durch die gottlose Ideologie des ersten Reiters wurden zunächst die geistlichen Voraussetzungen für das darauf folgende schreckliche Blutvergießen des zweiten Reiters geschaffen. In dessen Gefolge kam sodann der dritte Reiter mit furchtbarer Hungersnot, diese alle zusammen führten daraufhin zur grausamen Todesernte des Zweiten Weltkrieges. Nur elf Staaten oder Gebiete in der ganzen Welt waren durch ihre erklärte Neutralität nicht direkt in diesen Krieg verwickelt, obwohl sie auch nicht ganz unbeteiligt waren. Zu dieser Gruppe zählten dann: Afghanistan, Irland, Jemen, Liechtenstein, Nepal, Portugal, Schweden, die Schweiz, Spanien, Tangier und die Vatikanstadt. Kein Land war allerdings wirklich neutral, wie sich oft erst später herausstellte, sondern alle hatten wohl auf eine geschickte Art und Weise versucht, zumindest ihren eigenen Vorteil daraus zu ziehen.

Die Schweiz diente beispielsweise als Umschlagplatz für das von Deutschland den Juden geraubte Gold, um dafür wichtige Kriegsgüter zu liefern. Außerdem wurden von dort Soldaten nach Rußland entsandt, die dann auf deutscher Seite als Sanitätskorps wichtige Hilfsdienste übernahmen. Schweden blieb so während des Zweiten Weltkrieges ebenfalls nach außen hin neutral, unterstützte die deutsche Kriegsführung aber unter anderem mit der Zulassung von Truppentransporten auf dem Landwege sowie die Lieferung von Eisenerz und Industrieprodukten für die Wehrmacht.

Die im Ersten Weltkrieg besiegten oder bei der Friedensregelung benachteiligten Großmächte Deutschland, Italien und Japan strebten verstärkt eine Revision der Ordnung von 1919/20 an. In Deutschland war der als äußerst ungerecht empfundene Friedensvertrag von Versailles nur unter der Drohung des alliierten Einmarsches angenommen worden und bewirkte daher keinen Frieden. Die bald darauf folgende Weltwirtschaftskrise (von 1929 bis 1933) ließ die Schwächen der alliierten Mächte U.S.A., Großbritannien und Frankreich offenkundig werden und führte außerdem wegen der damit verbundenen hohen Arbeitslosigkeit in Deutschland sodann zur Machtübernahme der Nationalsozialisten. Deren Führer Adolf Hitler beabsichtigte alsdann die schrittweise Ausweitung des geplanten Großdeutschen Reiches, gegebenenfalls auch durch militärische Angriffe. Ziel war zunächst die Schaffung von Lebensraum im Osten und dessen "Germanisierung" mit allen Mitteln.

So war der Boden bereitet für einen weiteren Krieg, der durch Kampfhandlungen gegenüber Polen am 1. September 1939 um 5.45 Uhr begann. Der Zündstoff dazu war schon durch die erwiesenermaßen unehrliche Friedensvereinbarung vorgegeben, welche die Kriegsschuld allein Deutschland zuschrieb. Dies diente zudem als Begründung für die maßlosen und teilweise unerfüllbaren Forderungen der Alliierten, die allseits große Erbitterung auslösten. Aus diesem Grunde kann so auch der Zweite Weltkrieg als eine direkte Folge des Ersten Weltkrieges betrachtet werden. Daran besteht jedenfalls kein Zweifel, wenn man die biblischen Zusammenhänge kennt. Im Blick auf die Siegelgerichte dauerten alle drei vorhergehenden Gerichte nicht nur weiterhin fort, sondern sie wiederholten sich dann auch geradezu bei der Öffnung des vierten Siegels mit noch ungewöhnlich vermehrter Schärfe und unter zusätzlicher Hinzuziehung weiterer Züchtigungen.

Im 3. Buch Mose (Leviticus = Buch der priesterlichen Ordnungen) sagt der Gott Israels: Wenn ihr mir aber auch dann noch nicht gehorcht, so will ich euch noch weiter strafen, siebenfältig, um eurer Sünden willen, daß ich euren Stolz und eure Halsstarrigkeit breche, und will euren Himmel wie Eisen und eure Erde wie Erz machen. Und eure Mühe und Arbeit soll verloren sein, daß euer Land sein Gewächs nicht gebe und die Bäume im Lande ihre Früchte nicht bringen. (3. Mose 26, 18-20). Alsdann beachte man das viermalige siebenfältig in 3. Mose 26, 18 + 21 + 24 + 28.

Entzieht sich das Volk seinem Gott, der es zur Gemeinschaft mit sich und zum umfassenden Segen berufen hat, dann begibt es sich unter den Fluch desselben Gottes, der darum in allen Stücken die Kehrseite des Segens bedeutet, bis hin zur schrecklichen Androhung: Ich werde an euch Ekel haben. (3. Mose 26, 30).