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Kapitel 3

Wir wollen jetzt das fünfte Sendschreiben betrachten, das für die Gemeinde zu Sardes bestimmt war:

Und dem Engel der Gemeinde zu Sardes schreibe: Das sagt, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich weiß deine Werke: Du hast den Namen, daß du lebest, und bist tot. Werde wach und stärke das andre, das sterben will, denn ich habe deine Werke nicht als völlig erfunden vor meinem Gott. So gedenke nun, wie du empfangen und gehört hast, und halte es und tue Buße. Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde. Aber du hast etliche zu Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; die werden mit mir wandeln in weißen Kleidern, denn sie sind's wert. Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! (Offb. 3, 1-6).

  1. Sardes oder Sardis, griechisch: Sardeis (= Sarde·iV), hebräisch: Sarid, was "ein Übriggebliebener, Entkommener, Entronnener, ein Flüchtling, Flüchtiger, Fliehender" bedeutet. Diese hier erwähnte Stadt liegt, oder besser lag, noch weiter landeinwärts südlich von Thyatira (heute: Akhisar), etwa 80 km östlich von Smyrna (heute: Izmir), in einer strategischen Lage im Tal des Flusses Hermos oder Hermus, der heute Gediz oder Sarabat heißt. Dieser Fluß ist etwa 300 km lang und entspringt im Gebirge südlich von Kütahya und fließt westlich bis er in den Golf von Izmir, dem früheren Smyrna, mündet. Heute ist die Stadt nur noch ein Ruinenfeld bei dem Dorf Sart, etwa 80 km östlich von Izmir oder Smyrna.

  2. Dieses kleine Dorf bestand zu Beginn unseres Jahrhunderts aus einigen elenden Hütten, in denen vor vielen Jahrzehnten gar Gotthilf Heinrich Schubert auf seiner Reise dorthin noch zwei Christen fand. Ursprünglich war es eine der ältesten und berühmtesten Städte Kleinasiens, über deren Gründung uns leider keine geschichtlichen Angaben vorliegen. In römischer Zeit, also zur Zeit des Johannes, war Sardes trotz seines Wohlstandes eine glanzlose Provinzstadt. Dann erlangte sie in christlicher Zeit erneut eine gewisse Berühmtheit, und zwar durch den um das Jahr 175 n. Chr. verstorbenen Bischof Melito von Sardes. Als Bezeichnung der beiden Teile der Bibel sind die Worte "Altes Testament" und "Neues Testament" zuerst belegt bei Melito von Sardes.

    Sardes war die Hauptstadt von Lydien, einer Landschaft im Westen Kleinasiens mit fruchtbaren Tälern (Hermos, Mäander) und wichtigen Karawanenstraßen nach dem Orient. Der Mäander oder Maiandros = maiandroV, der heute Menderes heißt, ist ein Fluß, etwa 400 km lang, der ebenfalls in das Ägäische Meer mündet, und zwar südlich der Insel Samos. In der antiken Legende war er bekannt für seine Wanderungen. Damals floß er durch den Norden von Karien (seit 129 v. Chr. ebenfalls Teil der römischen Provinz Asia) und an oder bei seinem Ufer waren die antiken Städte Laodicea, Magnesia und Miletus oder Milet. Die damalige Mündung ist heute durch Sandanschwemmungen verlandet. Der Mündungslauf des Mäander ist sehr gewunden, daher der Name des Mäander-Ornaments. Hierbei handelt es sich um ein gebrochenes Ornamentband, das seit vorgeschichtlicher Zeit besonders als Gefäßzierrat verwendet wurde.

    Nach dem Zusammenbruch des Staates der Phrygier um 690 v. Chr. taten sich die Lydier stärker hervor, befreiten sich von der Herrschaft der Kimmerier und unterwarfen sich die griechischen Städte Kleinasiens. In der Hauptstadt Sardes residierte die Dynastie der Mermnaden (Gyges, Alyattes, Krösus), die nach den Kämpfen mit den Medern im Osten ihr Reich bis zum Halys (= größter Fluß in Kleinasien), heute Kisil Irmak, ausdehnen konnte.

    Der letzte König von Lydien war Krösus, griechisch Kroisos (= krwisoV), der von 560-546 v. Chr. herrschte. Der Reichtum der Lydier gründete sich auf ihre Rolle im Handel und auf Goldfunde. In der Zeit seiner Regierung ist Sardes zur höchsten Blüte emporgestiegen. Die Münzprägung wurde schon im 7. Jahrhundert v. Chr. in Sardes erfunden und die Geldwirtschaft im Lande unter Krösus erweitert, der zum Symbol des Reichtums wurde. Durch die Prägung der ersten Münzen im heutigen Sinne ist Sardes gewissermaßen als die Geburtsstätte des modernen Geldes anzusehen. Der Name Krösus wurde geradezu sprichwörtlich. Sein Reichtum (Goldschätze, Vermögen aus Steuern und Enteignungen) sowie Freigebigkeit (Stiftungen für Delphi) waren berühmt.

    Nachdem Medien im Jahre 552 v. Chr. von den Persern erobert worden war, kam es zu Konflikten zwischen Lydien und Persien um 547/546 v. Chr., die im Jahre 546 v. Chr. mit der Niederlage Lydiens endeten. Krösus, im Kampf gegen Kyros oder Cyrus II. (560-529 v. Chr.) unterlegen, wurde zum Feuertod verurteilt, dann aber begnadigt und als Satrap (= Provinzstatthalter) der selbständigen Provinz Lydien eingesetzt. In den Satrapien wurden die einheimischen Religionen von den Persern geduldet. Vor dem Krieg mit Kyros soll ihm das Orakel von Delphi auf Befragen geantwortet haben: Wenn du den Halys überschreitest, wirst du ein großes Reich zerstören. Krösus zerstörte sein eigenes, womit sich diese etwas zweideutige Wahrsagung in teuflischer Weise erfüllte.

    Dareios oder Darius I., der Große (522-486 v. Chr.), übernahm die Münzprägung. Die Perser bauten die sogenannte Königsstraße von Susa nach Sardes. Sie galt mit ihren über 100 Post- und Kurierstationen als Symbol der wirtschaftlichen, politischen und militärischen Stärke des Landes sowie der großen Macht der persischen Könige. Dadurch erfuhr Sardes wieder einen neuen Aufschwung, der sich im Luxus und der üppigen Lebensweise der Lydier niederschlug. Von 499-493 v. Chr. war der Aufstand der ionischen Städte Kleinasiens gegen die Perserherrschaft. Nach anfänglichen Erfolgen, so die Eroberung und Zerstörung des Satrapensitzes Sardes im Jahre 498 v. Chr., endete der Ionieraufstand mit einer katastrophalen Niederlage und der Zerstörung von Milet, dem Zentrum des Aufstandes.

    Um 387/386 v. Chr. wurde in Sardes der sogenannte Königsfriede geschlossen, ein Friedensdiktat des Persers Artaxerxes II. Mnemon (423-358 v. Chr.), König seit 404 v. Chr., mit Sparta. Im Jahre 334 v. Chr. wurde die Stadt von Alexander dem Großen (356-13.6.323 v. Chr.) besetzt. Die reichen Lydier galten jedoch bei den Griechen als verweichlicht, die eher eine spartanische Lebensführung gewohnt waren, die sich durch militärische Schlichtheit und Härte auszeichnete. Antiochos oder Antiochus III., der Große, syrischer König aus der Dynastie der Seleukiden (242-187 v. Chr.), König seit 223 v. Chr., eroberte Sardes im Jahre 213 v. Chr. nach einer zweijährigen Belagerung. Die Stadt blühte während des Seleukidenreiches wieder auf. Im Jahre 129 v. Chr. wurde Sardes schließlich Teil des Römischen Reiches. So haben sich hier im Laufe der Zeit die Perser, Griechen, Syrer und schließlich die Römer nach siegreichen Feldzügen als Herrscher abgelöst, wobei ein jeder auch die Spuren seiner kulturellen Prägung hinterlassen hat.

    Im Jahre 17. n. Chr. wurde Sardes von einem Erdbeben völlig zerstört, aber wegen ihrer politischen und wirtschaftlichen Bedeutung ließ sie Tiberius (Tiberius Claudius Nero, nach seiner Adoption: Tiberius Iulius Caesar) (16.11.42 v. Chr. -16.3.37 n. Chr.), römischer Kaiser von 14-37 n. Chr., wieder aufbauen. Als Vergünstigung erließ er der Stadt für fünf Jahre die Steuern und schenkte ihr zum Wiederaufbau dazu eine große Summe Geld, so daß Sardes sehr bald seine alte Bedeutung zurückgewann. Im Jahre 30 n. Chr. wurde Sardes erneut von einem Erdbeben heimgesucht, jedoch nicht sonderlich zerstört. Allerdings scheint es sich nach diesen Erdbeben nicht mehr ganz erholt zu haben (Anmerkung in der Lutherbibel erklärt). Erst im Jahre 1402 n. Chr. wurde die Stadt dann durch die wilden Mongolenhorden des Timur Lenk (= Timur der Lahme) (8.4.1336-18.2.1405 n. Chr.) niedergebrannt und verwüstet.

    Auch zur Zeit des Apostels Johannes war Sardes ein berühmtes Handelszentrum und ein bedeutender Mittelpunkt der Wollindustrie in Kleinasien. Die Bewohner der Stadt waren dann auch im allgemeinen berüchtigt wegen ihres zügellosen Lebenswandels, ihrer Vergnügungssucht und ihrer Vorliebe für Luxus, die sie ein Opfer der Dekadenz (lat., Entartung, Verfall - auch frz.) werden ließ.

    In Sardes wurde eine der frühesten Synagogen ausgegraben (2. Jahrhundert n. Chr.), die bislang außerhalb Israels entdeckt worden sind. Von den größtenteils zerstörten Bauten der Stadt ist der hellenistische Artemistempel, ein ionisches Pseudo-dipteros, hervorzuheben. Dipteros (griech.) ist eine Form des Tempels mit doppeltem Säulenring. Wird dabei der innere Ring fortgelassen, spricht man vom Pseudo-dipteros. Dipteros kommt von dem Wort Diptere und bedeutet Zweiflügler. Man kennt auch das Wort Diptychon (griech., = Doppelfalte), womit ein Zweiflügelaltar bezeichnet wird.

    In Sardes befand sich auch das Zentrum der Kybele-Anbetung. Im Jerusalemer Bibellexikon heißt es: Mysterien-Religionen und heidnische Kulte wie die der Kybele blühten in Sardes. Der Kybele-Kult geht zurück auf den babylonischen Kult der göttlichen Verehrung des zuchtlosen Weibes Semiramis (= die Erhabene) und ihres Mannes Ninus (= Nimrod). Die Bibel berichtet uns: Dies ist das Geschlecht der Söhne Noahs: Sem, Ham und Japheth. Und es wurden ihnen Söhne geboren nach der Sintflut. ... Die Söhne Hams sind diese: Kusch, Mizraim, Put und Kanaan. Und die Söhne des Kusch sind diese: Seba, Hewila, Sabta, Ragma und Sabtecha. Aber die Söhne Ragmas sind diese: Saba und Dedan. Kusch aber zeugte den Nimrod. Der war der erste, der Macht gewann auf Erden, und war ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn. Daher spricht man: Das ist ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn wie Nimrod. Und der Anfang seines Reichs war Babel, Erech, Akkad und Kalne im Lande Sinear. Von diesem Lande ist er nach Assur gekommen und baute Ninive und Rehoboth-Ir und Kelach, dazu Resen zwischen Ninive und Kelach. Das ist die große Stadt. (1. Mose 10, 1 + 6-12).

    Nimrod, der Name bedeutet "Sich empören", war somit der erste Gewaltherrscher auf Erden, der Erbauer Babylons und Gründer des babylonischen Reiches (siehe auch 1. Chron. 1, 10). Der Prophet Micha schreibt: Wenn Assur in unser Land fällt und in unsere festen Häuser einbricht, so werden wir sieben Hirten und acht Fürsten dagegen aufstellen, die das Land Assur verderben mit dem Schwert und das Land Nimrods mit bloßen Waffen. So wird er uns von Assur erretten, wenn es in unser Land fallen und in unsere Grenzen einbrechen wird. (Micha 5, 4-5). Das ist vorhergesagt von dem Herrscher aus Davids Geschlecht und wird sich erfüllen, wenn Jesus sein Friedensreich aufrichten wird. Die hier erwähnten Länder sind das heutige Syrien und der Irak. Jedoch wird es dem Volk des kommenden Messias nicht an Führern fehlen, die mit ihm die Feinde vernichten werden.

    Zur Zeit, da Nimrod und Semiramis herrschten, gründeten sie eine Mysterien-Religion, im Gegensatz zu dem von den Vätern überlieferten Glauben. Semiramis war eine berückend schöne, jedoch unmoralische Frau, eine Hure, die ihren Mann zu diesem Götzendienst verführte. Der Herr selbst wird jedoch bei seiner Wiederkunft diese teuflische Religion endgültig beseitigen: Und ich will die Zauberei bei dir ausrotten, daß keine Zeichendeuter bei dir bleiben sollen. Ich will deine Götzenbilder und Steinmale aus deiner Mitte ausrotten, daß du nicht mehr anbeten sollst deiner Hände Werk, und will deine Ascherabilder ausreißen aus deiner Mitte und deine Städte vertilgen. (Micha 5, 11-13). Die Lutherbibel erklärt bemerkt: statt Städte ist wohl "Götzen" zu lesen. Den letzten Teil des Satzes übersetzt Hans Bruns mit: ... aus deiner Mitte ausreißen und alle Götzenbilder vernichten.

    Die Tradition berichtet, daß Nimrod eines gewaltsamen Todes starb. Nach seinem Tode lebte Semiramis noch 42 Jahre. Nach der chaldäischen Seelenwanderungslehre erschien Nimrod in der Person eines Sohnes wieder, der übernatürlich (!) geboren wurde, und zwar durch sein Weib Semiramis. Damit war die babylonische Dreieinigkeit geschaffen: Mutter, Vater und Sohn, drei in einer Person. Die große Hure Semiramis wurde nach ihrem Tode göttlich verehrt. Sie erhielt alle Macht ihres "menschgewordenen" Gottessohnes. Als die göttlich verehrte Semiramis als Himmelskönigin mit ihrem Kinde in den Armen angebetet wurde, betrachtete man sie als das Weib, das der Welt den verheißenen Samen gegeben hatte. Von Babylon aus breitete sich die Anbetung der Mutter und des Kindes über die ganze Erde aus.

    Nach derselben Ordnung babylonischer Gottesverehrung verlief auch der Kybele-Kult. Kybele war die kleinasiatische Fruchtbarkeitsgöttin der Erde. Sie wurde besonders in Wälder und auf Bergen mit Ausschweifungen und Orgien verehrt. Das Duden-Lexikon A-Z erklärt: Kybele, phrygische Muttergottheit, Vegetationsgöttin, die "Große Mutter" ("Magna Mater") oder Mutter der Götter; von den Griechen und Römern übernommen. Phrygien wird mehrmals in der Apostelgeschichte erwähnt, so z. B.: Sie zogen aber durch Phrygien und das Land Galatien, da ihnen vom heiligen Geist gewehrt ward, zu reden das Wort in der Landschaft Asien. (Apg. 16, 6).

    Das Lexikon der Antike (Heyne-Sachbuch) beschreibt diesen Kult so: Kybele (phrygisch), lat. Magna Mater, griech. Megale Meter, "Große Mutter", kleinasiatische Mutter- und Fruchtbarkeitsgöttin, als Geliebte des Attis auch Agditis genannt, mit der römischen Rhea gleichgesetzt. Von dem ältesten Kulturzentrum in Pessinus (Oberphrygien) breitete sich ihr orgiastischer Kult mit seinen sich selbst verstümmelnden Priestern (Galli), enthusiastischen Tänzen zu Flöte, Klapper und Handpauke (griech. Tympanon) im Hellenismus aus (204 v. Chr. offiziell in Rom eingeführt; Fest vom 4. bis 10. 4.), besonders in der späteren Kaiserzeit. Der Kybele-Kult wurde in Verbindung mit Attis auch zu einer Mysterien-Religion (Taurobolium). Kybele wurde mit Tympanon, Löwen und Korybanten dargestellt. In diesem Lexikon wird auch erklärt: Korybanten: in der griechischen Religion dämonische Wesen, Diener der kleinasiatischen Göttin Kybele. Diese Beschreibung ist wörtlich aus dem Lexikon übernommen worden, enthält daher viele Einzelheiten, wodurch dieser Text nicht leicht zu lesen ist.

