Idealismus, Ideal

Damit ist ein Streben oder Verhalten gemeint, das sich nach Idealen richtet, also nach hochgesteckten Zielen und vollkommenen Zuständen, wie z.B. Schönheit, Gerechtigkeit, Freiheit, Güte. (Auch eine Epoche der deutschen Philosophie am Anfang des 19. Jahrhunderts wird so genannt, deren bekanntester Vertreter Fichte, Schelling und Hegel waren.)

Schon im Altertum hat sich die Philosophie mit der Frage beschäftigt, wie es eigentlich zu Vorstellungen von Idealen kommt. Sind sie angeboren, die Erinnerung an einen Urzustand oder der Abglanz aus einer jenseitigen Welt (wie z. B. Plato meinte)? Oder muß man sich nur von etwas alle Fehler und Schwierigkeiten wegdenken, um z. B. die Vorstellung von einer idealen Ehe zu erhalten?

Um Ideale haben sich Menschen schon viele Gedanken gemacht und sich dabei oft weit von der Wirklichkeit entfernt; deshalb finden Idealisten auch nicht nur Anerkennung, sondern ebenso Spott und Kritik (z.B. in der Politik). Andererseits ist es gerade das Besondere am Idealismus, daß er sich von der Realität nicht entmutigen läßt. Wer ein Ideal vor Augen hat, wird sich nicht von kleinen Gelegenheiten und Versuchungen ablenken lassen ("Opportunismus") und alle Kräfte einsetzen, es zu verwirklichen.

Viele Menschen haben für Ideale ihr Leben eingesetzt.

Allerdings ist es schwer, Idealismus längere Zeit durchzuhalten; die Enttäuschung ist vor allem dann um so größer, wenn sich das Ideal selbst als problematisch oder falsch erweist (wie z. B. der Nationalsozialismus, der Kommunismus oder die Idee vom unbegrenzten Wachstum und Fortschritt). Auch Christen werden oft als Idealisten angesehen. Ihr Glaube ist aber nicht von Ideen als Leitbildern oder etwa einem Ideal des Guten bestimmt, sondern von der Orientierung an Jesus Christus. Daraus ergeben sich dann immer wieder neue Konsequenzen je nach der konkreten Situation.

Ideologie

In der Umgangssprache versteht man unter Ideologie ein System von Erklärungen und Forderungen, das von einzelnen oder Gruppen auf der Grundlage von Vorurteilen entwickelt worden ist, also ein falsches, nicht der Wahrheit entsprechendes Bewußtsein. Wo eine Ideologie vorherrscht, werden Andersdenkende ausgestoßen oder angepaßt. Kritik führt bei einer Ideologie zu immer neuen Erklärungen und Rechtfertigungen der eigenen Denkweise oder der bestehenden Verhältnisse (darauf hat besonders Karl Marx hingewiesen). Das kann zwar den Vorteil haben, daß keine Unsicherheit aufkommt und in einer Gemeinschaft ein starker Zusammenhalt entsteht; aber der Preis dafür sind Unfreiheit und Verzicht auf neue Erkenntnis. Auf die Dauer läßt sich deshalb keine Ideologie durchhalten.

Manche nennen alles, was sich nicht wissenschaftlich begründen läßt, also jedes Werturteil und alle weltanschaulichen Aussagen, ideologisch (Weltanschauung). Aber eine Wissenschaft ganz ohne Auswahl, Voraussetzungen und Maßstäbe für die Anwendung kann es auch nicht geben. Deshalb wird Ideologiekritik immer notwendig sein. Das Problem dabei ist aber, daß Ideologie vernünftigen Argumenten von außen nicht zugänglich ist.

Auch der christliche Glaube wurde als Ideologie bezeichnet, wenn er als geschlossenes System mit Absolutheitsanspruch vertreten wurde und dafür herhalten mußte, bestehende Verhältnisse zu rechtfertigen. Andererseits bewirkt der recht verstandene und in der Praxis gelebte christliche Glaube immer wieder Befreiung vom Zwang der Ideologie. Eine gute Möglichkeit, Ideologie im Denken und Handeln zu erkennen und zu überwinden, ist die Regel: "Behandelt die Menschen so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt" (Matthäus 7,12). Sie läßt sich auch auf Gruppen und Völker übertragen.