    Außer in Sardes wurde auch im alten Rom der Deoius als Sohn Gottes und Rhea (= Kybele) als große Muttergöttin verehrt und angebetet. Auf diesem Wege ist auch der Marienkult nach heidnisch-babylonischem Brauch in den Gemeindezeitraum von Thyatira, der römisch-katholischen Kirche, eingedrungen, so daß nicht mehr Jesus Christus der Sohn Gottes, sondern Maria, seine Mutter, Vermittlerin des Heils wurde. Wie die sich selbst verstümmelnden Priester (Galli) des Kybele-Kults, müssen auch die Priester des Marienkults sich im Zölibat, der Ehelosigkeit, üben.

    Von dem gleichen Hurengeist der Göttinnen Semiramis, Astarte oder Aschera, der Himmelskönigin, und Kybele ist auch der Gemeindezeitraum von Sardes, trotz der Reformation, sehr stark geprägt worden. Wir sehen das besonders in der Feministischen Theologie von heute, die darum so gefährlich ist, weil sie alle göttlichen Heilsbegriffe auf den Kopf stellt. Es ist gotteslästerlich und ekelhaft, wenn lesbische Pfarrerinnen der Landeskirche das Heilige Abendmahl als "Menstruationsfeier" bezeichnen. Diese Feministinnen durchlaufen das historisch-kritische Theologie-Studium unserer Tage und werden dann als "Pfarrerin" auf das Volk losgelassen, in Umkehrung der Bibel: Nur das Volk tut's, das nichts vom Gesetz weiß: verflucht ist es! (Joh. 7, 49).

    Darum werden auch die großen Huren Isebel (= die abgefallene römisch-katholische Kirche) und Kybele (= die abgefallene protestantische Kirche) mit all ihren Kindern, das heißt, ihren verweltlichten Gliederungen, Gemeinschaften und Sekten dermaleinst in den feurigen Pfuhl geworfen, wie die Hölle am Ende der Offenbarung beschrieben wird. Inzwischen wurde schon berichtet, daß eine Synode beschlossen hat, daß Schwule und Lesben in "ethisch verantworteten" Lebensgemeinschaften gesegnet werden können - allerdings nur ausnahmsweise im Gottesdienst (idea-Spektrum Nr. 7/97). Es wird interessant zu beobachten sein, wie beide "Kirchen" einen gemeinsamen Nenner finden werden, um sich in der kommenden Welteinheitskirche der Endzeit zusammenzuschließen.

    Auf Grund der Erklärung im Universallexikon, Band I, Seite 550, verstehen wir unter Feminismus die Gesamtheit aller Bestrebungen, die auf eine Stärkung des weiblichen Einflusses auf Staat, Gesellschaft und Kultur gerichtet und auf dem sozialistischen Grundsatz der Gleichberechtigung der Geschlechter aufgebaut ist. Das Heim, die Familie und der Mann haben für die moderne Frau keine Bedeutung mehr. Sie muß entweder herrschen oder verführen und zerstören. Müde der dauernden Fehde gibt der Mann entweder nach, oder die Ehe endet vor dem Scheidungsrichter. Deshalb werden heute so wenige Ehen geschlossen, man lebt verantwortungslos einfach ohne Trauschein zusammen, wobei man den Koffer zum Verlassen des anderen jederzeit bereithält.

    Der Feminismus ist schlichtweg die Verneinung des in der Bibel geoffenbarten Gottes und seiner Schöpfung, des in der Heiligen Schrift bezeugten Zueinander von Mann und Frau. Der Feminismus zerstört deshalb das biblische Verständnis der Frau, verneint ihre besondere Geschöpflichkeit und treib sie dadurch in eine tiefgreifende Einsamkeit und quälende Sinnlosigkeit. Daher kämpft dieser nicht für, sondern gegen die Frau, gegen die wahre und echte, dem Vater zugeordnete Mütterlichkeit in unserer immer einsamer, unpersönlicher und kälter werdenden Gesellschaft. Durch den Feminismus wird es noch kälter werden auf dieser Erde.

    Es sind in der Gemeinde Jesu von heute nicht nur die Greuel geschlechtlicher Ausschweifung, durch welche die Prophetin Isebel die Gemeinde beschmutzt, sondern auch schlimme Verirrungen auf dem Gebiet der Nachfolge Jesu: Auf christlichem Boden wird heidnisches Unwesen geduldet. So sehen wir Isebel selbst in der Bewegung der sogenannten Evangelikalen. Dies ist eine Bewegung des Tolerierens innerhalb der Gemeinde Jesu Christi. Man kann sie die zweite Ökumene nennen. Die erste, die eigentliche Ökumene, hat sich selbst entlarvt, indem der Weltkirchenrat jüngst von der Christus-Präsenz in allen Religionen (Naturreligionen, Buddhismus, Islam, Judentum und Christentum) sprach.

    Da mußte es endlich jedem, der die Heilige Schrift einigermaßen kennt, klar werden, daß die Ökumene auf eine Einheits- bzw. Weltreligion hinarbeitet, die in der Welteinheitskirche der Endzeit ihr lang erstrebtes Ziel erreichen wird. Abgesehen davon, finanziert der Ökumenische Rat der Kirchen die Henker der Gemeinde Jesu, indem sogenannte "Befreiungsbewegungen" in aller Welt unterstützt werden. Erwiesenermaßen handelt es sich dabei meistens um getarnte kommunistische Organisationen, die nur danach trachten, durch kriegerische Aufstände die Macht an sich zu reißen. Haben sie dieses Ziel einmal erreicht, dann beginnen sie sofort, die Gläubigen zu unterdrücken. Ein typisches Beispiel hierfür war die Sandinistische Nationale Befreiungsfront in Nicaragua, die sowohl von christlichen Kirchen wie von der früheren Sowjetunion finanziert wurde. So kaufen sie den Strick, an dem sie später dann selbst aufgehängt werden.

    Die Bezeichnung: Evangelikale hört man immer häufiger. Es ist dies ein Sammelbegriff, und es sammeln sich da auch tatsächlich allerhand Richtungen, ja sogar Irrlehren werden toleriert. Der verstorbene Pfarrer Kurt Heimbucher, Präses des Gnadauer Verbandes der Gemeinschaften innerhalb der Landeskirchen, sagte auf einer Informationstagung der Konferenz Evangelikaler Publizisten (kep) zum Thema "Evangelikale heute": Die Evangelikalen sind keine eigene Kirche und wollen auch keine eigene Kirche gründen. Sie sind eine reformatorische Bewegung in vielen Kirchen der Welt. Ihre Bandbreite reicht von der römisch-katholischen Kirche bis zu Pfingstgruppierungen.

    Vor rund fünfzig Vertretern von Presse, Rundfunk und Fernsehen erläuterte der führende Evangelikale das Selbstverständnis der Evangelikalen über Aufgaben und Ziele dieser Bewegung. Nach Heimbucher werden drei Hauptgruppen unterschieden: Die Bekenntnisevangelikalen, die die Autorität des kirchlichen Bekenntnisses betonen und sich in den kirchlichen Sammlungen um Bibel und Bekenntnis zusammengeschlossen haben. Sodann die Pfingstevangelikalen aus einigen charismatischen und gemäßigten pfingstlich orientierten Gruppen. Und schließlich die Allianzevangelikalen, zu denen sich zur Deutschen Evangelischen Allianz gehörende Christen aus Freikirchen und innerlandeskirchlichem Pietismus zählen. Die Bewegung der Evangelikalen gewinnt an Kraft, denn sie ist eine Bewegung des Tolerierens.

  3. Über die Entstehung der Gemeinde von Sardes gibt uns leider weder die Bibel, noch die Kirchengeschichte, eine Auskunft. Da aber der größte Teil der Gemeindegründungen in Kleinasien auf den Apostel Paulus zurückzuführen ist, so besteht die Möglichkeit oder gar Wahrscheinlichkeit, daß auch diese Gemeinde wenigstens indirekt von ihm gegründet wurde. Sardes wird nur hier am Anfang der Offenbarung in der Bibel erwähnt, ansonsten wird nur der Edelstein Sarder genannt, durch den Johannes die Herrlichkeit Gottes gesehen hat (Offb. 4, 2), außerdem wird noch ein anderer Edelstein, ein Sardonyx erwähnt (Offb. 21, 20). Ob hier ein Zusammenhang mit Sardes besteht, ist mir nicht bekannt. Abraham Meister erklärt jedoch in seinem "Biblischen Namen-Lexikon": Sarder - Es ist der von den Alten nach der Stadt "Sardes" benannte und am meisten verwandte Carneol, die gleichmäßig, schön rot gefärbte Chalcedonart. Weiter sagt er: Sardonix (Offb. 21, 20) ist eine Varietät des Chalcedons. Somit haben beide Edelsteine eine gewisse Ähnlichkeit.

  4. Pastor A. Fünning schreibt in seinem Buch: "Das feste, prophetische Wort", auf Seite 97: Das fünfte Sendschreiben an Sardes (Edelstein) zeigt uns die Reformation, die den Edelstein des Wortes Gottes wiederfand, aber dennoch den Namen hat, daß sie lebe, aber tot ist (Offb. 3, 1).

    Der Engel oder Stern der Gemeinde von Sardes kann kein anderer sein, als der Reformator Dr. Martin Luther (10.11.1483-18.2.1546 n. Chr.).

    Gott hat sich für den Zeitraum der Gemeinde von Sardes in Dr. Martin Luther einen Mann ersehen, der der Sehnsucht seiner Zeitgenossen eine laute Stimme und einen kräftigen Willen gab, und der der neuen Zeit den Stempel seines Geistes aufdrückte.

    Als Sohn des Bergmannes Hans Luther und seiner Ehefrau Margarete, geb. Lindemann, wurde Martin am 10. November 1483 in Eisleben im Harz geboren. Dieser Ort liegt am östlichen Rande des höchsten norddeutschen Mittelgebirges, dem niedrigeren Unterharz. Vom Bergbau, der früher in dieser Gegend eine große Rolle spielte, ist heute bestenfalls noch die Kupfergewinnung im Gebiet von Mansfeld bedeutend. Er wurde am Tage nach seiner Geburt, dem Martinstage am 11. November, nach römisch-katholischer Sitte getauft, und man gab ihm den Namen Martin. Dies erfolgte nach dem Heiligen des Tages: Martin von Tours, der an diesem Tage im Jahre 397 n. Chr. zu Grabe getragen worden war.

    Ihm und seinen sieben Geschwistern wurde eine gute Erziehung im Elternhause zuteil. Martin war ein schwacher, aber wohlbegabter Knabe, den sein Vater oft auf den Armen zur Schule getragen hat. Zuerst besuchte er die Schule in Mansfeld, in seinem vierzehnten Lebensjahre kam der Knabe auf die Schule nach Magdeburg, später zu Verwandten nach Eisenach, aus Gründen der Kostenersparnis. Mit achtzehn Jahren bezog er, wohl ausgerüstet mit Kenntnissen, die Universität in Erfurt. Auf Wunsch seines Vaters wandte er sich dem Studium der Rechtswissenschaft zu. Er studierte dort fleißig, so daß er schon 1505 n. Chr., im Alter von zweiundzwanzig Jahren, Magister war und selbst lehren durfte. Als er diese Würde erlangt hatte, gab er sein Studium auf und trat noch 1505 n. Chr. in das Erfurter Kloster der Augustiner-Eremiten ein. Dort wurde er zwei Jahre später zum Priester geweiht. Was Luther veranlaßte, gegen den Willen seines Vaters Mönch zu werden, waren innerste Gewissensnöte. Ihn quälte die Frage, die viele Christen seiner Zeit tief bewegte: Wie werde ich so, daß ich Gott recht bin?

    Im Kloster mußte Luther die niedrigsten Dienste verrichten. Er hoffte, mit den harten Bußübungen, denen er sich in dem strengen Erfurter Kloster willig unterzog, das erstrebte Ziel zu erreichen. Dazu wollte er durch Fasten, Wachen und Geißeln das Fleisch töten und die Seele heiligen. Dabei verfiel die Kraft seines Leibes und doch fand seine Seele keine Ruhe, im Gegenteil, sein Gewissen wurde immer unruhiger. Nach langjährigem Ringen und Forschen in der Bibel wurde ihm aus dem Römer-Brief des Paulus die Antwort geschenkt: Der Mensch kann sich das Wohlgefallen Gottes nicht erringen und verdienen. Gott sieht ihn für recht an, wenn er sich Jesus Christus anvertraut, der durch seinen Kreuzestod alles aus dem Wege geräumt hat, was uns Menschen von Gott trennt.

    Nach einer schweren Krankheit berief ihn Friedrich III., der Weise (17.1.1463-5.5.1525), Kurfürst von Sachsen seit 1486 n. Chr., Gründer der Universität in Wittenberg im Jahre 1502 n. Chr., bereits im Jahre 1508 n. Chr. als Lehrer an die neue Hochschule nach Wittenberg. Nachdem Luther dort Philosophie gelehrt hatte, vertiefte er sich mehr und mehr in die Wahrheiten des Wortes Gottes. Seine Schriftauslegung und seine Predigten in der Schloßkirche zu Wittenberg machten großes Aufsehen und gewannen viele Herzen für seinen Heiland. Friedrich der Weise trat für die Reichsreform ein, lehnte die deutsche Krone ab und entschied bei der Kaiserwahl im Jahre 1519 n. Chr. zugunsten Karls V. gegen Franz I. von Frankreich. Er beschützte Luther 1521 n. Chr. aus politischen und Gewissensgründen.

    Auf einer Reise nach Rom im Jahre 1510 n. Chr. in Sachen seines Ordens lernte er die Verweltlichung des römischen Hofes und die Entartung der Geistlichkeit kennen. Voll Jammer im Herzen rief er: "Gibt es eine Hölle, so ist Rom darauf gebaut. Es ist die heiligste Stadt gewesen und nun die allerärgste geworden!" Wie recht hatte er, wo doch der "Heilige Stuhl", der Thron Satans, längst von Pergamon nach Rom gelangt war. Inzwischen hatte auch das Weib Isebel, das Papsttum, ihr blutrünstiges Werk begonnen und die wahren Gläubigen als Ketzer bereits scharenweise auf die Scheiterhaufen der Inquisition verbannt und verbrannt. Das geschah dazu noch unter dem äußerst scheinheiligen Vorwand: Weil die Kirche kein Blut vergießen darf, mußten die Verurteilten verbrannt werden.

    Nach seiner Rückkehr zur Universität wurde er Doktor der Heiligen Schrift und damit verpflichtet, die Schrift zu erforschen und ihren Glauben zu predigen und zu verteidigen. Luthers Kampf richtete sich zunächst gegen den Ablaßhandel, der durch Leo X., Papst von 1513-1521 n. Chr., ausgeschrieben wurde. Den Handel mit den Ablaßbriefen übernahm in Deutschland, gegen guten Gewinn, der junge Erzbischof Albrecht von Mainz und Magdeburg, Kurfürst von Mainz (1490-1545 n. Chr.), mit dreiundzwanzig Jahren Erzbischof von Magdeburg, 1514 n. Chr. auch von Mainz. Im Jahre 1518 n. Chr. wurde er wegen seiner Verdienste im Kampf gegen Luther zum Kardinal erhoben. Albrecht übertrug das schmutzige Geschäft an den gewissenlosen Dominikaner-Mönch Johann Tetzel (1465-1519 n. Chr.), der einen verbrecherischen und gewinnsüchtigen Handel damit trieb. Tetzel machte aus der Sündenvergebung durch Gott ein einträchtiges Krämergeschäft für den Papst zur Finanzierung des Petersdoms in Rom. Durch den Ablaßhandel waren die Reichen zu der Überzeugung gelangt, daß sie in der zukünftigen Welt ebenso fein heraus sein würden wie in dieser.

    Schon im dreizehnten Jahrhundert hatte ein nordspanischer Dichter, Guillermo Anelier von Figueras am Fuße der Pyrenäen, den Verfall der Kirche Jesu Christi in einem seiner Gedichte, einer sogenannten Sirvente, gegeißelt. Er erblickte damals schon mit Recht in Rom den Herd desselben; die Habgier, die Zuchtlosigkeit und die Unduldsamkeit des Papsttums wurde von ihm in kräftigen Ausdrücken gebrandmarkt. Hier sei deshalb eine Probe seiner Denkart angeführt:

    Rom, du frißest das Fleisch des Einfältigen,
    Du leitest die Blinden mit dir in die Grube,
    Du übertrittst die Gebote Gottes,
    Denn für Gold erlässest du Sünden,
    Zu groß ist, o Rom, die Last deiner Ungerechtigkeit!

    Hiergegen entbrannte Luther im heiligen Zorn und protestierte dagegen in Wort und Schrift, auch gegen andere Mißbräuche in der bestehenden Kirche. Als das nichts half, beschloß er am Vorabend zu Allerheiligen, am 31. Oktober 1517, seine 95 Thesen (= Feststellungen) an die Türe der Schloßkirche zu Wittenberg anzuschlagen. Er hatte erwartet, die Kirchgänger würden sich am folgenden Tage ihre Gedanken darüber machen. Allerheiligen wird in der römisch-katholischen Kirche zu Ehren aller verstorbenen Gerechten gefeiert, zuerst im Jahre 610 n. Chr. zu Ehren der Märtyrer.

    Seitdem hat die römische Kirche die schlimmsten Verfolger der Gerechten zu Heiligen erklärt und selbst noch viele Märtyrer durch die Inquisition und Hexenverbrennungen hinzugefügt. Die römisch-katholische Kirche lehrt auch heute noch, man könne an diesem Tage einen vollkommenen Ablaß der Sünden für die Verstorbenen erwirken, indem man den Kirchhof besucht und ein "Gegrüßet sei's du Maria" usw. spricht. Dadurch würden die armen Seelen sofort aus dem Fegefeuer in den Himmel gelangen. Das ist eine furchtbare Irrlehre, mit der Menschen um ihr Heil betrogen werden, das sie allein in Jesus Christus finden könnten. Der Apostel Paulus schrieb auch schon im Römer-Brief: Denn Christus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubt, der ist gerecht. (Röm. 10, 4).

    Auf einem Lesezeichen zu einer älteren römisch-katholischen Bibel ist noch folgendes zu lesen: Wer täglich wenigstens eine Viertelstunde in einer kirchlich gutgeheißenen Ausgabe des Neuen Testamentes zu lesen pflegt, kann jedesmal einen Ablaß von 300 Tagen gewinnen, der auch den Verstorbenen zugewendet werden kann. Wer einen Monat hindurch diese Übung fortsetzt, gewinnt unter den üblichen Bedingungen (Beichte, Kommunion und Gebet nach der Meinung des Hl. Vaters) einmal monatlich einen vollkommenen Ablaß. (Leo XIII., 13. Dez. 1898). Anmerkung: Leo XIII. war Papst von 1878-1903 n. Chr.. Er war der erste Papst, der keine direkte politische Macht mehr hatte, denn im Jahre 1809 n. Chr. wurde der Kirchenstaat zwar durch Napoleon I. aufgelöst, dann allerdings 1815 n. Chr. durch den Wiener Kongreß wiederhergestellt. Erst im Jahre 1871 n. Chr. ging er jedoch, nun endgültig, im Königreich Italien auf.

    Einen weiteren Kampf mußte Luther gegen den Papst und seine Vertreter führen. Nachdem Leo X., Papst von 1513-1521 n. Chr., zunächst den Streit zwischen dem Augustiner Luther und dem Dominikaner Tetzel als "Mönchsgezänk" abgetan hatte, forderte er nach dem großen Wirbel, der inzwischen entstanden war, Luther zur Verantwortung nach Rom. Doch Friedrich III., der Weise (17.1. 1463-5.5.1525), Kurfürst von Sachsen, setzte es durch, daß das Verhör in Augsburg vor Cajetan bzw. Jacobus Cajetanus (eigentlich Thomas de Vio von Gaeta), bedeutendster römisch-katholischer Theologe der Reformationszeit (1469-1543 n. Chr.), Dominikaner-General, Kardinal, stattfinden konnte. Als päpstlicher Legat (= Gesandter) versuchte er auf dem Reichstag zu Augsburg im Jahre 1518 n. Chr. vergeblich, Luther zum Widerruf zu bewegen.

    Im Jahre 1519 n. Chr. versuchte es der päpstliche Gesandte Karl von Miltitz dann noch einmal, Luther von seinem vermeintlichen Irrtum zu überzeugen, jedoch auch dieser Versuch blieb ohne Erfolg. Daraufhin erwirke Dr. Johann Eck, Theologie-Professor aus Ingolstadt (13.11.1486-10.2.1543), in Rom eine päpstliche Bulle (lat.: bulla = Kapsel, später Urkunde mit Siegel) gegen Luther, worin derselbe mit dem Kirchenbann belegt wurde. Dieser Erlaß des Papstes wird dort zumeist nach den lateinischen Anfangsworten zitiert: "Exsurge Domine". Demnach lautet auch der amtliche Titel der "Bulla contra errores Martini Lutheri", die eine Verurteilung der "Irrtümer Luthers" und sein Predigtverbot zum Inhalt hat. Luther nahm diese päpstliche Bulle und verbrannte sie, im Beisein seiner Freunde, auf einem Holzstoß in Wittenberg mit den Worten: "Weil du den Heiligen des Herrn betrübt hast, so betrübe und verzehre dich das ewige Feuer!". Mit diesem Schritt hatte sich Luther dann endgültig vom Papst und von der römisch-katholischen Kirche am 10. Dezember 1520 losgesagt. In diesem Jahre hatte er auch die Schrift verfaßt: Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche.

    Luther führte seinen Kampf ebenso vor Kaiser und Reich. Beunruhigt durch die reformatorische Bewegung, schrieb Karl V., der letzte vom Papst gekrönte deutsche Kaiser (24.2.1500-21.9.1558), Kaiser von 1519-1556 n. Chr., einen Reichstag in Worms aus, wozu auch Luther, versehen mit einem Geleitbrief, geladen war. Da er dann von Dr. Johann Eck im Beisein der geistlichen und weltlichen Würdenträger gefragt wurde, ob er widerrufen wolle, erbat er sich Bedenkzeit. Am nächsten Tage, dem 18. April 1521 wurde er wieder in die Versammlung geführt, um sich zu verantworten. Doch der Kaiser unterbrach ihn und forderte eine kurze und abgerundete Antwort, ob er widerrufen wolle oder nicht. Darauf antwortete Luther mit: "... Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir. Amen.".

    Daraufhin ließ der Kaiser Luther kundtun, daß er ihn, nach 21 Tagen Geleit, in die Reichsacht (mhd. = Verfolgung, kann als "vogelfrei" getötet werden) zu tun gedenke. Durch das Wormser Edikt wurde nicht nur über Luther, sondern auch über dessen Anhänger die Reichsacht verhängt. Heute ist uns aber der Ausdruck "geächtet" geläufiger, deshalb könnte man sagen, sie waren von da an geächtet im ganzen Reich = Reichsacht. Außerdem wurde die Verbrennung der reformatorischen Schriften und die geistliche Zensur angeordnet. Es schien aber schwer, diese Anordnung durchzuführen, denn zu uneinheitlich war die politische und geistliche Landschaft. Auf diesem Reichstag zu Worms im Jahre 1521 n. Chr. hatte Luther übrigens auch schon die Bezeichnung "evangelisch" für die Anhänger der reformatorischen Lehre vorgeschlagen.

    Auf der Heimreise führte sein Weg durch den Thüringer Wald. Plötzlich sprengten dort bewaffnete Reiter hervor und entführten ihn auf Befehl des Kurfürsten Friedrich III., des Weisen, und brachten ihn vorerst am 4. Mai auf die Wartburg bei Eisenach, um ihn vor der kaiserlichen Acht zu schützen. Auf der Wartburg schrieb er dann die christliche Hauspostille "Wartburgpostille" und begann zunächst die Übersetzung des Neuen Testamentes. Danach übersetzte Luther mit großem Fleiß die ganze Heilige Schrift, so daß die deutsche Bibel im Jahre 1534 n. Chr. vollständig gedruckt erschien; das war wohl die Krönung seines Lebens.

    Im Jahre 1523 n. Chr. hatte er zudem eine Schrift verfaßt: "Daß Jungfrauen in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes das Kloster verlassen können". Am 13. Juni 1525 verheiratete sich Martin Luther mit der sechzehn Jahre jüngeren Katharina von Bora (1499-1552 n. Chr.). Mit seiner Heirat hat Luther so nach außen hin Zeugnis gegeben für den Gottesglauben, der sich durch Jesus Christus für ihn eröffnet hatte. Sie war eine Tat des Gehorsams: gegen Gott und seinen Vater.

    Trotz seines großen Kampfes und seiner übermenschlichen Leistung ist es ihm versagt geblieben, die weitere Entwicklung der Reformation zu erleben. Wo es nicht um die Wahrheit des Christusglaubens ging, sah er sich nicht zum Kampf, sondern zur "Kriegsverhütung" gerufen. Auch die letzte Tat in seinem Leben war die Schlichtung eines Streites. Gesundheitlich angeschlagen, obwohl alt und schwach, reiste er im Herbst und Winter 1545/46 n. Chr. dreimal zu den Grafen von Mansfeld, um so zur Schlichtung jahrelanger Erbstreitigkeiten unter den Grafen beizutragen. Mit Predigen, Ermahnen und Bitten wollte er ein friedliches Einvernehmen unter den Grafen herstellen.

    Am 23. Januar 1546 ist er zum letzten Mal nach Eisleben gereist. Vier Tage vor seinem Tode konnte er seiner Frau schreiben, daß der erfolgreiche Abschluß der Verhandlungen unmittelbar bevorstand. Die Vermittlungsversuche unter den Mansfelder Grafen Albrecht und Gebhard machten ihm aber sehr zu schaffen. Am 16. Februar konnte er einen Vergleich unter den Grafen abschließen. Am 17. Februar drängten die Verhandlungsteilnehmer den geschwächten Luther, doch in seiner Unterkunft zu bleiben und sich zu schonen. Danach mußte er sich sofort hinlegen, denn seine Leiden steigerten sich. Schwere Anfälle als Vorboten des Todes kamen über ihn, aber er blieb bei hellem Bewußtsein.

    Am Abend hatte Luther über Druck auf der Brust geklagt, sich mit warmen Tüchern reiben lassen, mehrmals kurz geschlafen. Um ein Uhr rief er seinen Diener. Sein Zustand verschlimmerte sich. Man holte die beiden Eislebener Ärzte herbei. Die anwesenden Fürsten eilten in Luthers Unterkunft. Seine Freunde umstanden sein Sterbelager, und drei von ihnen haben sein Ende beschrieben. Sie hörten ihn beten und die Worte sprechen: "Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist. Treuer Gott, du hast mich erlöst." (Psalm 31, 6). Dann tröstete er sich mit dem Wort der Heiligen Schrift: "Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." (Joh. 3, 16).

    Zuletzt fragte man ihn noch: "Ehrwürdiger Vater, wollt ihr auf Christum und die Lehre, wie ihr gepredigt, beständig bleiben?" Darauf antwortete der Sterbende: "Ja". Dann fiel er in einen sanften Schlaf und ohne Angst und Qual tat er den letzten Atemzug, am 18. Februar 1546. Um vier Uhr früh erging dann die Nachricht an den Kurfürsten, daß Martin Luther "zwischen zwei und drei Uhr in der Nacht in Christo entschlafen" ist. Er wurde unter der Kanzel in der Schloßkirche zu Wittenberg bestattet. In dieser Schloßkirche predigte Johannes Bugenhagen, der Wittenberger Stadtpfarrer. Sein Freund Philipp Melanchthon (eigentlich Schwartzerd[t]), Professor zu Wittenberg (16.2.1497-19.4.1560), ehrender Beiname: Praeceptor Germaniae, hielt eine lateinische Ansprache. Er reihte Luther ein unter die Propheten, Apostel und herausragenden Männer in der Geschichte der christlichen Kirche.

    Es ist nicht schwer zu erkennen, daß mit Sardes, der fünften Gemeinde, etwas Neues beginnt. Nach hebräischer Deutung kann der Name Sardes mit "ein Übriggebliebener" oder gar "ein Überrest" übersetzt werden, d. h. in der Gemeinde zu Sardes sind etliche die ihre Kleider nicht besudelt haben. Das gilt wiederum für die dortige Versammlung damals, wie auch für den Zeitraum der Gemeinde von Sardes. In dieser Zeit haben wir die Geschichte der Reformation und des daraus entstandenen Protestantismus vor uns, wir er im 16. Jahrhundert mit einem kleinen Überrest begann und der heute auch noch vorhanden ist.

    Diese wahren Gläubigen verdienen allein die Bezeichnung "evangelisch", nicht jedoch die vielen Mitläufer dieser Kirche, die sich nur noch dem Namen nach Christen nennen. Wenn wir die Brockhaus-Enzyklopädie zu Rate ziehen, finden wir folgende Erklärung: Evangelisch, - d.h., aus dem Evangelium (bzw. den Evangelien) stammend, und dem Evangelium in Glaube und Lebensführung entsprechend. Das bedeutet zweifelsfrei, nur wer wiedergeboren ist durch den Geist Gottes, der kann wirklich sein Leben nach dem Evangelium zu führen.

  5. Wir wollen nun zu dem kommen, was der Herr der Gemeinde zu Sardes zu sagen hat. Das Sendschreiben ist wie alle an den Engel oder Boten der Gemeinde gerichtet. Der erhöhte Herr macht auch hier den Leiter der Gemeinde zu Sardes verantwortlich für die innere Entwicklung der Gemeinde. Ein Versammlung von Gotteskindern ist keine Privat-Domäne, die er nach eigenem Gutdünken verwalten kann. Sie ist auch keine kirchliche Institution, in der der Botschafter an Christi Statt als fromm-religiöser Bühnenkünstler das kirchlich-fromme Publikum mit Witzen und Späßen bei guter Laune hält, mit dem negativen Ergebnis: Wir haben euch gepfiffen, und ihr wolltet nicht tanzen (Matth. 11, 17, Luthertext von 1914).

  6. Was eine Gemeinde braucht, sind keine Show-Master, die für lustige Unterhaltung sorgen, sondern vollmächtige Prediger des Wortes Gottes. Sie müssen den Menschen das sagen, was sie brauchen, nicht unbedingt das, was sie wollen. Es geht um die Erlösung des Menschen, nicht um angenehme, christliche Selbstverwirklichung. Die Hauptsache des Christseins ist das Heil in Christus. Der Herr hat für seine Gemeinde die Botschafter als Hirten und Wächter berufen, die die Gemeinde Gottes weiden sollen, nicht sich selbst. Daher die mahnende Anweisung des Apostels Paulus an seinen Mitarbeiter Timotheus: Predige das Wort, stehe dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre. Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht leiden werden; sondern nach ihren eigenen Lüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, wonach ihnen die Ohren jücken, und werden die Ohren von der Wahrheit wenden und sich zu den Fabeln kehren. Du aber sei nüchtern allenthalben, leide willig, tu das Werk eines Predigers des Evangeliums, richte dein Amt redlich aus. (2. Tim. 4, 2-5).

    Das heißt, der Leiter einer Gemeinde soll überhaupt keinen Ersatz für die Verkündigung des Wortes Gottes suchen, seien es Podiumsdiskussionen, Tanzveranstaltungen, Pop-, Rock- und Jazzmusik, Kabarett, Pantomime, Puppentheater und anderer Mumpitz. Alle diese Vergnügungen können keinen auferbaulichen Gottesdienst und keine unterweisende Bibelstunde ersetzen. Die Versammlungen werden dadurch anstatt zu einer Behausung Gottes im Geiste dann einfach zu religösen Unterhaltungsstätten herabgesetzt, wie es heute vielfach geschieht. Erfüllt der Bote der Gemeinde allerdings die ihm von Gott aufgetragene Pflicht zur wahrheitsgemäßen Verkündigung der ganzen biblischen Botschaft nicht, so wird der Herr der Gemeinde ihn am Tage des Gerichtes wegen seiner groben Pflichtverletzung nach Hesekiel 3, 16-21 und 33, 1-9 zur Verantwortung ziehen.

    Der Herr gibt auch hier einen Schreibbefehl, damit die wichtige Botschaft niedergeschrieben wird und nicht in Vergessenheit gerät. Sie soll nicht nur der Gemeinde von Sardes eine orientierende und korrigierende Hilfe für ihr geistliches Leben sein, sondern als Wort Gottes bleibt diese Schrift für alle Zeiten gültig.

    Der erhöhte Herr beginnt als Absender des Briefes mit den Worten: Das sagt, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich weiß deine Werke. Im Besitz der sieben Geister Gottes, als Symbol seiner Autorität, stellt sich der erhöhte Herr der Gemeinde zu Sardes vor. Die sieben Geister versinnbildlichen die sieben Grundformen der Menschwerdung Jesu Christi: ... sondern (1) entäußerte sich selbst und (2) nahm Knechtsgestalt an, (3) ward gleich wie ein andrer Mensch und (4) an Gebärden als ein Mensch erfunden. (5) Er erniedrigte sich selbst und (6) ward gehorsam bis zum Tode, ja (7) zum Tode am Kreuz. (Phil. 2, 7 + 8).

    Im Kolosser-Brief wird seine schöpferische Allmacht ebenfalls nach der siebenfachen Ordnung geschildert: Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das (1) Sichtbare und (2) Unsichtbare, es seien (3) Throne oder (4) Herrschaften oder (5) Reiche oder (6) Gewalten; es ist (7) alles durch ihn und zu ihm geschaffen. (Kol. 1, 16).