Illusion

Nach dem Sprachgebrauch "macht" sich jemand Illusionen selbst; es sind falsche Vorstellungen aufgrund überstarker Erwartungen. Beim Erleben eines

Theaterstückes werden sie durch die Inszenierung hervorgerufen und unterstützt; im täglichen Leben und vor allem in der Einschätzung anderer Menschen können sie zu bitteren Enttäuschungen führen. (Wer ist dann "schuld" daran?) Trotzdem zieht mancher mehr oder weniger bewußt die Illusion der Realität vor, weil sie angenehmer ist.

Auch im Bereich der religiösen Orientierung machen sich viele Illusionen, wenn sie das Eintreffen ihrer Wünsche schon mit phantasievollen Vorstellungen vorwegnehmen oder das Jenseits spekulativ ausgestalten. Dies ist aber kein Grund, den Glauben überhaupt als Illusion abzutun. Der christliche Glaube kann vielmehr helfen, die eigene Situation realistisch zu erkennen. Die Illusionen anderer werden Christen nicht spöttisch oder brutal zerstören, sondern nach den tieferliegenden Ursachen fragen.

Information

Das Wort bedeutet Nachricht, Auskunft, Mitteilung, "Einformung". Ein "Sender" wählt Information aus bzw. formuliert sie mit geeigneten Zeichen (Worte, Zahlen, Signale) und gibt sie direkt oder über ein Medium (Buch, Telefon, Fernsehen, Zeitung) an den Empfänger. Ob und wie dieser sie aufnimmt, hängt von seinem Interesse und seinen Fähigkeiten ab. Manche Information muß erst verarbeitet, d.h. entschlüsselt und in einen Zusammenhang gebracht werden, um nützlich zu sein.

Ausreichende und richtige Informationen sind Voraussetzung für sachgemäße Entscheidungen. Bei der Speicherung und Verarbeitung von Informationen wird der Mensch zunehmend von Automaten unterstützt. Die Auswahl und Bewertung von Informationen aber kann ihm niemand abnehmen.

Da sich der christliche Glaube auf geschichtliche Vorgänge gründet, müssen Informationen darüber vermittelt und aufgenommen werden. Das Wort "Evangelium" bedeutet "gute Nachricht".

Nicht leicht sind allerdings folgende Fragen zu beantworten: Welche und wieviel Information ist für den Glauben wichtig oder sogar Voraussetzung? Wie ist sie wirksam zu vermitteln und zu verarbeiten?

Bisher wurden die für den Glauben wichtigen Informationen hauptsächlich in der Schule und im kirchlichen Unterricht angeboten, allerdings oft nur mit geringem Erfolg. Mit Hilfe moderner Medien und Methoden ist wohl manches verbessert worden, aber die verwendeten Worte und Zeichen werden heute weithin nicht mehr verstanden (1. Korinther 14,6f.).

Auch im Gottesdienst wird Information vermittelt. Sie kann dort sogar in der Wiederholung von Bekanntem liegen, die dann besagen soll: Die Wahrheit des Glaubens gilt unverändert! Andererseits gibt es auch sehr viele neue Erklärungen von Bibeltexten und Glaubensinhalten, die den Gemeinden noch gar nicht bekannt sind.

Zunehmend wird die Bedeutung aktueller Information für den Glauben erkannt. Rundfunksendungen über Themen des Glaubens und kirchliche Nachrichten werden ebensoviel gehört wie Übertragungen von Gottesdiensten. Die für den Glauben wohl ausschlaggebenden Informationen werden aber durch das Verhalten und Reden der Christen vermittelt.

Sicherlich spricht manche Information so zum Empfänger, daß er für den Glauben aufgeschlossen oder darin bestärkt wird. In der Regel wird es aber die persönliche Anrede mit einer Bewertung von Informationen sein, die zum Glauben führt oder diesen entfaltet.

Inspiration

Von alters her bis heute machen Menschen die Erfahrung außergewöhnlicher Eingebung. Sie kann vom schöpferischen Einfall bis hin zu dem Gefühl reichen, Medium des Volkswillens oder außermenschlicher Mächte zu sein.

Im religiösen Bereich ist das Wort Inspiration Bezeichnung für unmittelbare göttliche Eingebung. Auch die Bibel gibt dafür viele Beispiele und Hinweise (2. Mose 24,12; Jeremia 1,9; Johannes 10,35; Apostelgeschichte 15,28; 2. Petrus 1,21). In manchen Fällen wirkt die Inspiration, ohne daß es der Betreffende merkt (Johannes 11,51) oder will (4.Mose 23,12; 24,13). In der christlichen Kirche wird vor allem die Bibel als von Gott inspiriert angesehen. Darin kommt zum Ausdruck, daß sie als Grundlage des

Glaubens und als Autorität empfunden wird, an die man sich auch im Zweifel und bei Auseinandersetzungen halten kann.