    Diese sieben Geister mit ihren schöpferischen Eigenschaften weisen ferner auf die prophetische Zeitordnung der sieben Schöpfungs- und Gottestage hin, so daß jeder Schöpfungs- und Gottestag die schöpferische Eigenschaft des jeweiligen Geistes nach den Worten des Propheten Jesaja trägt: Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der (1) Geist des Herrn, der Geist der (2) Weisheit und des (3) Verstandes,der Geist des (4) Rates und der (5) Stärke,der Geist der (6) Erkenntnis und der (7) Furcht des Herrn. (Jes. 11, 1 + 2). Weiter schreibt er von dem kommenden Gesalbten Gottes (Gesalbter = griech. Christos, in Großbuchstaben: CRISTOS, sonst: cristoV= lat. Christus = hebr. Messias/Maschiach): Der Geist Gottes des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, (1) den Elenden gute Botschaft zu bringen, (2) die zerbrochenen Herzen zu verbinden, (3) zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, (4) den Gebundenen, daß sie frei und ledig sein sollen; (5) zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn und (6) einen Tag der Vergeltung unseres Gottes, (7) zu trösten alle Trauernden. (Jes. 61, 1-2).

    In sechs Tagen hat Gott durch seinen Sohn Jesus Christus alles Sichtbare und Unsichtbare geschaffen, und am siebenten Tage ruhte er von allen seinen Werken. Nach derselben Ordnung verläuft auch die Welt- und Heilsgeschichte, nur in größeren Zeiträumen, als Gottestage von tausend Jahren, wie wir auch schon am Anfang von Kapitel 2 gesehen haben.

    Der Herr stellt sich der Gemeinde zu Sardes in ähnlicher Weise vor, wie bei der ersten Gemeinde zu Ephesus: Das sagt, der da hält die sieben Sterne in seiner Rechten. (Offb. 2, 1). Hier sagt der Herr nicht, daß er sie noch in seiner Rechten hält. Im Psalm heißt es: Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm. (Psalm 98,1). Nach Offb. 1, 20 sind die sieben Sterne die sieben Engel oder Boten der sieben Gemeinden in der Landschaft Asien. Diesen Vorstehern der dortigen Versammlungen gilt, wie den Leitern der Gemeinden von heute, und allen anderen Lehrern der Kinder Gottes, wenn sie bewährt sind, die Verheißung des Herrn an den Propheten Daniel: Und die da lehren, werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich. (Dan. 12, 3).

    Wer die sieben Sterne hat, der hat die Autorität über sie. In Ephesus hat er sie in seiner Rechten gehalten, hier übt er diese Macht aus, um Heil für seine Gemeinde oder Kirche zu erwirken. Die sieben Sterne sind nach Offb. 1, 20 sieben Engel oder Boten, die als Model das Urbild der Gemeinde Jesu Christi während der ganzen Heils- und Gnadenzeit repräsentieren, also das gesamte Zeitalter der Gemeinde Jesu Christi von Pfingsten bis zur Entrückung. Auch das haben wir schon am Ende von Kapitel 1 betrachtet.

    Ich weiß deine Werke: Du hast den Namen, daß du lebest, und bist tot. Der, der die sieben Geister hat, sagt: Ich weiß deine Werke. Bei der Betrachtung von Offb. 1, 4 haben wir gesehen, daß Jesus Christus, der Sohn Gottes, von dem Gott sagt: mein Knecht, "der Sproß", das Reis oder Ros' (aus dem Weihnachtslied: Es ist ein Ros' entsprungen) aus dem Stamm Isais, der Zweig aus seiner Wurzel, der hat die sieben Augen, die alle Lande durchziehen: Von den sieben Geistern, die da sind vor seinem Thron (Offb. 1, 4), heißt es etwas später: Und von dem Thron gingen aus Blitze, Stimmen und Donner; und sieben Fackeln mit Feuer brannten vor dem Thron, welches sind die sieben Geister Gottes. (Offb. 4, 5).

    Dazu wird im Zusammenhang mit Jesu Wiederkunft gesagt: Höre nun, Josua, du Hoherpriester: Du und deine Brüder, die vor dir sitzen, sind miteinander ein Zeichen; denn siehe, ich will meinen Knecht, "den Sproß", kommen lassen. Siehe, auf dem einen Stein, den ich vor Josua hingelegt habe, sind sieben Augen. Siehe, ich will auf ihm eine Inschrift eingraben, spricht der Herr Zebaoth, und will die Sünde des Landes wegnehmen an einem einzigen Tag. (Sach. 3, 8-9) Jene sieben sind des Herrn Augen, die alle Lande durchziehen. (Sach. 4, 10).

    Im Hebräer-Brief wird uns überdies verdeutlicht: Und keine Kreatur ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor Gottes Augen, dem wir Rechenschaft geben müssen. (Hebr. 4, 13). Hinzufügend: Von dem reden wir. (Luthertext von 1914). Weiter heißt es noch dort: Gehorchet euren Lehrern und folget ihnen; denn sie wachen über eure Seelen, als die da Rechenschaft dafür geben sollen; damit sie das mit Freuden tun und nicht mit Seufzen, denn das ist euch nicht gut. (Hebr. 13, 17). Im Römer-Brief schreibt der Apostel Paulus: So wird nun ein jeglicher für sich selbst Gott Rechenschaft geben. (Röm. 14, 12).

    Im Psalm wird uns gesagt: Der die Völker in Zucht hält, sollte der nicht Rechenschaft fordern - er, der die Menschen Erkenntnis lehrt? (Psalm 94, 10). Und in den Sprüchen wiederum heißt es: Alle Worte Gottes sind durchläutert; er ist ein Schild denen, die auf ihn trauen. Tu nichts zu seinen Worten hinzu, daß er dich nicht zur Rechenschaft ziehe und du als Lügner dastehst. (Sprüche 30, 5 + 6).

    So hat nun der allwissende Herr alles durchforscht und fordert Rechenschaft von dem Engel oder Boten der Gemeinde zu Sardes: Du hast den Namen du lebest, und bist tot. Mit anderen Worten: Dein Zeugnis ist lügenhaft, du gibst vor zu leben und bist in Wirklichkeit tot. Nur dem Namen nach lebst du, du bist lebendig tot! Für die Urgemeinde von Sardes war das sicherlich eine erschütternde und vorwurfsvolle Diagnose von seiten ihres Herrn, die jedoch zum Heil (Offb. 3, 1), zur Heilung (Offb. 3, 2) und zur Heiligung (Offb. 3, 3) dienen soll. Schlimmer konnte das Urteil über die Gemeinde nicht ausfallen.

    Sardes war einmal eine blühende und lebendige Gemeinde, in der sich das geistliche Leben segensreich entfaltete. Dann aber kam die Zeit der Bewährung, in der sie sich gegen die weltlichen Einflüsse und satanischen Verführungskünste zu verteidigen hatte, dazu aber versagte ihre Kraft und ihre Vitalität war entschwunden. Das Leben aus Gott begann immer mehr zu stagnieren, bis dann schließlich und endlich, als Folge dieser negativen Entwicklung, der geistliche Tod eintrat.

    Diese tote und erstarrte Gemeinde zur Zeit des Apostels Johannes entwickelte sich, mit der Mehrzahl der anderen Versammlungen, durch die Jahrhunderte hindurch unter dem Einfluß einer klerikalen Papst- und Priesterherrschaft zu einer religiösen Institution mit volkskirchlichem Charakter. Um aber dieses religiöse Scheingebilde kirchlicher Organisation existentiell zu sichern, hat man es mit einer Vielzahl fromm-religiöser Anstriche versehen, als da sind: Dogmen, Tradition, Marien- und Heiligenverehrung und -anbetung, Säuglingsbesprengung anstatt Glaubenstaufe, Sakramente mit magischen Vorgaben und vieles andere mehr.

    Das alles führte zur religiösen Versklavung in der Werksgerechtigkeit, von der man niemals wußte, ob man genug geleistet hat. Wie wir ja schon bei der Betrachtung der Gemeinde von Thyatira gesehen haben, war das die Situation der offiziellen Kirche bis zum Ende des Mittelalters. Damit war von dem Urbild der Gemeinde von Sardes leider nichts mehr übriggeblieben, als nur ein klägliches Zerr- und Spottbild. Veranlaßt durch diese verworrene und entartete Entwicklung der christlichen Kirche, war die Reformation die unausbleibliche Folge davon.

    Mit dem Anschlag der 95 Thesen durch Dr. Martin Luther an die Türe der Schloßkirche zu Wittenberg am 31. Oktober 1517 und mit dem Verbrennen der gegen ihn gerichteten päpstlichen Bannbulle am 10. Dezember 1520 in Wittenberg hat die Reformation ihren Anfang genommen. Damit hat auch gleichzeitig der fünfte Zeitabschnitt der christlichen Kirche begonnen, der Zeitraum der Gemeinde von Sardes.

    Mit der Durchführung der Reformation sah sich Luther einer großen, fast übermenschlichen Aufgabe gegenübergestellt. Denn er hatte es ja dabei nicht mit irgendwem zu tun, sondern er mußte sich vielmehr mit einer verrotteten Papst- und Priesterschaft von damals auseinandersetzen. Außerdem hatten diese die weltlichen Herrscher unter ihrer Kontrolle, da sie diese teilweise sogar selbst eingesetzt hatten und von ihnen völlig abhängig waren. Manche Landesfürsten wurden durch das Papsttum und seinem Klerus indirekt beherrscht, da die durch die kirchlichen Autoritäten eingesetzten Herrscher wiederum andere ihnen genehme Fürsten einsetzten. Oft waren kirchliche Würdenträger gleichzeitig auch weltliche Oberhäupter, wie Luther z. B. im Falle des Erzbischofs Albrecht, eines jüngeren Bruders des Kurfürsten Joachim von Brandenburg, erfahren mußte. Dieser war Kurfürst von Mainz und wurde zunächst im Jahre 1513 n. Chr. Erzbischof von Magdeburg und ein Jahr später dann auch von Mainz.

    Vor allem versuchte Luther den ganzen Wust römisch-katholischer Irrlehren und Götzenkulte abzuschaffen, und zwar die Ohrenbeichte, die lateinische Messe, den Marien- und Heiligenkult, sowie auch alle anderen religiösen Mißbräuche. An deren Stelle führte er dann die deutsche Predigt, den deutschen Kirchengesang, sowie vieles andere mehr ein.

    Das Licht des Evangeliums, das bis dahin verdunkelt und verzerrt war, hat Luther wieder auf den Leuchter gestellt, so daß das Hauptthema seiner Botschaft fortan lautete: Rechtfertigung des Sünders nicht durch Werke, sondern allein durch den Glauben, oder: Der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben. (Habakuk 2, 4), ebenso: Der Gerechte wird aus Glauben leben. (Röm. 1, 17).

    Martin Luther, der große Zeuge von der Rechtfertigung durch den Glauben, hat eine Zeitlang unbeirrbar an seinen reformatorischen Grundsätzen festgehalten, und zwar:
    "sola scriptura" = "allein die Schrift",
    "sola fide" = "allein durch Glauben",
    "sola gratia" = "allein aus Gnaden".

    Vor allem aber lag es nicht in seiner Absicht, eine neue Volkskirche nach reformatorischem Muster zu gründen, sondern sein Anliegen war vielmehr die Gemeinde nach der Lehre des Neuen Testamentes zu verwirklichen. Diesen Gedanken suchte er anfänglich auch stark voranzutreiben, aber unter dem Druck der damaligen politischen und religiösen Verhältnisse mußte er ihn zurückstecken und sich für die Volkskirche entscheiden.

    Außerdem hat Luther auch am Anfang der Reformation eine positive Haltung der neutestamentlichen Glaubenstaufe gegenüber eingenommen und die Säuglingsbesprengung als unbiblisch abgelehnt. In seiner Kirchenpostille in der Predigt zum 3. Sonntag nach Epiphanias über Matthäus 8, 1 ff. heißt es unter anderem:
    Wo wir nun nicht können beweisen, daß die jungen Kinder selbst glauben und eigenen Glauben haben, da ist es mein treuer Rat und Urteil, daß man stracks davon absehe, je eher, je besser, und taufe nimmermehr kein Kind, daß wir nicht die hochgelobte Majestät Gottes mit solchen Alfanzen (= Schwindel) und Gaukelwerk, da nichts hinter ist, spotten und lästern.

    Leider hat Luther später seine Überzeugung über die Glaubenstaufe grundlegend geändert und den Standpunkt vertreten, daß auch Säuglinge Glauben halten. Damit verwarf er die zuvor von ihm als allein richtig anerkannte Glaubenstaufe.

    Dazu zitieren wir nun wörtlich aus dem Buch: "Die Wahrheit bei den Täufern" Seite 31, alte Ausgabe, oder "Die wahre Taufe", Seite 57-58, neue Ausgabe, von Friedrich Sondheimer, Dynamis-Verlag, CH-5400 Baden, Rathausgasse 8:

    1527 vollzogen Luther und Melanchthon (1497-1560) den verhängnisvollen Schritt zur Bildung staatskirchlicher Verbände. 1529 beschlossen Protestanten und Katholiken auf dem Reichstag zu Speyer gemeinsam, alle "Wiedertäufer" auszurotten. So wie Luther sich in seiner Auffassung über die Taufe verschieden geäußert hat, so auch über die Duldsamkeit Andersgläubigen gegenüber. Nachdem er aber Landeskirchen gegründet hatte, fiel er zurück in die Art katholischer Unduldsamkeit.
    In der von Melanchthon verfaßten Confessio Augustana (also dem Augsburger Bekenntnis, Anm.), dem Glaubensbekenntnis der Lutherischen Kirche, heißt es fünfmal in den Artikeln 5, 9, 12, 16 und 17 "die Wiedertäufer sind zu verdammen".
    Durch ein Gutachten Melanchthons vom Jahre 1531, in dem die "Wiedertäufer" als Gotteslästerer und Aufrührer bezeichnet werden und das Luther mit seinem "placet mihi Martino Luthero", das heißt: "Ich bin damit einverstanden, M. L." unterschrieb, kam es zu einer schweren Verfolgung der Täufer.
    Mit Luthers und Melanchthons Zustimmung wurden auch bald Hinrichtungen an den Täufern vollzogen. Ein weiteres Gutachten der Wittenberger Theologen vom Jahre 1536 befürwortete die Hinrichtung der Täufer. Da ist es nicht zu verwundern, wenn die Landesfürsten und die Schüler der Reformatoren dann in demselben Geist weiterhin handelten.

    Bald darauf setzten dann die Nachwehen der Reformation ein. Zunächst war es der große Bauernkrieg von Ende 1524 bis Mitte 1525 n. Chr. bei dem die "Münsterschen Schwärmer" eine entscheidende Rolle spielten. Unter der Führung der Zwickauer Propheten, von Thomas Müntzer (1489-27.5.1525 n. Chr.), der zuerst Prediger in Zwickau war, und des Tuchmachers Storch wurden von diesen immer mehr Schlösser und Klöster überfallen und geplündert, nachdem Müntzer die Fürsten nicht für seine Ideen gewinnen konnte. Luther sagte: "Müntzer und die Bauern haben das Evangelium so verwüstet und die Papisten in ihrer Geisteshaltung so bestärkt, daß man offensichtlich wieder von vorne anfangen muß.".

    Am 31. Oktober 1525 schrieb Luther in der Frage der Kirchenreform an Kurfürst Johann, den Beständigen (30.6.1468-16.8.1532), Kurfürst von Sachsen, der nach dem Tode seines Bruders Friedrich, am 5. Mai 1525 die Regierung über das gesamte Kurfürstentum übernommen hatte. Dieser blieb zwar mit Luther in dieser Sache in Verbindung, hatte aber außerdem das Problem der Kirchenreform auf reichspolitischer Ebene im Auge behalten. Im Sommer 1526 fand in Speyer ein erster Reichstag statt. Die Frage der "lutherischen Ketzerei" und der Kirchenreform sollte hier wieder behandelt werden.

    Der abwesende Kaiser Karl V., der letzte vom Papst gekrönte deutsche Kaiser (24.2.1500-21.9.1558), Kaiser von 1519-1556 n. Chr., der sich durch seinen Bruder Erzherzog Ferdinand (1503-1564 n. Chr.) in Deutschland vertreten ließ und der später nach dem Rücktritt Karls V. im Jahre 1556 n. Chr. dessen Nachfolger wurde, sperrte sich dagegen, daß neue Beschlüsse gefaßt wurden. Daher kam es danach auf dem Reichstag zu einer folgenschweren Entscheidung: man beschloß, daß die einzelnen politischen Machthaber in der Sache des Wormser Edikts aus dem Jahre 1521 n. Chr. (das über Luther und dessen Anhänger die Reichsacht verhängte) bis zu einer umfassenden Regelung durch ein zukünftiges Konzil in eigener Verantwortung vor Gott und dem Kaiser handeln sollten. Dem jeweiligen Landesfürsten wurde geboten, das Wormser Edikt so durchzuführen, "wie er das gegen Gott und kaiserliche Majestät hoffe und vertraue zu verantworten".

    Darin konnten die Mächte, die der evangelischen Kirchenreform zuneigten, die rechtliche Veraussetzung erkennen, um Reformmaßnahmen durchzuführen. In den Schriften Luthers ist eine deutliche Änderung ab dem Zeitpunkt zu erkennen, an dem er sich dem Kurfürsten von Sachsen unterstellte. Inzwischen war aber der altgläubig gesinnte Kaiser in Verhandlungen mit dem Papst politisch erfolgreich. Deshalb einigten sich die römisch-katholischen Parteien auf einem weiteren Reichstag zu Speyer im Jahre 1529 n. Chr., nur drei Jahre später, das Wormser Edikt von 1521 n. Chr. nun jedoch mit aller Härte durchzusetzen.

    Daraufhin erfolgte auf diesem Reichstag zu Speyer die Protestation (= der Einspruch) der evangelischen Stände. Sechs Fürsten und vierzehn oberdeutsche Städte vereinigten sich zu diesem feierlichen Protest gegen die zwangsweise Durchführung des Wormser Edikts und damit die Verfolgung der evangelischen Christen. Nachher wurde daraus der Begriff: Protestantismus geprägt, als umfassende Bezeichnung für sämtliche aus der Reformation hervorgegangen christlichen Religionsgemeinschaften, deren Anhänger daraufhin Protestanten genannt wurden. Die Protestanten waren allerdings unter sich uneins, deshalb hatte ihr Einspruch auch nicht genügend Durchschlagskraft.

    Im selben Jahre 1529 n. Chr. fand das Marburger Religionsgespräch statt zwischen Martin Luther und Ulrich Zwingli, das auf Veranlassung von Philipp I., dem Großmütigen, Landgraf von Hessen (1504-1567 n. Chr.), zustande kam. Dieser versuchte aus politischen Gründen die reformatorischen Bekenntnisse zu vereinigen, allerdings konnte der Zwiespalt auch bei diesem Gespräch nicht ganz überwunden werden. Insbesondere der entscheidende Punkt der Abendmahlslehre ("das ist Christi Leib und Blut - das bedeutet Christi Leib und Blut") trennte sodann weiterhin Lutheraner und Reformierte.

    Hier zeigte sich dann die Freiheit und die Schwäche der Evangelischen von Anfang an. Ihre Freiheit war die Freiheit der Gewissensentscheidung, die allein vor Gott zu treffen ist. Sie kann durch kein kirchliches Lehramt weder verordnet noch gesteuert werden. Ihre Schwäche war, daß sie nicht mit einer Stimme redeten, was bis heute leider im Wesentlichen so geblieben ist.

    Im Jahre 1531 n. Chr. wurde in Schmalkalden, einer kleinen Kreisstadt in Thüringen, von protestantischen Fürsten und Reichsstädten der Schmalkaldische Bund gegen Kaiser Karl V. und die römisch-katholischen Stände geschlossen. Durch den Nürnberger Religionsfrieden, einem am 23. Juli 1532 unterzeichneten Vertrag, wurde den protestantischen Reichsständen bis zum nächsten Konzil bzw. Reichstag freie Religionsausübung gewährt, wogegen diese dem Kaiser Unterstützung gegen die Türken zusagten.

    Durch den Augsburger Religionsfrieden wurde im Jahre 1555 n. Chr. die Glaubensspaltung in Deutschland besiegelt. Es wurde dort die Religionsfreiheit für die Reichsstände (fürstliche und städtische Obrigkeiten) beschlossen, nach dem Prinzip: "Cuius regio, eius religio" (= wes die Herrschaft, des der Glaube, oder: wer herrscht, der bestimmt die Konfession der Untertanen).

    So machte man den Protestantismus von der Obrigkeit abhängig. In Thyatira herrschte die Kirche über die Welt, hier in Sardes ist es umgekehrt, die Welt befiehlt der Kirche. Was mit der Reformation einen guten Anfang genommen hatte, indem die Heilige Schrift dem Volk wiedergegeben und den Menschen das vollkommene Opfer von Golgatha neu vor Augen gestellt wurde, erstarrte nun wieder in toten Institutionen. Genau wie in der römisch-katholischen Kirche suchte man erneut die Ordnung des kirchlichen Lebens durch straffe Kirchenstruktur und Organisation zu beherrschen. War die Reformation ohne Frage ein Werk Gottes, so ist der Protestantismus ebenso sicher ein Werk von Menschen. Der Geist des Herrn begann das Werk, der Wille des Menschen, das Fleisch, setzte es fort.

    Seinen Standpunkt zur Ökumene kann man gut aus der Predigt entnehmen, die Luther am einundzwanzigsten Sonntag nach Trinitatis, dem 29. Oktober 1531, nachmittags, über Eph. 6, 10 ff. gehalten hat:
    Einige unverständige Geister geben vor, man soll nicht über einen Artikel so hart streiten und dabei die christliche Liebe zertrennen noch einander dabei dem Teufel übergeben. Sondern, wenn man gleich in einem geringen Stück irrte, wo man sonst in anderm eins ist, solle man doch etwas weichen und gehen lassen und gleichwohl brüderliche und christliche Einigkeit oder Gemeinschaft halten. Nein, lieber Mann, nur nicht den Frieden und die Einigkeit, bei der man Gottes Wort verliert! Denn damit wäre schon das ewige Leben und alles verloren.
    Es gilt hier, nicht zu weichen noch etwas einzuräumen, Dir oder irgendeinem Menschen zu Liebe, sondern dem Wort sollen alle Dinge weichen, sie heißen Feind oder Freund. Denn es ist nicht um äußerlicher oder weltlicher Einigkeit und Friedens willen gegeben. Das Wort und die Lehre sollen christliche Einigkeit oder Gemeinschaft machen; wo die gleich und einig sind, da wird das andere bestimmt folgen; wo nicht, so bleibt doch keine Einigkeit.
    Das wollen wir gern tun, daß wir äußerlichen Frieden mit ihnen halten, wie wir es in der Welt mit jedermann, auch mit den ärgsten Feinden tun müssen, das gehe seinen Weg in diesem Leben und weltlichen Wesen, darüber haben wir nicht zu streiten. Aber um der Lehre und christlichen Gemeinschaft willen wollen wir nichts mit ihnen zu tun haben, noch sie für Brüder, sondern für Feinde halten, weil sie auf ihrem Irrtum wissentlich beharren, und wir wollen gegen sie unsern geistlichen Kampf kämpfen.

    Alsdann kam die Gegenreformation durch die Gründung des Jesuiten-Ordens. Der baskische Edelmann Ignatius von Loyola (eigentlich Don Iñigo López Oñaz y de Loyola), spanischer Ritter (1491-31.7.1556 n. Chr.), gründete 1534 n. Chr. die Societas Jesu (= Gesellschaft Jesu, abgekürzt: S. J.), die nun im Jahre 1540 n. Chr. durch Paul III. (1468-10.11.1549 n. Chr.), Papst seit dem 13.10.1534, bestätigt wurde. Ihre Losung war und ist: "Omnia ad maiorem Dei gloriam" = "Alles zur größeren Ehre Gottes". Die Auseinandersetzungen jedoch innerhalb wie außerhalb der römisch-katholischen Kirche wurden schließlich so scharf, daß es 1773 n. Chr. durch Klemens XIV. (Papst von 1769-1774 n. Chr.) zur Aufhebung des Ordens kam, der "auf ewig" verboten wurde. Allerdings durch Pius VII. (14.8.1742-20.8.1823), Papst seit dem 14.3.1800, wurde sodann im Jahre 1814 n. Chr. die Gesellschaft Jesu trotz allem wieder offiziell eingeführt, obwohl deren Tätigkeit eigentlich nie aufgehört hatte.

    Veranlaßt durch diese Entwicklung brach dann der Dreißigjährige Krieg aus, der von 1618-1648 n. Chr. dauerte, mit all seinen Schrecken und Begleiterscheinungen. Es war dies ein ausgesprochener Religionskrieg zwischen Protestanten und Katholiken, der durch den Westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück im Jahre 1648 n. Chr. beendet wurde.

    Aber trotz des Friedens lastete die durch den Krieg herbeigeführte Zersplitterung, Verarmung, Entvölkerung und Entsittlichung des Volkes noch lange schwer auf Deutschland, so daß auch das christlich-religiöse Leben unter diesem Einfluß zu einer toten Form und äußerlichen Tradition erstarrte. Am Anfang des 18. Jahrhunderts wurde die lutherische Rechtgläubigkeit durch den Pietismus abgelöst.

    Die Vertreter des deutschen Pietismus lehnten die Spitzfindigkeiten der traditionellen Theologie ab und lehrten statt dessen den einfachen Glauben nach der Heiligen Schrift. Außerdem betonten sie, statt der bloßen kirchlichen Rechtgläubigkeit, die Wiedergeburt des Herzens und Erneuerung des Lebens durch den Heiligen Geist. Die Väter des Pietismus waren: Philipp Jakob Spener (13.1. 1635-5.2.1705), August Hermann Francke (22.3.1663-8.6.1727) und Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (26.5.1700-9.5.1760) und andere.

    Mit dem Pietismus hat auch gleichzeitig die Aufklärung im 18. Jahrhundert ihren Anfang genommen, die mit schonungsloser Kritik die übernatürliche Offenbarung verwarf und den Glauben an die kirchliche Überlieferung zerstörte. Es gelang ihr auch, durch ihre verführerische und verderbenbringende Philosophie, alle Lebensbereiche des 18. und 19. Jahrhunderts zu beeinflussen und sogar zu erobern. Demzufolge konnte sich auch die Theologie dem Einfluß des neuen Zeitgeistes nicht ganz verschließen und erwehren. So kam es dann ebenso dazu, daß auch das rationalistische Denken in die Theologie Eingang gefunden hat.

    Nach der Aufklärung setzte die Zeit der Propaganda und der Hetze ein, wodurch das gesamte Kulturleben ein Opfer des Materialismus und der Verdiesseitigung wurde. Durch die Aufklärung und Hetzpropaganda wurde die Vorarbeit für die Französische Revolution geleistet, die dann auch plötzlich am 14. Juli 1789, mit dem Sturm auf die Bastille, wie ein feuerspeiender Vulkan ausbrach und mit grausamer Härte bis zum Jahre 1795 n. Chr. geführt wurde.

    Danach machte Gott der Menschheit in unserem zu Ende gehenden Zeitalter noch ein letztes Gnadenangebot, durch die großen Erweckungsbewegungen vom 18. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. In dieser Erweckungszeit kam es auch zur Bildung von verschiedenen Freikirchen und christlichen Gemeinschaften. Fast zur gleichen Zeit traten auch der Okkultismus und Spiritismus auf, deren satanische Auswirkung sich wie eine ätzende und zersetzende Giftwolke über die ganze Menschheit ausgebreitet hat.

    Einen ähnlichen, verderblichen Einfluß auf die wahre Kirche Jesu Christi hat die Ökumene inzwischen ausgeübt. Aus den weltweiten Erweckungsbewegungen entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts, angestoßen vor allem durch die Weltmissionskonferenz in Edinburgh (1910 n. Chr.), die Ökumenische Bewegung mit dem Ziel eines einheitlichen Zeugnisses der Christenheit gegenüber der Welt. Diese Frühphase fand allerdings ihren Abschluß spätestens im Jahre 1948 in Amsterdam, als dort am 23. August die Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen (abgekürzt: Ö.R.K.) beschlossen wurde, heute mit Sitz in Genf.

    Dieser versteht sich nach eigener Aussage als "eine Gemeinschaft der Kirchen, die unseren Herrn Jesus Christus als Gott und Heiland anerkennen". Mit der Bibeltreue des O.R.K. hat es angesichts der Mitarbeit auch liberaler Theologen schon immer gehapert, besonders aber, seit mit der Einladung von Prof. Ernst Käsemann, des Schülers von Rudolf Bultmann, zum Hauptreferenten bei der Tagung in Montreal im Jahre 1963 die historisch-kritische Methode vollen Eingang in die Arbeit des Ö.R.K. fand. Noch viel einschneidender war die auf der vierten Vollversammlung in Uppsala im Jahre 1968 erfolgte Ausweitung der Zielsetzung zur "kommenden Weltgemeinschaft", in welcher sich alle Rassen, Kulturen und Religionen quer über alle Barrieren zu einer "neuen Menschheit" verbinden sollten. Das ehemals erträumte "Ökumenische Konzil" sollte jetzt schrittweise durch einen "Konziliaren Prozeß" vorweggenommen werden, der der Verwirklichung von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung gelten solle. Damit bestehen eindeutig Gemeinsamkeiten mit dem Humanismus.

    Neben dem Eintritt der römisch-katholischen Bewegung markierte dieser Schritt unbestreitbar den bedeutsamsten Einschnitt in deren Geschichte bis heute. Obgleich der Ökumenische Rat der Kirchen (auch als Weltkirchenrat bekannt) seiner Verfassung nach keine institutionelle Vereinigung aller Kirchen zu einer einheitlichen Weltkirche anstrebt, wurde mit zunehmender Institutionalisierung aus der geistlichen Bewegung immer mehr ein kirchenpolitischer Machtfaktor. Gleichzeitig wurden, als Folge der in den großen Kirchen inzwischen weithin herrschenden liberalen Theologie, einseitige politische (Theologie der Revolution bzw. der Befreiung) und synkretistische (= religionsvermischende) Tendenzen (Dialogprogramm) für die Arbeit des Ökumenischen Rates bestimmend.

    Es besteht daher kein Zweifel daran, daß der Weltkirchenrat durch diese neueren Bestrebungen in zunehmendem Maße die Bildung einer Welteinheitskirche der Endzeit betreiben wird. Derzeit sind etwa 330 Mitgliedskirchen unter Wahrung ihrer Unabhänigkeit angeschlossen. Unter der Führung der römisch-katholischen Kirche, mit ihren vielen unbiblischen Lehren, wird jedoch die Vereinigung aller Religionen der Welt möglich werden, dem Höhepunkt der Babylon-Kirche. - Deren schreckliches Ende wird nachher in Kapitel 18 ausführlich beschrieben.

    Als letzter Angriff auf das Christentum ist die liberale, neu-rationalistische Theologie zu werten, die in der historisch-kritischen Forschung und Entmythologisierung des Wortes Gottes zum Ausdruck kommt. Dazu gehört auch die dialektische Theologie, deren Vater der Professor Karl Barth (10.5.1886-10.12. 1968) ist.

    Nachdem das Wort Gottes seinem Ursprung nach bereits siebenmal geläutert und bewährt ist (Psalm 12, 7), suchen die Vertreter der historisch-kritischen Theologie dasselbe noch zusätzlich auf seine historische Zuverlässigkeit intellektuell zu filtrieren. Der kümmerliche Rest, der davon übrigbleibt, wird dann den hungrigen und nach Gott schmachtenden Seelen als "geistliche" Nahrung vorgesetzt, woran sie erkranken und den geistlichen Tod sterben müssen.

    Wie angebracht ist deshalb auch heute die Klage des Propheten Jeremia, der da spricht: Ach daß ich Wasser genug hätte in meinem Haupte und meine Augen Tränenquellen wären, daß ich Tag und Nacht beweinen könnte die Erschlagenen meines Volks! (Jer. 8, 23).

    Das Urteil des erhöhten Herrn lautet demzufolge auch nicht anders: Du hast den Namen, daß du lebest, und bist tot. Diese Gemeinde von Sardes hat immer noch den Namen der Reformation: Evangelische Kirche, der hoffnungsvoll für die Gemeinde steht, in der das Evangelium verkündet wird. Der herrliche Anfang hat einen Fortgang genommen, der erschütternd ist. Die Welt beherrscht die Kirche von innen und außen, so daß von der Frohen Botschaft kaum noch etwas in ihr zu hören ist. Der Protestantismus ist einem langen Krebsleiden erlegen, das vom Beginn an als tödlich für die Reformation diagnostiziert wurde. Die Verbindung mit der staatlichen Gewalt war eine unheilige Allianz, die jetzt über die theologischen Bildungsstätten der Kirche den Todesstoß versetzt hat. Vom Erbe der Reformation ist nichts mehr übriggeblieben. Der Apostel Johannes warnte schon damals: Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. (1. Joh. 2, 15).

    Auch viele einzelne Glieder der reformatorischen Kirchen haben den Namen, daß sie leben. Sie wurden als Kleinkinder getauft, später konfirmiert, haben vielleicht auch kirchlich geheiratet und gehen auch einige Male im Jahr zu den größeren Festen einen Gottesdienst besuchen. Leider sind das jedoch oft keine wirklichen Gottesdienste, die diesen Namen dann berechtigterweise verdienten. In unserer Zeit sind die Pfarrer bekanntermaßen meistens selbst ungläubig und nicht vom Geiste Gottes wiedergeboren. Anstatt einer Bußpredigt wird in der Regel mehr über die sozialen Mißstände in der Welt, den Wunsch nach Frieden und die Bewahrung der Schöpfung geredet. Allerdings kommt dadurch niemand zur Buße und viele wertvolle, unsterbliche Seelen gehen so für ewig verloren.