Einige Theologen lehrten früher, daß jedes Wort der Bibel von Gott eingegeben worden sei ("Verbalinspiration"). Sie gerieten damit in Widerspruch zu der Tatsache, daß die Bibel auch historisch Bedingtes enthält. Heute erkennt man die Inspiration der Bibel hauptsächlich daran, daß sie immer noch und immer wieder neu zum Glauben verhilft.

Wenn sich der Papst bei seinen kirchlichen Lehrentscheidungen auf göttliche Inspiration beruft, so werden diese damit endgültig und der Kritik entzogen (Unfehlbarkeit).

Die in vielen Gebeten enthaltene Bitte um den Heiligen Geist geht von der Begrenztheit menschlicher Fähigkeiten aus und schafft Offenheit für Impulse aus der größeren Wirklichkeit, auf die der Glaube gerichtet ist.

Interkommunion

Schon seit Beginn der Kirchengeschichte hatten Unterschiede in der Lehre und Organisation kirchlicher Gruppen die Folge, daß sie das Abendmahl nicht mehr miteinander feiern wollten.

Katholischen Christen ist die Teilnahme an einem Abendmahl in einer evangelischen Kirche nicht gestattet, weil nach Auffassung ihrer Kirche ein Pfarrer ohne gültige Weihe durch einen Bischof Brot und Wein nicht in den Leib und das Blut Christi verwandeln kann.

Andererseits sollen evangelische Christen nicht durch ihre Beteiligung das einer katholischen Eucharistiefeier zugrundeliegende Sakraments- und

Kirchenverständnis anerkennen oder die immer noch bestehenden Unterschiede zwischen den Kirchen unterschätzen.

Inzwischen werden aber im Zuge der ökumenischen Bewegung die Unterschiede zwischen den christlichen Kirchen und Konfessionen nicht mehr als so tiefgehend angesehen, daß man nicht einmal das Abendmahl miteinander feiern könnte; zumal es immer mehr Anlässe gibt, dies zu tun, z.B. bei Tagungen und Treffen, bei konfessionsgemischten Trauungen, beim gemeinsamen Gottesdienstbesuch konfessionsgemischter Familien. Besonders jungen Christen ist es in der ökumenischen Zusammenarbeit schwer verständlich, warum diese beim Abendmahl aufhören sollte. Sie sehen eine gemeinsame Abendmahlsfeier als Hilfe und Mittel zur Herbeiführung der Einheit und nicht als deren Endergebnis an. Insgesamt braucht heute niemand mehr zu befürchten, am Abendmahlstisch einer anderen als der eigenen Kirche abgewiesen zu werden, wenn er die in den meisten Ordnungen vorgesehene Formel " Kommt her, denn es ist alles bereit" wörtlich nimmt.

Diese sich ausbreitende Praxis und Vereinbarungen zwischen Kirchen, die eine uneingeschränkte oder gastweise Zulassung von Mitgliedern anderer Konfessionen zum eigenen Abendmahl ermöglichen, nennt man Interkommunion.

Islam

Das Wort bedeutet "Hingabe an Gott". Die Religion geht auf die im Koran niedergeschriebene Lehre Mohammeds zurück, der vor rund 1300 Jahren in Arabien lebte (Mekka und Medina). Es gibt heute etwa 550 Millionen Muslime (nicht: Mohammedaner!), hauptsächlich in Afrika, Arabien, Türkei, Iran, Afghanistan, Pakistan, Indien, Malaysia, Indonesien und Südrußland. 1,7 Millionen Anhänger des Islam leben in der Bundesrepublik Deutschland (1982).

Muslime glauben wie die Christen und Juden an einen einzigen Gott; aber sein wichtigster Gesandter ist für sie Mohammed. Auch Abraham, Isaak, Jakob, Mose, Maria und Jesus werden als Empfänger göttlicher Botschaften verehrt; das islamische Verständnis weist allerdings erhebliche Abweichungen vom Alten und Neuen Testament auf.

Die fünf Grundpflichten ("Säulen") des Islam sind:

Muslime ein großes Freudenfest),

Nach der Lehre gibt es keine organisierte Kirche mit berufsmäßigen Priestern und keine Sakramente, sondern die Vorstellung von einer umfassenden Gemeinschaft aller Muslime. Trotzdem haben die religiösen Führer in den beiden großen "Konfessionen" des Islam, der Sunna und der Schia, große Autorität.