    Für einen solchen Pfarrer ist es dann ganz selbstverständlich, daß er diesen sogenannten Gottesdienst nach den Wünschen der Besucher auszurichten sucht, die schließlich in ihrem Christsein bestätigt und dazu beruhigt werden möchten. Zudem hätte er natürlich nicht gerne, wenn irgendwelche Klagen kommen würden, denn er möchte ja seine Schäfchen nicht verlieren und sie hoffentlich im nächsten Jahre wiedersehen. Die Lutherbibel erklärt fügt auf Seite 494 hinzu: Das hat sich häufig in der Kirchengeschichte ereignet, auch heutzutage, wenn auch der Name Jesu von den Irrlehrern oft gebraucht wird und diese Gottlosen sich gerne zu bestimmten Veranstaltungen der Gemeinde halten, um ihre äußeren Vorteile, z. B. schöne Familienfeste, gute Gehälter, zu genießen. Bei ihrem Reden von Jesus muß die gläubige Gemeinde genau darauf achtgeben, welcher Jesus da gemeint ist. Soweit also die Lutherbibel erklärt, die das auch erkennt.

    Bei seiner Säuglingstaufe wurde ein derartiger Gottesdienst-Besucher automatisch ins Kirchenregister eingetragen, hat also einen Namen, daß er lebt, und ist aber in Wirklichkeit tot. Das sagt ihm allerdings niemand, denn er trägt durch seine Kirchensteuer dazu bei, daß der Herr Pfarrer und seine Vorgesetzten sich zeitlebens keine Sorgen um ihre Zukunft zu machen brauchen. Nicht der himmlische Vater, sondern der Vater Staat sorgt ja für sie. Das ist leider die traurige Wirklichkeit in den Kirchen der Reformation heute, mit einigen Ausnahmen.

    Trotz dieser verworrenen Lage im Protestantismus sitzt die hohe "Geistlichkeit" immer noch im Boot einer untergehenden Kirche und bekennt unbekümmert ruhig weiter:
    "Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen.". Dies alles ist für sie zu einer nichtssagenden Formel verkümmert, die einfach heruntergeplappert wird, ohne sich Gedanken über den Inhalt dieser Aussage zu machen, wie bei der ganzen Liturgie dieser verkommenen Kirche. Das alles frei nach dem Modus: "Ich bin der Herr Pastor, ich mach' den Leut' was vor, und wenn ich nicht mehr weiter kann, dann fang' ich einfach von vorne an.".

    Zu den Zerfallserscheinungen des Protestantismus gehört auch der Rummel der pluralistischen Kirchentage, die Jugend-Christivals, Tiergottesdienste und andere Greuel. Hinzu kommt dann noch die vom Satan inspirierte rationalistische Theologie, Gruppendynamik, Yoga, Transzendentale Meditation, Okkultismus, Spirtitismus, hexenkultischer Feminismus, Beihilfe zum Mord am ungeborenen Leben, homosexuelle, lesbische und kommunistische Pfarrer und Pfarrerinnen im Predigtdienst, sowie viele andere Höllengreuel, die dort angesiedelt sind.

    Der mahnende Weckruf des Herrn lautet: Werde wach und stärke das andre, das sterben will, denn ich habe deine Werke nicht als völlig erfunden vor meinem Gott. Diesen Alarmruf hat der erhöhte Herr einmal an die geistlich tote Gemeinde zu Sardes von damals gerichtet, die auf dem Wege der Tradition ein Opfer des Abfalles und der Verweltlichung geworden war. Nachdem ihre geistlichen Sinnesorgane abgestumpft waren, hat auch ihr Wahrnehmungsvermögen aufgehört zu reagieren, so daß der geistliche Tod die unausbleibliche Folge davon war.

    In diesem beklagenswerten Zustand befindet sich auch die moderne Sardes-Kirche unserer Zeit. Über dieser Kirche liegt die Tragik des Zwielichtigen, indem sie für Gott und auch für die Welt zu haben ist. Durch dieses Doppelspiel hat sie die geistliche Orientierung verloren und ist ein Spielball der um sie wogenden Welten geworden. Die Sardes-Kirche von heute lebt mit ihren Führern buchstäblich in einem religiösen Dämmerzustand, so daß sie Gott, seine Gebote und Warnungen nicht mehr ernst nimmt. Daher kommt auch der unaufhaltsame Trend zur Weltkirche der Endzeit.

    Davon sind auch die Gemeinschaftskreise, Freikirchen und Missionswerke in ihrer Entwicklung ernstlich bedroht. Wer bereits von diesem Zeitgeist belagert wird, sollte schnellstens auf den Weckruf des Herrn antworten. Wenn sie nicht bald aufwachen, umkehren und Buße tun, dann sind sie ebenfalls auf dem besten Wege, eine christuslose Kirche zu werden. Wir können und sollen Gott danken für die Kirchen und Werke, die einsam gegen die Strömungen der Zeit ankämpfen und dem Bösen noch mit dem Schwert des Geistes entgegentreten (Eph. 6, 10-20).

    Sehr treffend schildert C. H. Spurgeon in seinem Buch: "Auf Dein Wort", Seite 311, die kirchliche Lage der Endzeit:
    Für unsere Kathedralen und Kirchen wird es gut sein, wenn man dort die Stimme hört: "Fanget die Propheten Baals, daß ihrer keiner entrinne!" (Der Luthertext von 1964 lautet: Greift die Propheten Baals, daß keiner von ihnen entrinne! - 1. Kön. 18, 40). Unheilige Kompromisse sind die Mode des Tages. Die Menschen werden ganz gleichgültig gegen biblische Wahrheiten, weil sie Kinder Gottes und Jünger Baals in einer Kirche verbunden und an denselben Altären anbeten sehen. Aufrichtige Treue gegen Gott kann kein Bündnis mit Götzendienern ertragen. Man duldet in den Volkskirchen Irrtümer um des Friedens willen, und nun sind sie herrschend geworden und drohen, die Anhänger der Wahrheit zu verderben.
    Jeder Irrtum in der Lehre ist ebenso schädlich wie ein Baals-Prophet und darf nicht geduldet werden. Christen haben kein Recht, sich mit einer Kirche zu verbinden, die in ihrer Lehre irrt. Wenn wir sehen, daß Irrtum in einer Gemeinde wuchert, der wir als Mitglieder angehören, so sind wir Teilhaber ihrer Sünde, und wir werden am Tage der Heimsuchung auch an ihrer Strafe teilhaben. Es ist ganz und gar falsch zu sagen, es sei gleichgültig, zu welcher Gemeinde wir gehören. Ich darf mich nicht mit Ritualisten und Rationalisten verbinden; treue Untertanen werden sich nie einer Gesellschaft von Verrätern anschließen.

    Darum heißt es: Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten. (Eph. 5, 14). Dieser Weckruf zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Neue Testament hindurch. (Matth. 24, 42; Mark. 13, 33 + 35 + 37; Röm. 13, 11-12; 1. Kor. 16, 13; Eph. 5, 14; 1. Petr. 5, 8). Er richtet sich hier an die Gemeinde von Sardes, die damals wie heute im großen und ganzen vom Tode gekennzeichnet war und ist, in der jedoch noch schwache Lebenskeime im Absterben begriffen waren und sind.

    Der Weckruf Jesu soll aber auch im Leben der Gemeinde zu einer heiligen und dauernden Spannung im Warten auf den wiederkommenden Herrn werden. Wer vom geistlichen Schlaf bedroht ist, der dämmert dahin und vernimmt nicht die Zeichen der Zeit. Im Markus-Evangelium, das sich bis auf Papias (130 n. Chr.), einem Schüler des Johannes, zurückverfolgen läßt, stehen die Worte Jesu: Sehet euch vor, wachtet! denn ihr wisset nicht, wann die Zeit da ist. (Mark. 13, 33).

    Der Ruf Jesu: Wachtet! ist jedoch nicht gleichzusetzen mit der Schrift der Zeugen Jehovas: Erwachet!. Diese haben schon, wie auch andere, komplizierte Berechnungen zur Wiederkunft Jesu aufgestellt, die sich jedoch ausnahmslos als falsch erwiesen haben, weil sie von falschen Voraussetzungen ausgegangen sind. David hat schon geklagt: Es stehen falsche Zeugen auf; sie fordern von mir, wovon ich nichts weiß. (Psalm 35, 11).

    Nach dem Gesamtzeugnis der Bibel kennt niemand den Tag oder die Stunde des Endes dieser Welt oder unseres Zeitalters, sondern wir werden immer wieder aufgefordert, auf die Zeichen der Zeit zu achten und sie richtig zu deuten, wie z. B. die Rückkehr der Juden in ihr Land. Eines ist hierbei ganz klar, wenn Jesus wiederkommt, dann kann er nur in sein Land und seine Stadt, nach Jerusalem zurückkehren, denn sie ist die Stadt des großen Königs (Matth. 5, 35). Sein Volk, nicht das der Palästinenser, wird dann rufen: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe! (Matth. 21, 9). Logischerweise muß dann sein Volk auch dort sein und nicht in New York.

    Nach dem Weckruf folgt der Auftrag zur treuen Pflichterfüllung und Seelsorge: ... und stärke das andre, das sterben will. Nach den erwecklichen Aufbrüchen der Vergangenheit hat der erhöhte Herr der zu neuem Leben erweckten Gemeinde auch gleichzeitig einen sowohl missionarischen, wie auch seelsorgerlichen Befehl erteilt. In der Nichtbeachtung und Vernachlässigung dieses hohen Auftrages sind alle Erweckungen der Vergangenheit im Sande verlaufen und gescheitert. Darum ist der vollmächtige Lehrdienst auch heute mehr denn je gefragt. Da sie keine missionarisch verantwortlichen Hirten und Seelsorger finden, wenden sich die Hilfesuchenden in ihrer Not an die Geistheiler, Okkultisten, Wahrsager, Spiritisten und Scharlatane. Dadurch werden sie schuldig und können unter einen dämonisch-satanischen Bann kommen.

    Die Gemeinde von Sardes hat einmal einen verheißungsvollen Anfang gemacht, in der das geistliche Leben hoffnungsvolle Ansätze für eine lebendige Gemeinde zeitigte. Darum hat ihr auch der erhöhte Herr durch die Reformation ein großes Erbe geschenkt und ihr damit den Wächterdienst in der Nacht des Unglaubens und des Abfalles anvertraut: Stärke das andre, das sterben will.

    Da aber die Reformation durch falsche Rücksichtnahmen und Konzessionen an die Welt den Weg des geringsten Widerstandes gegangen ist, ist sie auf dem Wege der Tradition in Formalismus, Sakamentalismus und in der toten Rechtgläubigkeit unvollendet steckengeblieben. Mit anderen Worten: Sie hat ihr göttliches Soll nicht erfüllt. Darum auch der berechtigte Tadel: denn ich habe deine Werke nicht als völlig (= vollendet)erfunden vor meinem Gott. Das besagt doch, daß die Gemeinde und ihre Glieder nach ihren Werken durch Jesus Christus in der Gegenwart Gottes, seines Vaters, beurteilt und gerichtet werden. Leider hat Sardes es bis jetzt nicht völlig geschafft.

    Darum spricht der Herr: So gedenke nun, wie du empfangen und gehört hast, und halte es und tue Buße. Die Gemeinde von Sardes soll sich daran erinnern, wie sie empfangen und gehört hat, nämlich Gottes Gnade war ihr zuteil geworden und die Wahrheit war ihr verkündet worden. Im Evangelium bezeugt Johannes: Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben, die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. (Joh. 1, 17). Daran sollte sie denken und dann Buße tun, weil sie sich nicht daran gehalten hat. Der Weg zur Umkehr beginnt immer mit der Einkehr und Besinnung. Das sehen wir an dem Verhalten des verlorenen Sohnes: Da schlug er in sich und sprach ... Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. (Luk. 15, 17-18).

    Er gedachte an die glücklichen und sorglosen Tage im Vaterhaus, aber auch an das Leid, das er seinem Vater und sich selbst zugefügt hatte. Dieses Gedenken und Besinnen führte bei ihm zur Reue, Umkehr und Buße. Die gleichen Gedanken sind auch für die Gemeinde von Sardes in unseren Tagen die einzige Möglichkeit, wieder in den Besitz der verlorengegangenen Glückseligkeit zu gelangen. Darum gedenke daran, wie einmal durch die Reformation das unveräußerliche Gut des Wortes Gottes wieder auf den Leuchter gestellt wurde, und wie du seinerzeit die Botschaft der Gnade und Barmherzigkeit Gottes verspürt hast.

    Die geistliche Lage der Sardes-Kirche von heute könnte sich nur dann ändern, wenn sie bereit wäre, eine gründliche Sinnesänderung vorzunehmen und eine entschiedene Hinwendung zu vollziehen zu der einst anvertrauten, zur ganzen Wahrheit. Die Gnade Gottes müßte wieder die einzige Quelle ihrer Kraft und das Wort Gottes die alleinige Autorität ihres Lebens werden. Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. (Joh. 1, 16). Denn Entscheidendes ist immer im Leben der Kirche geschehen, wenn sie Gottes Wort gehört und die empfangene Gnade mit Dankbarkeit festgehalten hat.

    Nachdem der erhöhte Herr seinen mahnenden Weckruf zur Wachsamkeit und treuen Pflichterfüllung an die geistlich schlafende Gemeinde zu Sardes hat ergehen lassen, macht er sie auf die Folgen aufmerksam, wenn seine Warnung in den Wind geschlagen wird: Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde. Sieben Mal, mit Einschluß dieser Stelle, lesen wir im Neuen Testament, daß der Herr über die Welt kommen werde wie ein Dieb, das heißt, ganz unerwartet und in der Nacht. Das gilt jedoch nur für die, die nicht wachen, wie uns dieses Wort Jesu deutlich sagt. In insgesamt sieben Bibelstellen wird dieses Bild von der Wiederkunft Jesu gebraucht, man merke diese Zahl: Matth. 24, 42-44; Luk. 12, 39-40; 1. Thess. 5, 2; 1. Thess. 5, 4; 2. Petr. 3, 10; Offb. 3, 3 und Offb. 16, 15).

    Nur für die, die nicht wachen, wird der Herr wie ein Dieb kommen, wie uns auch der Apostel Paulus bestätigt: Von den Zeiten aber und Stunden, liebe Brüder, ist nicht not euch zu schreiben; denn ihr selbst wisset genau, daß der Tag des Herrn wird kommen wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen werden: Es ist Friede, es hat keine Gefahr, dann wird sie das Verderben schnell überfallen gleichwie der Schmerz ein schwangeres Weib, und werden nicht entfliehen. Ihr aber, liebe Brüder, seid nicht in der Finsternis, daß der Tag wie ein Dieb über euch komme. Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. So lasset uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasset uns wachen und nüchtern sein. (1. Thess. 5, 1-6).

    Warum dieses Bild von der Wiederkunft Jesu?
    1. Der Dieb kommt in der dunkelsten Stunde der Nacht.
    2. Der Dieb kommt unangemeldet und überraschend, wenn alle ahnungslos sind.
    3. Der Dieb kommt leise und unbemerkt, wenn alles schläft.
    4. Wenn der Dieb dagewesen ist, dann erst merken es die Menschen.
    5. Der Dieb kommt mit der Absicht, etwas zu stehlen.
    6. Der Dieb kommt, um das Wertvollste mitzunehmen.
    7. Der Dieb läßt das Haus verarmt zurück, nachdem er sich selbst bereichert hat.

    So wird es auch sein am Tage des Herrn Jesu Christi. Wenn die Menschheit in der Sünde und Gottesferne dahinlebt, wenn alle gleichgültig sind und sich sicher dünken, wenn die Gemeinde Jesu das ihr gegebene prophetische Wort mißachtet und die Zeichen der Zeit verschläft.

    Im alten Sardes war es so: In den nahegelegenen Bergen lagerten und lauerten Diebe und Räuber. Nur wenn der Wächter schlief, gelang es ihnen sehr oft, in die Stadt einzudringen und den Bewohnern großen Schaden zuzufügen. Dafür wurde dann der Wächter zur Verantwortung gezogen. Wenn dieser ein römischer Soldat war, stand darauf die Todesstrafe.

    Was aber wird Gott mit denen machen, die er zu geistlichen Hirten und Wächtern über seine Gemeinde gestellt hat, die im Zeitraum der Gemeinde von Sardes in ihrem Wächteramt versagt haben? Darauf gibt Gott uns eine Antwort durch den Propheten Hesekiel, und zwar Hes. 3, 17-21 und 33, 1-9.

    In der Gesamtbeurteilung der Gemeinde zu Sardes von seiten ihres erhöhten Herrn folgt nun nach dem Tadel und der Warnung eine erfreuliche Feststellung: Aber du hast etliche zu Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; die werden mit mir wandeln in weißen Kleidern, denn sie sind's wert. Der Luthertext von 1914 besagt hier: Aber du hast etliche Namen zu Sardes. So auch das Konkordante Neue Testament: Aber du hast einige wenige Namen in Sardes.

    Wladimir Marzinkowskij, ein russischer Gottesmann, hat es mit diesen Worten ausgedrückt:
    Am Tage unserer Erlösung empfingen wir volle Vergebung von Gott und zogen ein weißes Kleid an. Von uns hängt es ab, es fleckenlos zu bewahren.
    "Siehe ich komme wie ein Dieb! Selig ist, der wach bleibt und auf seine Kleider achtet.".

    Die Mitgliederzahlen allein haben schon immer über den wahren Stand in den Gemeinden hinweggetäuscht. Es ist mehr als traurig und beschämend, daß der erhöhte Herr den Vorsteher der Gemeinde erst aufmerksam machen muß auf jene getreuen Gemeindeglieder, die ihre Kleider nicht besudelt haben. Hat er es denn nicht gewußt, welche Qualitäten er in der Gemeinde hat? Jesus muß es ihm sagen: Du hast etliche Namen! Der Name bedeutet nach der Lehre des Neuen Testamentes mehr als nur Schall und Rauch. Der Name bezeichnet die Art und das Wesen einer Person, ja den ganzen Charakter derselben. Anstatt diese meist wenigen Getreuen anzuerkennen und Gott zu danken, daß solche Säulen in der Gemeinde vorhanden sind, wurden sie mit allerlei Schmähungen bedacht.

    Hinter diesen wenigen Namen stehen Menschen, die durch Jesus Christus herausgerufen wurden aus dieser argen Welt, wie Petrus am Anfang seines ersten Briefes geschrieben hat: Petrus, ein Apostel Jesu Christi, den Fremdlingen in der Zerstreuung in Pontus, Galatien, Kappadozien, der Landschaft Asien und Bithynien, die erwählt sind nach der Vorsehung Gottes, des Vaters, in der Heiligung durch den Geist, zum Gehorsam und zur Besprengung mit dem Blut Jesu Christi: Gott gebe euch viel Gnade und Frieden! Gelobt sei Gott, der Vater unsers Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel für euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, welche bereit ist, daß sie offenbar werde zu der letzten Zeit. Darüber freuet euch, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf daß euer Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde als das vergängliche Gold, das durchs Feuer bewährt wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus. (1. Petr. 1,1-7). Leider sind es nur "etliche", die so leben.

    Von "etlichen", also von einem solchen Überrest, sprach auch schon der Prophet Jesaja in ähnlicher Art und Weise im Alten Testament: Übriggeblieben ist allein die Tochter Zion wie ein Häuslein im Weinberg, wie eine Nachthütte im Gurkenfeld, wie eine belagerte Stadt. Hätte uns der Herr Zebaoth nicht einen geringen Rest übriggelassen, so wären wir wie Sodom und gleichwie Gomorra. (Jes. 1, 8-9). Jesus sprach von seiner Wiederkunft, indem er warnte: Und wie es geschah zu den Zeiten Noahs, so wird's auch geschehen in den Tagen des Menschensohnes: sie aßen, sie tranken, sie freiten, sie ließen sich freien bis auf den Tag, da Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und bracht sie alle um. Desgleichen, wie es geschah zu den Zeiten Lots: sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; an dem Tage aber, als Lot aus Sodom ging, da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte sie alle um. Auf diese Weise wird's auch gehen an dem Tage, wenn des Menschen Sohn wird offenbar werden. (Luk. 17, 26-30).

    Denen zu Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben, also keine Verbindung mit der Welt eingegangen sind, denen gilt die Verheißung des Herrn: die werden mit mir wandeln in weißen Kleidern, denn sie sind's wert. Das ist der verheißene Lohn für die wenigen Namen in der Sardes-Gemeinde von einst, die ihre Kleider nicht besudelt haben, weder durch die Lehre Bileams (Offb. 2, 14), noch durch den Hurengeist der Isebel (Offb. 2, 20), also weder durch Religion noch Erotik, sondern die den Glauben an Jesus Christus und sein vollkommenes Erlösungswerk bewahrt haben.

    Dieselbe Verheißung gilt auch den etlichen Namen in der abgefallenen Sardes-Kirche in unseren Tagen, die ihre Kleider nicht besudelt haben, weder durch die Irrlehre einer abgefallenen Theologie, noch durch eine weltanschauliche Idee, weder durch unnüchterne Schwarmgeisterei, noch durch Zuchtlosigkeit und okkultes Vergehen in dieser Endzeit. Kleider sind in der Heiligen Schrift ein Bild von unseren Lebensgewohnheiten, sie zeigen daher die Reinheit unserer Seele.

    Schon rein natürlich gesehen ist es möglich, gewisse Schlüsse von der Kleidung auf den Charakter und die Gesinnung eines Menschen zu ziehen, darum heißt es auch im Volksmund: Kleider machen Leute! Oder man stellte damals noch fest: Wie man kommt gegangen, so wird man empfangen! Es ist durchaus nicht so, wie es manche sogenannten Christen von heute behaupten und uns weismachen wollen, wenn sie in verwaschenen und zerfetzten Jeanshosen zum Gottesdienst kommen: Gott schaut nicht auf das Äußere, sondern vielmehr auf das Innere. Wie mag es da wohl aussehen, ordentlich oder unordentlich? Zudem sagt ihnen dieses Gebot Gottes nichts mehr: Eine Frau soll nicht Männersachen tragen ... . (5. Mose 22, 5). Gehören Hosen nun zu den Männersachen oder nicht? Darüber geht man heute hinweg, obwohl es doch auch eine Folge der Emanzipation ist.

    Wer so spricht, ist bereits schon ein Opfer satanischer Verführungskunst geworden und sündigt wider besseres Wissen und Gewissen. Oft ist man dann dazu geneigt, noch einen Schritt weiter zu gehen: Man kommt allmählich zu der trügerischen Überzeugung, daß die äußere Erscheinung überhaupt keinen Einfluß auf das Christsein habe und, indem wir uns der Welt anpaßten, wir sie so dann besser für Jesus Christus gewinnen könnten. Wer diese raffinierte Lüge Satans nicht beizeiten erkennt, braucht sich später nicht zu wundern, wenn er letztendlich selber Teil der Welt geworden ist.

    Denn gerade das Gegenteil ist der Fall: Das Wort Gottes lehrt uns, daß bei einem Gotteskind, bei welchem das Innere in Ordnung ist, das Äußere auch stimmen muß. Was der Mensch innerlich besitzt, das bringt er auch nach außen hin zum Ausdruck, sei es im Benehmen, Sprechen oder auch in der Kleidung. Eigentlich sollte das eine Selbstverständlichkeit sein, aber darauf hatte Jesus Christus auch besonders aufmerksam gemacht: Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser Mensch bringt Böses hervor aus dem bösen Schatz. (Matth. 12, 35). Oder ebenfalls: Was aber zum Munde herausgeht, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein. Denn aus dem Herzen kommen arge Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Dieberei, falsch Zeugnis, Lästerung. (Matth. 15, 18-19).

    Lange, weiße Kleider sind immer das Symbol der Reinheit, Unschuld und Gerechtigkeit. So drückte es der Prophet Jesaja aus: Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt. (Jes. 61, 10). Darin sollen einmal alle diejenigen mit Jesus Christus wandeln, die das ihnen geschenkte Seelenkleid im Erdendasein nicht besudelt haben, denn sie sind's wert, Bürger des himmlischen Hofstaates zu sein.

    Im einem bekannten, schönen Lied drückten es Dichter so aus, wobei die erste Strophe von Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (26.5.1700-9.5.1760) ist:

    Christi Blut und Gerechtigkeit,
    Das ist mein Schmuck und Ehrenkleid,
    Damit will ich vor Gott besteh'n,
    Wenn ich zum Himmel werd' eingeh'n.

    D'rum soll auch dieses Blut allein
    Mein Trost und meine Hoffnung sein.
    Ich bau' im Leben und im Tod
    Allein auf Jesu Wunden rot.

    Solang' ich noch hienieden bin,
    So ist und bleibet das mein Sinn:
    Ich will die Gnad' in Jesu Blut
    Bezeugen mit gestrostem Mut.

    Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln. Mit der unpersönlichen Aufforderung: Wer überwindet, ist keine Elite besonderer Heiliger gemeint, sondern Menschen, die allen Winden und Stürmen ihres Lebens mit Jesu Kraft standgehalten haben. Was immer diese Gläubigen innerhalb des toten weltlichen Bekenntnisses an Verachtung und Verleumdung erfahren haben mögen, der Herr wird sie belohnen mit dem Ehrenkleid der Gerechtigkeit.

    Was diese wenigen Namen in Sardes zu überwinden haben, ist ihre große Vereinsamung und Verkennung in der Endzeit, weil sie es wagen, im Alleingang gegen den Strom einer fromm-religiös getarnten Verführung und gegen das Hurensystem einer Welteinheitskirche zu schwimmen. Diesen Überwindern, die allen Greueln dieser Zeit widerstanden haben, gilt die Verheißung ihres Herrn, sie mit der Einheitstracht aller vollendeten Gläubigen auszustatten.

    Weiter bestätigt der erhöhte Herr: und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens. Nach den Aussagen des Neuen Testamentes ist das Buch des Lebens und das Buch des Lammes ein und dasselbe Buch, das im Himmel ausgelegt ist. Im Lebensbuch des Lammes stehen nach der Offenbarung (Offb. 13, 8 und Offb. 17, 8) seit Grundlegung der Welt alle Namen der Erwählten als Erben der himmlichen Heimat eingeschrieben. Dieser Gedanke deckt sich genau mit der Aussage des Paulus: Denn in ihm hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, daß wir sollten heilig und unsträflich sein vor ihm. (Eph. 1, 4).

    Das ist jedoch so zu verstehen: Der Mensch besteht aus Leib, Seele und Geist. Der Leib ist unser fleischlicher Körper, die Seele unsere Gefühle, unsere ganze Persönlichkeit, und unser Geist ist unser Willen, das Sinnen und Trachten unseres Herzens. Der Geist eines jeden physisch in diese Welt geborenen neuen Menschen ist für Gott grundsätzlich tot. Er hat keine Verbindung zu Gott und versteht daher nichts von göttlichen Dingen. Deshalb schreibt Paulus auch: Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muß geistlich verstanden sein. (1. Kor. 2, 14).

    Durch den Sündenfall Adams ist jeder Nachkomme von ihm durch die Sünde von Gott getrennt und geistlich tot. Paulus schreibt dazu: Wie nun durch eines Sünde die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch eines Gerechtigkeit die Rechtfertigung zum Leben für alle Menschen gekommen. (Röm. 5, 18). Nun muß man aber bedenken, daß im himmlichen Lebensbuch keine Totgeburten eingetragen werden. Im vierten Bußpsalm bittet David: Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist. (Psalm 51, 12).

    Diesen neuen Geist empfängt der Mensch durch Bekehrung und Wiedergeburt. Jesus sprach zu Nikodemus: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. (Joh. 3, 3). Das ist der Augenblick, in dem sein Name im Lebensbuch eingetragen wird. Es finden sich im Lebensbuch also nur lebendige Menschen, das heißt Menschen, deren Geist für Gott lebendig ist und die in Gemeinschaft mit ihm leben.

    Petrus schreibt dazu: Er ist zwar zuvor ersehen, ehe der Welt Grund gelegt ward, aber offenbart zu den letzten Zeiten um euretwillen. (1. Petr. 1, 20). Der Prophet Jesaja spricht: Der Herr hat mich berufen von Mutterleibe an; er hat meines Namens gedacht, als ich noch im Schoß der Mutter war. (Jes. 49, 1). Das bedeutet, in Jesus Christus sind wir erwählt vor Grundlegung der Welt. Von Anbeginn der Welt an besteht nun dieses Lebensbuch, in das alle Gläubigen eingetragen worden sind, laut Hebräer 11, 4 von Abel an, bis heute.

    Wann Gott nun diese Eintragung vorgenommen hat, ist nicht von Bedeutung für uns. Wenn wir es beispielsweise mit einem Geburtsregister vergleichen, dann wird man erst bei der Geburt darin eingetragen. So zählt jedenfalls frühestens von der Wiedergeburt an auch diese Aufnahme in das Lebensbuch des Lammes; das ist der entscheidende Augenblick. Dann wissen wir, daß wir eingeschrieben sind, wie Paulus auch bestätigt: Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, daß wir Gottes Kinder sind. (Röm. 8, 16).

    Es ist deshalb keinesfalls so, daß alle Menschen völlig automatisch schon vor Grundlegung der Welt im Lebensbuch standen. Das macht absolut keinen Sinn, wird auch durch viele Bibelstellen widerlegt, und das Gesamtzeugnis der Bibel spricht ebenfalls dagegen. Dazu sei nun die biblische Beweisführung angeführt, nur auf Grund der klaren Aussage von zwei Stellen aus dem Neuen Testament:

    Jesus sprach zu seinen Jüngern: Doch darüber freuet euch nicht, daß euch die Geister untertan sind. Freuet euch aber, daß eure Namen im Himmel geschrieben sind. (Luk. 10, 20). Diese Eintragung war also gar nicht selbstverständlich, wie es oft fälschlich dargestellt wird. Hier wird zudem noch deutlich, daß das Erlösungswerk Jesu bereits Vorauswirkung hatte. Das gilt natürlich auch für alle Gläubigen des Alten Testamentes, wie Abel, Henoch und viele andere.

    Paulus hat an die Philipper diese Ermahnung geschrieben: Euodia ermahne ich und Syntyche, daß sie eines Sinnes seien in dem Herrn. Ja, ich bitte auch dich, mein treuer Gefährte, stehe ihnen bei; sie haben mit mir für das Evangelium gekämpft mit Klemens und meinen andern Gehilfen, deren Namen in dem Buch des Lebens sind. (Phil. 4, 2-3). Diese Gehilfen des Paulus können nur Kinder Gottes sein, denn sonst hätten sie nicht mit ihm für das Evangelium gekämpft. Wenn jedoch alle Menschen von vornherein in dem Buch des Lebens eingetragen sind, dann macht diese Bemerkung natürlich keinen Sinn. Paulus ist auf seinen vielen Reisen sicherlich sehr vielen Menschen begegnet, die ihm geholfen haben. Es ist deshalb hier durchaus angebracht, einen Unterschied zu machen zwischen Gläubigen und Ungläubigen.

    Auf diesen Unterschied wird schon im Alten Testament hingewiesen, so beim Auszug aus Ägypten: Und es wird ein großes Geschrei sein in ganz Ägyptenland, wie nie zuvor gewesen ist noch werden wird; aber gegen ganz Israel soll nicht ein Hund mucken, weder gegen Mensch noch Vieh, auf daß ihr erkennt, daß der Herr einen Unterschied macht zwischen Ägypten und Israel. (2. Mose 11, 6-7). Oder bei dem Propheten Maleachi: Ihr werdet am Ende doch sehen, was für ein Unterschied ist zwischen dem Gerechten und dem Gottlosen, zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient. (Mal. 3, 18).

    Wenn allerdings grundsätzlich alle Namen im Buch des Lebens eingetragen waren, dann gibt es keinen Grund dafür, von Gehilfen zu reden, die dort eingeschrieben sind. Es muß also auch welche gegeben haben, die (noch) nicht im Lebensbuch verzeichnet waren. Nur dann macht es Sinn, besonders darauf hinzuweisen, daß die Mitkämpfer für das Evangelium im Buch des Lebens sind. Nur wenn man glaubt, kann man den Glauben weitergeben. Wer nicht glaubt, der steht auch nicht im Lebensbuch. Alles andere ist absolut unlogisch und entspricht willkürlichen, menschlichen Gedanken, die keinen Bestand im Lichte des Wortes Gottes haben.

    Der im Buch des Lebens eingeschriebene Name kann jedoch durch Sünde, wie z. B. Untreue und Götzendienst, getilgt werden. Das sehen wir schon im Alten Testament an den beiden Stämmen Ephraim und Dan: Sie aber nahmen, was Micha gemacht hatte, und den Priester, den er hatte, und fielen über Lajisch her, über ein Volk, das ruhig und sicher wohnte, und schlugen es mit der Schärfe des Schwerts und verbrannten die Stadt mit Feuer. Und es war niemand, der sie errettet hätte; denn die Stadt lag fern von Sidon, und sie hatten mit den Aramäern nichts zu schaffen; und die Stadt lag in der Ebene bei Beth-Rehob. Dann bauten sie die Stadt wieder auf und wohnten darin und nannten sie Dan nach dem Namen ihres Vaters Dan, der dem Israel geboren war. Vorzeiten aber hieß die Stadt Lajisch. Und die Daniter richteten für sich das Schnitzbild auf. Und Jonathan, der Sohn Gerschoms, des Sohnes des Mose (des Sohnes Manasses), und seine Söhne waren Priester im Stamm der Daniter bis auf die Zeit, da sie aus dem Lande gefangen weggeführt wurden. So stellten sie das Schnitzbild, das Micha gemacht hatte, bei sich auf, solange das Haus Gottes in Silo stand. (Richt. 18, 27-31).