Die Ehe ist im Islam ein Vertrag. Bis zu vier Frauen sind dem Mann erlaubt, der in der Familie das Sagen hat; aber die Einehe ist heute unter Muslimen das Normale (Beratung für deutsche Mädchen, die einen Muslim heiraten wollen, bietet der Verein für internationale Jugendarbeit an; Zweigstellen in allen größeren Städten).

Auch im Leiden versucht der gläubige Muslim Gottes Willen zu finden. "Kismet" ist für ihn das Los, in das er sich fügt (Schicksal, Prädestination). Trotzdem ist für ihn die Tat genauso wichtig wie der Glaube. Der Islam lehrt ein Leben nach dem Tod und den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen Gutes und Böses im Paradies und.in der Hölle vergilt.

Die Bemühung um Ausbreitung des Islam in der ganzen Welt ist Pflicht. "Heilige Kriege" darf es nach dem heutigen Selbstverständnis des Islam nur noch zur Verteidigung geben Die Angehörigen der "Buchreligionen" (Juden, Christen) wurden in islamischen Ländern toleriert, wenn sie eine Kopfsteuer zahlten.

Ähnlich wie die meisten heutigen Christen erleben viele Muslime ihren Glauben mehr vom Brauchtum her als von der Lehre, zum Beispiel das rituelle Gebet, das täglich fünfmal zu verrichten ist, das Fasten im Monat Ramadan und die Beschneidung. Danach richten sie sich allerdings auch in der Fremde.

Obwohl der Islam auf den jüdischen und christlichen Glauben aufbaut, ist er europäischen Christen wegen der damit verbundenen Kultur schwer verständlich. In der Bundesrepublik bleiben Muslime unter sich und pflegen ihren Glauben, um mit der Heimat verbunden zu bleiben. Es gibt eine Vielfalt von religiösen Gruppen, Zentren, Organisationen und Korankursen. Für Christen ist es eine wachsende Herausforderung, sich sowohl um ein gutes Verhältnis zu dieser Religion wie auch um ein neues Verständnis ihres eigenen Glaubens zu bemühen.

Israel

Die Bedeutung des Wortes (als Ehrenname des jüdischen Stammvaters Jakob) wird 1. Mose 32,29 mit "Gottesstreiter" erklärt. Als Bezeichnung des Volkes ist das Wort schon ca. 1220 v.Chr. auf einer ägyptischen Säule erwähnt.

Wenn auch das Alte Testament nicht als Geschichtsschreibung im heutigen Sinn anzusehen ist, so kann doch als sicher gelten, daß sich das Volk Israel allmählich aus verschiedenen Stämmen, zu denen Flüchtlinge aus Ägypten stießen, zusammengeschlossen und nach der Besiedelung Kanaans seine Einheit in der gemeinsamen Verehrung des Gottes Jahwe gefunden hat. Politischer Höhepunkt war das Königtum Davids mit der Hauptstadt Jerusalem (etwa seit dem Jahr 1000 v.Chr.). Nach dem Tod seines Sohnes Salomo zerfiel das Reich wieder. Assyrer eroberten (722 v.Chr.) den nördlichen und Babylonier (587 v.Chr.) den südlichen Teil; die staatliche Selbständigkeit war damit zu Ende.

Der heutige Staat Israel wurde 1948 gegründet, vorbereitet durch Einwanderungen im 19. Jahrhundert, durch die zionistische Bewegung Theodor Herzls und Chaim Weizmanns (Zionismus) sowie durch die Balfour-Erklärung 1917. Er wurde sofort von allen benachbarten arabischen Staaten bekämpft und ist von ihnen (mit Ausnahme Ägyptens) bis heute trotz Unterstützung durch die UNO nicht anerkannt.

In dieser wechselvollen Geschichte hat sich bei den Juden erstaunlicherweise das religiöse Selbstverständnis als einheitliches Volk Israel erhalten und weiterentwickelt. Es gründet auf der Erfahrung einer Erwählung und Führung durch Gott (Jahwe) seit den Anfängen seiner

Geschichte (Abraham, Isaak und Jakob), beim Auszug aus Ägypten und durch Bundesschluß und Gesetzgebung am Sinai.

Das heutige Israel ist ein moderner, demokratischer Staat.