    Ebenso im ersten Buch der Könige: Jerobeam aber baute Sichem auf dem Gebirge Ephraim aus und wohnte darin und zog von da fort und baute Pnuël aus. Und Jerobeam dachte in seinem Herzen: Das Königtum wird nun wieder an das Haus David fallen. Wenn dies Volk hinaufgeht, um Opfer darzubringen im Hause des Herrn zu Jerusalem, so wird sich das Herz dieses Volks wenden zu ihrem Herrn Rehabeam, dem König von Juda, und sie werden mich umbringen und wieder Rehabeam, dem König von Juda, zufallen. Und der König hielt einen Rat und machte zwei goldene Kälber und sprach zum Volk: Es ist zu viel für euch, daß ihr hinauf nach Jerusalem geht; siehe, da ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat. Und er stellte eins in Bethel auf, und das andere tat er nach Dan. Und das geriet zur Sünde, denn das Volk ging hin vor das eine in Bethel und das andre in Dan. (1. Kön. 12, 25-30). Weiter heißt es: Ephraim hat sich zu den Götzen gesellt; so laß es hinfahren. (Hosea 4, 17).

    Darum fehlen auch bei der Aufzählung der Geschlechter Israels in der Offenbarung (Offb. 7, 4-8) die beiden Geschlechter Dan und Ephraim, deren Erbteil wurde demzufolge Manasse gegeben, einem Sohn Josephs und einem Bruder Ephraims. Im Neuen Testament ist es Judas, dessen Name im Buch des Lebens ebenfalls ausgetilgt wurde. Bei der Wahl des Matthias heißt es in der Apostelgeschichte: Denn es steht geschrieben im Psalmbuch (Ps. 69, 26; 109, 8): Seine Behausung müsse wüste werden, und sei niemand, der darin wohne, und: Sein Amt empfange ein anderer. (Apg. 1, 20). (Der Luthertext von 1964 des Alten Testamentes lautet: Ihre Wohnstatt soll verwüstet werden, und niemand wohne in ihren Zelten. Bzw.: ... und sein Amt soll ein andrer empfangen.).

    Daran sehen wir, daß die Möglichkeit besteht, daß unser Name im Lebensbuch des Lammes ausgetilgt werden kann. Hans Bruns gab dann dazu diese einfache Erklärung: ... denn sie sind im Buch des Lebens eingeschrieben (das Gegenteil ist unausdenkbar schrecklich: Gott könnte auch durchstreichen!). Demnach sollte man sich nicht selbst täuschen: Es besteht durchaus die Gefahr für einen, der wiedergeboren ist, daß sein Name im Lebensbuch ausgelöscht wird. Deshalb ist Heilssicherheit eine falsche Sicherheit und eine große Gefahr für das Seelenheil.

    Das wird außerdem bestätigt durch das Wort des Herrn, das zu dem Propheten Hesekiel geschah: Und wenn sich ein Gerechter von seiner Gerechtigkeit abwendet und Unrecht tut, so werde ich ihn zu Fall bringen, und er muß sterben. Denn weil du ihn nicht gewarnt hast, wird er um seiner Sünde willen sterben müssen, und seine Gerechtigkeit, die er getan hat, wird nicht angesehen werden; aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern. (Hes. 3, 20). Deshalb sei auch jeder Mensch hierdurch gewarnt, nicht zu sündigen, denn sonst muß er sterben.

    Jesus Christus will im Preisgericht die Namen der Überwinder vor seinem Vater und seinen Engeln bekennen und sie vor ihnen lobend herausstellen, in dem Sinne: Ich habe deinen Namen offenbart den Menschen, die du mir von der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort behalten. (Joh. 17, 6). Welch eine Ehre! Wer will's wagen, wer will's sagen, was für ein seliger Augenblick das sein wird, wenn Jesus Christus all die Namen der Überwinder vor dem Vater und seinen Engeln aufzählen und bekennen wird. Unser Wortschatz ist zu arm und unsere Phantasie zu farblos und beschränkt, um auch nur annähernd diesen Vorgang schildern zu können.

    Wer sich aber selbst in der von Gott gelösten Welt einen Namen machen will und ihn bei jeder Gelegenheit gerne nennen hört, dessen Name wird wie Schall und Rauch vergehen, wie beim Turmbau zu Babel: und sprachen: Wohlauf, laßt uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder. (1. Mose 11, 4). Wem aber der Name Jesu über alle Namen geworden ist, dessen Name wird in alle Ewigkeit bleiben und bestehen: Und ich will dich zum großen Volk machen, und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. (1. Mose 12, 2).

    Auch am Schluß dieses Sendschreibens ertönt wieder die Stimme des Geistes: Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Das ist der letzte Appell oder der endgültige Aufruf des erhöhten Herrn, der an die Führer der geistlich toten Sardes-Kirche gerichtet ist. Darum, ihr Hirten, Seelsorger, Verkündiger und Lehrer, wer von euch noch ein Ohr für die Stimme des Geistes hat, dem sei es mit brennender Verantwortung auf die Seele gebunden: Wer Ohren hat, der höre!

    Das Schlüsselwort: Sei nicht wie die andern tot!

    Die Dauer der Gemeinde zu Sardes (Zeitraum): etwa von 1517-1750 n. Chr., also 233 Jahre.

  7. Nachstehend wieder eine Auflistung der wichtigsten Ereignisse der Kirchen- und Weltgeschichte, soweit sie sich im Zeitraum der Gemeinde zu Sardes zugetragen haben:

  8. a) Im Jahre 1517, am 31. Oktober, hat die Reformation ihren Anfang genommen, mit dem Anschlag der 95 Thesen durch Dr. Martin Luther an die Türe der Schloßkirche zu Wittenberg und mit dem Verbrennen der gegen ihn gerichteten päpstlichen Bannbulle am 10. Dezember 1520 in Wittenberg.

    b) Im Jahre 1523 n. Chr. wurde durch den Bruch mit dem Bischof von Konstanz, durch Ulrich Zwingli (1484-1531 n. Chr.) in Zürich, die Reformation in der Schweiz ausgelöst. Nach Zwinglis Tod auf dem Schlachtfeld wurde diese von Johannes Calvin (1509-1564 n Chr.) in Genf weitergeführt.

    c) Im Jahre 1524 n. Chr. begann der große Bauernkrieg, der bis Mitte des Jahres 1525 n. Chr. dauerte. Unter der Führung der Zwickauer Propheten, von Thomas Müntzer (1489-27.5.1525 n. Chr.), zunächst Prediger in Zwickau, und auch des Tuchmachers Storch wurden immer mehr Schlösser und Klöster überfallen und geplündert, nachdem Müntzer die Fürsten nicht für seine Ideen gewinnen konnte.

    d) Im Jahre 1531 n. Chr. wurde in Schmalkalden, einer kleinen Kreisstadt in Thüringen, von protestantischen Fürsten und Reichsstädten der Schmalkaldische Bund gegen Kaiser Karl V. und die römisch-katholischen Stände geschlossen. Durch den Nürnberger Religionsfrieden, einem am 23. Juli 1532 unterzeichneten Vertrag, wurde den protestantischen Reichsständen bis zum nächsten Konzil bzw. Reichstag freie Religionsausübung gewährt, wogegen diese dem Kaiser Unterstützung gegen die Türken zusagten.

    e) Im Jahre 1534 n. Chr. begann die Gegenreformation durch die Gründung des Jesuiten-Ordens durch den baskischen Edelmann Ignatius von Loyola (eigentlich Don Iñigo López Oñaz y de Loyola), spanischer Ritter (1491-31.7.1556 n. Chr.). Die so von ihm gegründete Societas Jesu (= Gesellschaft Jesu, abgekürzt: S. J.), wurde im Jahre 1540 n. Chr. durch Paul III. (1468-10.11.1549 n. Chr.), Papst seit dem 13.10.1534, bestätigt. Ihre Losung war und ist es bis heute: "Omnia ad maiorem Dei gloriam" = "Alles zur größeren Ehre Gottes". Dieser Papst organisierte die römische Inquisition im Jahre 1542 n. Chr. und eröffnete das Konzil von Trient im Jahre 1545 n. Chr., das die Verfolgung der Protestanten beschloß.

    f) Im Jahre 1536 n. Chr. verfaßte Paracelsus, Philippus Aureolus Theophrastus, eigentlich Theophrastus Bombastus von Hohenheim, deutscher Arzt, Naturforscher und Theologe (am 11.11.(?) 1493 in Einsiedeln/Schweiz geboren, starb am 24.9.1541 in Salzburg), seine Schrift: "Große Wundarznei". Er erkannte die Bedeutung der physikalischen und chemischen Grundlagen alles Lebendigen und deren Anwendung in der Heilkunde. Paracelsus wirkte in Straßburg und Basel; kämpfte gegen die scholastische (= schulgebundene) Einstellung der Medizin seiner Zeit, indem er das naturwissenschaftliche Experiment über die Buchüberlieferung stellte, und forderte die Unterstützung der Heilkraft der Natur durch ein naturgemäßes Leben. Dadurch stellte er die Heilkunde bewußt auf eine biblische Grundlage.

    g) Im Jahre 1539 n. Chr. organisierte Menno Simons (1496-31.1.1561 n. Chr.) die Täuferbewegung neu. Mennoniten sind seitdem die nach ihm bezeichneten Anhänger dieser Reformationsbewegung, die meist ein calvinistisch geprägtes Christentum vertreten.

    h) Im Jahre 1540 n. Chr. veröffentlichte Nikolaus Kopernikus, eigentlich Nikolaus Koppernigk, deutscher Astronom (19.2.1473-24.5.1543), sein Hauptwerk: "De revolutionibus orbium coelestium libri VI" (6 Bücher über die Kreisbewegungen der Himmelsbahnen). Darin beschrieb er die jährliche Bewegung der vom Mond begleiteten Erde um die Sonne und erklärte die tägliche Umdrehung des Fixsternhimmels als Rotation der Erde um ihre eigene Achse. Dieses heliozentrische Weltsystem führte zu empörten Auseinandersetzungen mit dem dogmatisch festgelegten Weltbild des Claudius Ptolemäus. Sogar Dr. Martin Luther schrieb damals etwas verärgert: Der Narr will die ganze Astronomie umkehren. Aber wie die Heilige Schrift anzeigt, so hieß Josua die Sonne still stehen und nicht das Erdreich! Er sprach in Gegenwart Israels: Sonne, steh still zu Gibeon, und Mond, im Tal Ajalon! (Jos. 10, 12). Gott erhörte das Gebet des Josua, aber möglicherweise doch auf eine andere Art, als er seinerzeit zu erkennen glaubte.

    i) Im Jahre 1541 n. Chr. wurde Franz Xaver, eigtl. Francisco de Jassu y Xavier (7.4.1506-3.12.1552) als päpstlicher Legat nach Indien entsandt. Von dort aus unternahm dieser Missionar weitere Reisen in Asien. Durch ihn gelangte dann im Jahre 1549 n. Chr. das (vorerst nur katholische) Christentum bis nach Japan. Um das Jahr 1610 n. Chr. dürfte die Zahl der japanischen Christen insgesamt bereits 400 000 betragen haben. Die Gesamtbevölkerung des Landes zählte zu der Zeit etwa 16 Millionen. So wurde durch Gottes Gnade erstmals dieser Teil der Welt für das Evangelium erschlossen und damit nicht nur dem christlichen Abendland ein neuer Aufbruch geschenkt.

    j) Im Jahre 1555 n. Chr. begann die Gegenreformation, die in Deutschland bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges im Jahre 1648 n. Chr. dauerte.

    k) Im Jahre 1559 n. Chr. begann die Reformation in Schottland durch John Knox (1505-24.11.1572 n. Chr.). Dieser war ursprünglich ein römisch-katholischer Priester, der seit 1542 n. Chr. gegen das Papsttum predigte. Er flüchtete zunächst vor der Königin Mary (Maria) I. Tudor (18.2.1516-17.11.1558) von England, genannt "die Katholische" oder "die Blutige", nach Genf zu Johannes Calvin und kehrte erst nach ihrem Tode nach Schottland zurück. Dort arbeitete er dann an der "Confessio Scotica" mit. Gestützt durch die breiten Massen setzte er so die Annahme der Presbyterialverfassung durch. Er war danach ein erbitterter Gegner der Königin Mary (Maria) Stuart von Schottland (7.12.1542-8.2.1587).

    l) Im Jahre 1572 n. Chr. fand die Bartholomäus-Nacht in Frankreich statt, am 24. August 1572, in der Nacht zum Bartholomäustag. Etwa 15 000 Hugenotten, an deren Spitze der verdiente Admiral Gaspard de Coligny (16.2.1519-1572, in der Bartholomäus-Nacht ermordet) nun stand, fielen der sogenannten Pariser Bluthochzeit zum Opfer. In ganz Frankreich wurden sogar über 22 000 Hugenotten in diesem Massaker hingemetzelt oder auf grausamste Art ermordet, buchstäblich abgeschlachtet. Das Haupt von Coligny brachten damals besondere Boten dem Papst Gregor XIII., Papst seit dem 13.5.1572, nach Rom. Dort läuteten die Glocken, Jubel-Gottesdienste, Feiermessen, Kanonenschüsse, Freudenfeuer und Prunkprozessionen lösten einander ab. Auf der in Rom geprägten Festmedaille erblickt man einen Engel, der mit der einen Hand das Kreuz erhebt und mit der anderen Protestanten tötet. Die Umschrift darum lautet: Hugonottorum Strages, der Hugenotten Niedermetzlung. Die Gegenseite zeigt das Papstbild dessen, der sich damit unsterblich rühmte und verewigte. Mit dem Namen Hugenotten, aus huguenots = Eidgenossen entstanden, wurden damals die überwiegend von den Reformatoren aus der Schweiz geprägten Protestanten in Frankreich bezeichnet.

    m) Im Jahre 1584 n. Chr. wurde Wilhelm I., der Schweiger oder Schweigsame, Prinz von Oranien (25.4.1533-10.7.1584), der Begründer der niederländischen Unabhängigkeit, seit 1566 n. Chr. protestantisch, von einem Jesuiten erschossen. Bereits 1580 n. Chr. war er von Philipp II. (21.5.1527-13.9.1598), König seit 1556 n. Chr., geächtet worden, weil er damals das Joch des Papstes Gregor XIII. (1.1.1502-10.4.1585), Papst seit dem 13.5.1572, abschüttelte. König Philipp II. versuchte das Vordringen der Reformation in den Niederlanden zu verhindern.

    n) Im Jahre 1596 n. Chr. wurde René Descartes, französischer Philosoph (31.3. 1596-11.2.1650), geboren, der Begründer der Aufklärung.

    o) Im Jahre 1598 n. Chr. wurde seitens Henri (Heinrich) IV. (13.12.1553-14.5. 1610), König von Frankreich seit 1589 n. Chr., das Edikt von Nantes erlassen. Hierbei handelte es sich um eine amtliche Verlautbarung mit Gesetzeskraft, die den Hugenotten die Religionsfreiheit gewährte. Am 14. Mai 1610 wurde er deswegen von dem jesuitischen Mörder Ravaillac mit einem Dolch umgebracht, während der Vorbereitung eines Krieges gegen Deutschland.

    p) Im Jahre 1604 n. Chr. wurde John Eliot, englischer Missionar bei den Indianern in Nord-Amerika (1604-1690 n. Chr.), geboren.

    q) Im Jahre 1607 n. Chr. wurde Paul Gerhardt, evangelischer Kirchenliederdichter (12.3.1607-27.5.1676), geboren. Viele seiner Lieder entstanden so unter dem Eindruck der Greueltaten und Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges, der in der Mitte seines Lebens wütete.

    r) Im Jahre 1618 n. Chr. brach der Dreißigjährige Krieg aus, der dann durch den Westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück im Jahre 1648 n. Chr. beendet wurde.

    s) Im Jahre 1621 n. Chr. wurden durch die Reaktion der Katholiken in Böhmen mehr als 100 000 Protestanten ausgewiesen.

    t) Im Jahre 1685 n. Chr. wurde durch die Aufhebung des Ediktes von Nantes seitens Louis (Ludwig) XIV., genannt Sonnenkönig (frz. Roi Soleil) (5.9.1638-1.9.1715) die Verfolgung der Hugenotten wieder aufgenommen. Seine Politik zielte auf ein Staatskirchentum nach englischem Muster. Daraufhin wanderten Hunderttausende aus, viele nach Deutschl